»Es ist schon zum Verzweifeln«

Der Anwalt Mahmoud Hassan vertritt Häftlinge in israelischen Gefängnissen

Mahmoud Hassan (48) ist ein Rechtsanwalt der palästinensischen Menschenrechtsorganisation Addameer (»Das Gewissen«) in Ramallah. Hassan hat in Kiew Jura studiert. Er ist Mitglied des Verbandes israelischer Rechtsanwälte. Addameer ist eine unabhängige Organisation von Ehrenamtlichen, die politische Gefangene aller Parteien und Strömungen unterstützt. Addameer wird weder vom israelischen Staat noch von der palästinensischen Autonomiebehörde finanziert, sondern über Spenden von Privatpersonen. Martin Lejeune sprach mit dem Anwalt am Rande einer Veranstaltung in Berlin.

ND: Ihre Menschenrechtsorganisation Addameer geht davon aus, dass derzeit 8000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen sitzen. In »Spitzenzeiten« sollen es über 10 000 sein. Wie kommt es zu dieser hohen Zahl?
Mahmoud Hassan: Es gibt ein spezielles Rechtssystem, das in den besetzten Gebieten ausschließlich für Palästinenser gilt. Die besetzten Gebiete stehen unter israelischer Militärverwaltung und dort wird nach Militärrecht gegen Aufständische vorgegangen. Danach ist jeder Widerstand gegen die Besatzung verboten, also auch friedliche Demonstrationen oder Flugblätter zu verteilen. Jeder einfache israelische Soldat darf Palästinenser bis zu drei Stunden und an jedem beliebigen Ort festhalten. Und jeder Vorgesetzte kann diese Haft auf unbestimmte Zeit verlängern. Durchschnittlich werden 14 Palästinenser pro Tag von Soldaten verhaftet. Jährlich landen über 50...

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