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Zuhause in 2B und Not 2B

Gnomeo und Julia von Kelly Asbury

  • Von Alexandra Exter
  • Lesedauer: 3 Min.

Seine Kapuze ist blau, ihre Kapuze ist rot, sie konnten zusammen nicht kommen … Romeo und Julia in der Welt der Gartenzwerge, da sind die Hindernisse fast so unüberwindlich wie bei William Shakespeare. Aber das Ende natürlich nicht halb so tragisch – ein Wort, »natürlich«, das man hier mit Vorsicht verwendet. Denn nicht nur sind Gartenzwerge an sich ja nicht gerade organisch gewachsene Geschöpfe, diese Gartenzwerge im Besonderen sind noch nicht mal aus Gips, Plastik oder irgendeiner anderen formbaren Masse gefertigt, sondern digital animierte Figuren direkt aus dem Computer und damit so weit entfernt vom wirklichen Leben wie nur irgend möglich.

Wer immer schon fand, Elton John, seine Brillen, Fingerringe und Songs gehörten irgendwie in den Fachbereich Kitsch bis allenfalls Edelkitsch, kann in diesem Film immerhin die Bestätigung finden, dass Sir Elton und Ehemann David Furnish (der »Gnomeo und Julia« koproduzierte) offenbar nicht nur liebende Vaterherzen, sondern auch einen gewissen Sinn für Selbstironie haben. Denn was gäbe es schließlich spießiger Kitschiges als ausgerechnet Horden von Gartenzwergen, dazu Frosch-»Skulpturen« aus industireller Fertigung mit Kindchenschema-Augen (und eingebautem Wasserspeier) oder Plastik-Flamingos für den handtuchgroßen heimischen Zierteich? Die aber sind die handelnden Figuren dieser revisionistischen Neuinterpretation einer klassischen Vorlage. Und machen ihre Sache nicht mal so schlecht – vom kindertauglichen Happy End vielleicht einmal abgesehen.

Die Songs, die der Sänger zu »Gnomeo und Julia« beisteuerte, sind großenteils alte Hits, neu überarbeitet (was ihnen nicht immer sonderlich gut bekommt), plus zwei oder drei neue Nummern. Die verfeindeten Gartenzwerg-Clans samt sonstigen Deko-Elementen wohnen in Stratford-on-Avon, Shakespeare-Land also, in den Gärten zweier Häuser mit den Hausnummern 2B und Not 2B – frei übersetzt wären das wohl die Häuser »Sein« bzw. »Nicht-Sein«. (Wer sich ob dieser assoziativen Verballhornung windet, sollte lieber ganz auf die Kinokarte verzichten – sie ist ein gutes Indiz für den Rest der Gags.) Weil die menschlichen Bewohner der Häuser sich nicht riechen können, liegen auch die rot- mit den blaukapuzigen Gartenzwergen im Krieg. Liebe zwischen dem blaubemützten Kronprinz des einen Gartens und der rosigwangigen und rotkapuzigen Tochter des anderen? Komplett undenkbar.

Ein Rasenmäher aus dem Internet-Bestellkatalog mit so ungeahnten Pferdestärken, dass ihm garantiert keine Zipfelmützen-Idylle widerstehen kann, wird seinen Teil zum finalen Showdown beitragen (im Original spricht ihn Wrestling-Star Hulk Hogan, einer der eher farbenfrohen US-Amerikaner in einer ansonsten weitgehend britisch-seriösen Stimmbesetzung). Cousin Tybalt, schon in der Vorlage Katalysator tödlicher Verwicklungen, wird hier vor allem Scherbenhaufen anrichten. Als bester Freund der, äh, Liebenden erweist sich dagegen ein einbeiniger rosa Flamingo aus Plastik, aus dem Gefängnis eines Schuppens befreit, in dem er als Folge eines menschlichen Ehekrieges gelandet war, der ihn auch seine eigene bessere Hälfte kostete – wie ein nachgerade zu Herzen gehender Rückblick kurz durchspielt. Der ist dann auch die anrührendste Passage eines ansonsten vor allem durch seine unverfrorene Andersartigkeit verblüffenden Films.

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