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Schon seit Brokdorf aktiv

Propst Jürgen F. Bollmann gehört zu den Gegnern der Atomkraft

Der amtierende Bischof von Hamburg sprach am Sonnabend in der Hansestadt vor rund 50 000 Atomkraftgegnern.
Der amtierende Bischof von Hamburg sprach am Sonnabend in der Hansestadt vor rund 50 000 Atomkraftgegnern.
ND: Sind Sie privat schon auf Öko-Strom umgestiegen?
Bollmann: Ja, natürlich, aber nicht erst jetzt, das läuft schon seit einiger Zeit. Meine Frau und ich hatten zunächst noch den sauberen Stromtarif von der HEW (Hamburger Electrizitätswerke – d. Red.) bezogen, nach dem Verkauf an Vattenfall sind wir dann zu einem echten Öko-Stromanbieter gewechselt.

Sie sprachen diesen Sonnabend nicht zum ersten Mal auf einer Anti-AKW-Demonstration in Hamburg. Wie ist Ihr Engagement gegen Atomkraft entstanden?
Aktiv bin ich eingestiegen, als entschieden wurde, ein Atomkraftwerk in Brokdorf zu errichten – das war zur Zeit meines ersten theologischen Examens, also 1976. Bei den Demonstrationen in Brokdorf war ich damals nicht, aber ich habe zu der Zeit zusammen mit anderen am Stromzahlungsboykott teilgenommen. Ich war zudem Mitglied der Hamburger Initiative »Kirchliche Mitarbeiter: Gewaltfreie Aktion«.

In welcher Weise haben evangelische Christen in Norddeutschland die Anti-Atomkraft-Bewegung damals unterstützt?
Die zweite Hälfte der 1970er Jahre war eine interessante und sehr kreative Phase des Widerstands gegen die Atompolitik. Im Zuge der Auseinandersetzung um die Atomkraft wurde zum Beispiel die Petrikirche in Hamburg besetzt, es gab einen Hungerstreik und verschiedene andere Aktivitäten.

Haben Sie heute den Eindruck, dass der Widerstand gegen die Atomkraft breiter geworden ist im Vergleich zu früher?
Er stößt auf jeden Fall auf eine breitere Akzeptanz. Es geht aber nicht jeder oder jede, die gegen Atomkraft sind, auf die Straße. Bemerkenswert ist zudem, dass Leute aus allen Generationen zusammenkommen, also auch Jüngere.

Wie haben Sie den Atomunfall in Fukushima erlebt?
Nun scheint es wohl wirklich zu einem GAU gekommen zu sein. Das ist dramatisch. Ich habe Kontakt zu einem Freund in Japan, der in der Nähe von Tokio lebt. Er hat uns geschrieben, dass die Menschen angesichts der Nachbeben nicht wissen, was sie machen sollen: Wenn sie nach draußen gehen, treffen sie vielleicht die Strahlen, wenn sie im Haus bleiben, stürzt eventuell das Dach über ihnen zusammen. Wir nehmen diese Situation wahr, die Verzweiflung der Menschen, dass es kein Trinkwasser aus Flaschen mehr zu kaufen gibt. Wir sind häufiger in Japan gewesen und finden die Ereignisse einfach ganz furchtbar.

Die Anti-AKW-Bewegung musste in den vergangenen Jahren viele Niederlagen hinnehmen. Was ist Ihr Rezept gegen Mutlosigkeit?
Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, ich befinde mich im täglichen Gebet, in der Meditation. Das ist mir immer sehr wichtig zur Ermutigung, zumal ich weiß, dass uns Gott nicht fallen lässt.

Fragen: Reinhard Schwarz

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