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Behinderte Kinder in normale Klasse

Rot-Rot will 47 von 100 Förderschulen abschaffen / Die CDU hält davon nichts

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die beabsichtigte Schließung aller Förderschulen in Brandenburg bis 2019 führt zu einem harten politischen Schlagabtausch. Damit sei die rot-rote Regierung auf dem Wege, »verhaltensgestörte Kinder zu produzieren«, sagte CDU-Fraktionschefin Saskia Ludwig gestern.

Wenn die Landesregierung alle rund 100 Förderschulen schließen und die Kinder in gewöhnlichen Schulen unterbringen wolle, dann schaffe sie »ein Riesenproblem«, erklärte Ludwig. Bereits vor einigen Jahren habe die SPD mit der Abschaffung des Studiums für Förderschulpädagogen den ersten Schritt getan. Die Förderschulen seien bei der SPD schon immer unbeliebt gewesen.

Das hat mit der Wahrheit nichts zu tun, findet die Landtagsabgeordnete Gerrit Große (LINKE). Schließlich sei die Ausbildung für Förderschullehrer an der Universität Potsdam ausgelaufen, als die CDU mit in der Regierung gesessen habe. »Wir führen sie ab 2012 wieder ein.« Hinzu kommen Große zufolge obligatorische sonderpädagogischen Ausbildungsinhalte für alle Lehramtsstudenten, um sie zu befähigen, alle Schüler individuell fördern zu können. Keineswegs sollen die Förderschulen über Nacht geschlossen und die Schüler vorbereitungslos auf die anderen Schulen aufgeteilt werden, versicherte Große. Vorher müssten personell und sachlich die Voraussetzungen für das Gelingen geschaffen werden. Ziel sei es, durch das gemeinsame Lernen das gegenseitige Verständnis der Schüler zu wecken. Wer das anders darstelle, der schüre Ängste und profiliere sich auf Kosten der Betroffenen.

Der CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann sagte hingegen, die Regierung benutze eine UNO-Konvention als »Alibi«, um die lange angestrebte Beseitigung der Förderschulen durchzusetzen. Tatsächlich aber könne das UNO-Ziel, möglichst vielen Kindern den Weg zu einer normalen Ausbildung zu eröffnen, nicht als Auftrag zur Beseitigung der Förderschulen gedeutet werden. Hoffmann sprach von der Angst verschiedener Eltern, dass ihr beeinträchtigtes Kind in einer normalen Schule untergeht. Diesen Eltern dürfe man nicht vorschreiben, »was für ihre Kinder das beste ist«. Eine Förderschule sei auch ein Schutzraum für Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben. Die Förderschüler seien ja deshalb an einer Förderschule, »weil sie in der Regelschule den Abschluss nicht erreichen würden«. Ludwig nannte die Annahme »illusorisch«, Kinder mit besonderem Förderbedarf seien an einer normalen Schule besser aufgehoben. »Die Folge wäre eine hoffnungslose Überforderung. Und die geht zu Lasten aller Kinder.«

Stefan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums, korrigierte die CDU. Betroffen von der beabsichtigten Auflösung seien nur die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen. Das wären 47 von 100. Brandenburg müsse die UN-Konvention umsetzen, wonach Schulen in der Lage sein sollen, »jeden zu fördern« und eine »Schule für alle« zu bilden. Vor diesem Hintergrund könne es keinen Bestandsschutz geben.

Zeugnisse von Förderschulen gelten nicht als Schulabschluss. Es ist damit nicht möglich, überall in der BRD einen Beruf zu erlernen.

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