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Nicht nur Zoten

Comedian Michael Kessler über TV-Qualität

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Michael Kessler gehört seit »Switch« zu den bekanntesten Komikern Deutschlands. Der Schauspieler begann 1992 am Schauspielhaus in Bochum, entwickelte fortan aber konsequent sein komisches Talent. 2007 ging dann »Switch Reloaded« auf Sendung. Darin parodiert Kessler u.a. Adolf Hitler. Mit dem 45-Jährigen sprach Katharina Dockhorn.
Nicht nur Zoten

ND: Satire hat in den vergangenen Jahren für einigen politischen Wirbel gesorgt, Karikaturisten wurden mit dem Tod bedroht. Beeinflusst das Arbeit und Auswahl?
Kessler: Solche Vorfälle kann man nicht völlig ausblenden. Max Biermanns Clip über Osama Bin Laden aus »Switch« wurde hinterher acht Millionen Mal im Internet angeklickt. Das löste auch bei uns, wie soll ich sagen, Unruhe aus. Aber ich bin noch nie bedroht worden. Nach meinen Hitler-Parodien haben mir Neonazis geschrieben, sie fänden das unmöglich, wie ich diesen großen Führer behandelt hätte. Aber das ist ja harmlos und eine Auszeichnung.

Gerade bei den Sketchen vom Obersalzberg müssen Sie sicher jedes Mal die Grenzen neu ausloten?
Ihnen gehen gewissenhafte Diskussionen voraus. Bestimmte Themenbereiche wie KZ oder Holocaust haben da grundsätzlich nichts verloren. Oliver Pocher hatte sich zum Beispiel bei Harald Schmidt mal nicht im Griff, als in diesem Zusammenhang das Wort Duschen aufkam und ist darauf eingegangen. Da wäre bei mir schon längst Feierabend gewesen. Meine Eltern haben aber trotzdem ein Problem, wie wir mit diesem Kapitel der Geschichte umgehen. Das verstehe ich. Aber die jungen Leute, auch die jüdischen Glaubens, finden es gut.

Was ist Ihnen noch wichtig bei der Gestaltung der Sketche?
Ein Sketch darf nicht unter die Gürtellinie gehen, also persönlich verletzend wirken. Das ist oft eine Gratwanderung. Ich habe mal Stephen Hawkins gespielt, der über seinen Sprachcomputer mit Montserrat Caballé »Barcelona« gesungen hat. Darüber haben sich viele Leute aufgeregt. Ebenso über einen Sketch über Rollstuhlfahrer. Dazu haben mir Behinderte geschrieben: Wir fanden es super. Endlich sind wir auch mal Teil einer Comedy.

Wie kommt es, dass in letzter Zeit wieder anspruchsvollere Formen von Satire und Kabarett Einzug ins deutsche Fernsehen gefunden haben?
Nach einer langen Phase des inhaltlosen Blödelns suchen die Menschen wieder nach Inhalt, nach Gefühl, nach Geschichten. Sie wollen, dass irgendetwas Relevantes behandelt wird und sie Informationen bekommen. Sie werden ja den ganzen Tag im Radio und im Fernsehen mit Nichtigkeiten bedudelt. Deshalb haben Sendungen wie »Neues aus der Anstalt« oder Dieter Nuhr so großen Zuspruch.

Ist dies leicht bei den Sendern durchzusetzen?
Das kommt auf den Künstler, den Produzenten und den Sender an. Doch solche Qualität kostet Geld. In Deutschland wird ja seit Jahren wahnsinnig billiges Fernsehen gefordert. Das darf alles nichts mehr kosten. Es ist aber ein Unterschied, ob sie einen Autoren an einen Stoff setzen oder wie in den USA zwölf. Das muss man begreifen. Ich möchte nicht wissen, wie viel Geld in jeder Folge von »Two and a half men« steckt. Das Geld würde ihnen in Deutschland nie jemand geben.

Es geht ja auch anders, wie das »Dschungelcamp« gerade wieder gezeigt hat?
Klar spielt dessen Erfolg den Leuten in die Hände, die propagieren, wir holen uns ein paar Laien und ein paar C-Promis und sperren die ein. Das bringt billig große Quoten. Aber die Mischung macht es. Das Fernsehen muss wie ein Stadttheater alles bieten. Wenn wir von morgens bis abends nur Dschungel-Fernsehen hätten, wäre die Quote nicht sehr hoch. Der Medienrummel funktioniert auch nur zwei, drei Wochen. Wer spricht denn heute noch vom Dschungelcamp? Und die Menschen hat man nach einer Woche spätestens auch vergessen. Aber man spricht hoffentlich noch ein bisschen länger über einen »Tatort«. Das ist zumindest mein Glaube. Wobei ich mir schon wünschen würde, dass die Qualität des Fernsehens insgesamt ein wenig aufwärts geht.

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