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Opfer hysterischer Kommunistenjagd

Justiz im Kalten Krieg: Vor 60 Jahren wurden Ethel und Julius Rosenberg als Atomspione zum Tode verurteilt

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Ethel und Julius Rosenberg
Ethel und Julius Rosenberg

17. Juli 1950: Es ist Montagmorgen in New York. Der 32-jährige Julius Rosenberg ist in seiner Wohnung mit dem Rasieren beschäftigt. Da klopft es an der Tür: FBI. Rosenberg wird verhaftet. Ihm wird Atomspionage für die UdSSR vorgeworfen. Seine Frau, die 36-jährige Ethel Rosenberg, Mutter zweier Jungen, beginnt für die Freilassung ihres Mannes zu kämpfen und schaltet die Presse ein. Das rief den Zorn der politisch Verantwortlichen hervor. Einen Monat später wird auch sie wegen vermeintlicher Atomspionage festgenommen.

Der Fall erregt die Welt. Für die politische Rechte sind die Rosenbergs ein Symbol der politischen Bedrohung, für die Linke hingegen ist die Strafverfolgung des Ehepaars Ausdruck der kapitalistischen Unrechtsjustiz.

Die Öffentlichkeit in den USA ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges von einer grassierenden Kommunistenangst ergriffen. Nachdem es dem Land bereits im Sommer 1945 gelungen war, eine Atombombe zu entwickeln, fühlt man sich einige Jahre als unangefochtene Supermacht der Erde. Dieser Glaube wird am 29. August 1949 tief erschüttert. An diesem Tag detoniert die erste sowjetische Atombombe. Die UdSSR hat im atomaren Wettrüsten gleichgezogen. Die führenden Persönlichkeiten in den USA sind überzeugt, dass dies nur durch Spionage möglich war.

Eine Annahme, die sich zu bestätigen scheint. Am 2. Februar 1950 wird der britische Wissenschaftler, Klaus Fuchs, der am Manhattan Projekt beteiligt war, verhaftet. Fuchs ist der Dominostein, der weitere zum Fallen bringt. Er gesteht, wichtige Zeichnungen an die Sowjets geliefert zu haben. Fuchs spricht von einem »Raymond«, der als Übermittler für die Russen tätig war. Raymond heißt in Wahrheit Harry Gold. Auch er wird verhaftet und belastet während der Vernehmungen einen Soldaten, der ihm in Los Alamos geheime Dokumente geliefert haben soll. Dieser Soldat ist David Greenglass, Bruder von Ethel und Schwager von Julius Rosenberg. Greenglass belastet Julius ...

Die Verhandlung gegen Julius und Ethel Rosenberg, beide überzeugte Kommunisten, wird begleitet von einer Hexenjagd gegen alles, was politisch links steht. Ein herausragender Protagonist dieser Hasskampagne ist Senator Joseph McCarthy. Er beschuldigt die US-Regierung, 200 sowjetische Agenten in ihren Reihen zu tolerieren. Alle, die jemals Sympathien für kommunistische Ideale äußerten, sind jetzt verdächtig.

Richter Irving Kaufmann bringt die politische Stoßrichtung der Verhandlung in seiner Urteilsverkündung offen zum Ausdruck: »Ich erachte Ihre Verbrechen für schlimmer als Mord. Ich glaube, dass Ihr Verhalten dazu geführt hat, dass die Russen die Atombombe Jahre früher in ihre Hände bekamen, als es unsere besten Wissenschaftler für möglich hielten und es hat, meiner Meinung nach, die kommunistische Aggression in Korea, die das Leben von mehr als 50 000 amerikanischen Toten kostete, verursacht.«

Ethel Rosenberg wird zusammen mit ihrem Mann am 5. April 1951 zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Richter Irving rechtfertigt das Urteil gegen sie mit dem Argument, sie habe es unterlassen, Julius von der Tat abzuhalten. Der Urteilsspruch löst weltweit Protest aus. Sogar Papst Pius XII. interveniert, doch vergeblich. Präsident Eisenhower lehnt eine Begnadigung ab. Obwohl ihr Anwalt in der Zeit bis zur Hinrichtung alles versucht, die Rosenbergs doch noch zu retten, werden beide am 19. Juni 1953 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

In einer CBS-Talkshow des Jahres 2001 gesteht David Greenglass, seine Schwester Ethel fälschlich belastet zu haben. Grund für seine Aussagen gegen die Rosenbergs sei der Umstand gewesen, dass seine eigene Frau, ebenfalls unter Spionageverdacht stand und ihm zugesagt wurde, sie aus dem Spiel zu lassen, wenn er seine Schwester belasten würde. Da es wenig Belastendes gab, erfand er es. Er behauptet, im Leben nicht damit gerechnet zu haben, dass man die beiden hinrichten würde.

Sieben Jahre später, im Jahr 2008, werden die Aussagen von 43 der 46 Zeugen im Fall Rosenberg und weitere geheime Akten der Öffentlichkeit vorgelegt. Ihre Auswertungen ergeben, dass Julius Rosenberg während des Zweiten Weltkrieges als Mittelsmann Informationen bezüglich der Entwicklung der Atombombe an die UdSSR weiter geleitet hat. Diese Informationen waren laut Akten des KGB für die Sowjetunion allerdings von geringem Wert. Und: Ethel Rosenberg war über das Tun ihres Mannes informiert, selbst aber nie an der Aus- und Durchführung der Aktivitäten beteiligt. Obwohl die US-Regierung über die Haltlosigkeit der Anklage gegen sie informiert war, wurde Ethel Rosenberg dennoch hingerichtet.

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