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»La Casa« in Nöten

Kampf um den Erhalt des Internationalen Hauses der Frau in Rom

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Internationale Haus der Frau in Rom ist in Gefahr. Der große Komplex am Tiber, der seit fast 30 Jahren für alle Frauen der italienischen Hauptstadt aber auch weit über die nationalen Grenzen hinaus ein wichtiger Bezugspunkt ist, leidet unter akutem Geldmangel. Die Kosten werden immer größer und die Stadtverwaltung nimmt immer mehr Streichungen im kulturellen Bereich vor. Deshalb werden die Frauen jetzt zum ersten Mal aufgefordert, für 10 Euro eine Mitgliedskarte zu erwerben. Den Charakter einer offenen Begegnungsstätte will man aber trotzdem beibehalten.

Das alte Frauengefängnis »Buon Pastore« (Guter Hirte) ist sicherlich eines der schönsten Gebäude in einer Stadt, die nun wirklich viele eindrucksvolle Palazzi zu bieten hat. Vor allem der große Innenhof mit der riesigen Magnolie ist unvergleichlich. In diesem Komplex, der fast 2000 Quadratmeter misst, hat das »Internationale Haus der Frau« seinen Sitz – in Rom schlicht »La Casa« (Das Haus) genannt. Wo über Jahrhunderte »gefallene Mädchen« umerzogen, angebliche Hexen eingesperrt und revolutionäre Frauen inhaftiert waren, haben heute dutzende von ganz unterschiedlichen Vereinen, Organisationen und Komitees ihren Sitz, die nur eines verbindet: sie wollen »politische, kulturelle, künstlerische und handwerkliche Aktivitäten im Dienst der Frauen verwirklichen und fördern«.

Konkret heißt das, dass man heute im alten Frauengefängnis des Kirchenstaates unzählige Kurse besuchen kann (von Verhütung über Yoga bis Sprachen) und dass sich hier Gruppen treffen, die sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen (wie Gewalt in der Familie, Rassismus oder die Rolle der Frau in den arabischen Ländern). Es gibt auch ein Gästehaus (nur für Frauen), ein Restaurant und ein Kaffee, ein Kongresszentrum, eine Bibliothek, einen Chor, ein historisches Archiv, und, und, und …

Jahrelang haben die feministischen und Frauenorganisationen der italienischen Hauptstadt gekämpft, damit die Stadt ihnen das Gebäude für einen geringen Mietpreis zur Verfügung stellte und zumindest einen Teil der enormen Renovierungskosten übernahm; immer wieder wurden die Entscheidungen von den wechselnden Regierungen der Stadt in Frage gestellt, und immer wieder waren symbolische Besetzungen oder auch gerichtliche Auseinandersetzungen notwendig, um das Haus zu »verteidigen«.

Doch jetzt ist die Gefahr schleichend: auf der einen Seite steigen die laufenden Kosten (angefangen mit der Miete); auf der anderen werden immer mehr Gelder für Kultur und Soziales gestrichen. Denn wenn das Internationale Haus der Frau auch direkt keine öffentlichen Zuschüsse erhält (und auch gar nicht will, um die Unabhängigkeit zu wahren), so lebt der große Komplex am Tiber doch auch von den Mitteln, die von der Stadt zum Beispiel für eine Beratungsstelle für geschlagene Frauen oder für Italienischkurse für Ausländer bereit gestellt werden. Weiter finanziert sich die »Casa« über Mieteinnahmen, die von verschiedenen Organisationen und Einrichtungen kommen, die hier ihren Sitz haben. Aber in Zeiten der Wirtschaftskrise gibt es auch da Einbrüche.

Deswegen hat der Verwaltungsausschuss jetzt zum ersten Mal beschlossen, von den Frauen, die hier ein und ausgehen, einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Euro zu verlangen. Für diese vergleichsweise niedrige Geldsumme bekommt man einen kleinen Ausweis, auf dem geschrieben steht: »Ein Haus für Dich, ein Haus für alle«. Und das wollen die Frauen in Rom – aber natürlich auch einige Männer, die hier ebenfalls gern gesehen sind – auf jeden Fall erhalten.

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