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Unwürdige Lage in Lampedusa

Erste Schiffe aus Libyen

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 2 Min.
In der Nacht zu Sonntag erreichte ein erstes Flüchtlingsboot aus Tripolis die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Angaben der Küstenwache und von Hilfsorganisationen zufolge waren fast 300 Menschen an Bord, vor allem Eritreer und Äthiopier, die vor der Gewalt in Libyen geflohen waren.

Die Lage auf Lampedusa ist verheerend. Die Flüchtlinge haben kein Dach über dem Kopf, kaum etwas zu essen und zu trinken und manchmal nur eine Toilette für 250 Personen. Immer mehr Beobachter fragen sich, ob man die Lage nicht absichtlich so verkommen lässt, um in der Öffentlichkeit das Schreckgespenst einer »Flüchtlingsinvasion« zu verbreiten und von der EU mehr Gelder für Kontrolle und Rückführung zu erhalten.

Die Menschen, die unter Lebensgefahr über das Mittelmeer kommen, treffen auf eine Situation, die eines reichen Kontinents wie Europa unwürdig ist. Sie schlafen auf dem Boden, einige am Pier, einige am Strand, andere in alten Lagerhallen. Von den Behörden bekommen sie als Mahlzeiten nur ein paar belegte Brote und etwas Wasser. Auch den Lampedusanern, die selbst immer stärker unter dieser Situation leiden, erscheint das nicht hinnehmbar. Immer häufiger sieht man Leute mit großen Kochtöpfen, um Flüchtlingen wenigstens ab und zu warmes Essen zu bringen. Selbst für die Schwächsten wird nicht ausreichend gesorgt. Über 200 Jugendliche sind in einem kleinen Museum untergebracht, wo sie meist nicht einmal eine Matratze zum Schlafen haben. Inzwischen protestierten die internationalen Flüchtlingsorganisationen, weil das Wasser zu knapp sei und sich unter diesen hygienischen Bedingungen auch Krankheiten ausbreiten könnten.

Jeden Tag verspricht die Regierung in Rom, dass die Insel jetzt »geleert« werde, aber bisher bleibt das ein Nullsummenspiel. So sind am Samstag, als etwa 500 Flüchtlinge von Lampedusa in süditalienische Aufnahmelager gebracht wurden, erneut rund 1000 Bootsflüchtlinge angekommen. Damit ist die Zahl der tunesischen Immigranten wieder auf 5000 angestiegen. Zudem erreichte in der Nacht zu Sonntag ein erstes Flüchtlingsboot aus Libyen die Mittelmeerinsel. Wie die Küstenwache erklärte, sei ein zweites schon unterwegs.

In Italien gibt es kaum Einrichtungen, die gewillt sind, diese Menschen so lange aufzunehmen, bis ihr Status als Asylbewerber geprüft ist. Die Regionen im Norden des Landes wollen den »Illegalen« keine Zuflucht bieten, weil dies »nur als Einladung verstanden werden würde«. Aber auch im Süden will man sie nicht haben, weil man befürchtet, von Rom mit dem Problem dann allein gelassen zu werden.

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