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Fehlbesetzung

Masataka Shimizu - der Chef des Fukushima-Reaktors meldet sich krank

  • Von Daniel Kestenholz, Bangkok
  • Lesedauer: 2 Min.

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Mitten in der größten Katastrophe seines Unternehmens meldet er sich krank, nachdem er schon zwei Wochen lang nichts mehr von sich hatte hören lassen: Masataka Shimizu, 66 Jahre alt, seit 2008 Präsident der Tokyo Electric Power Company (Tepco), Asiens größtem Stromproduzenten; heute aber vor allem bekannt, ja berüchtigt, weil zu ihm das Katastrophenkraftwerk Fukushima gehört.

Mitte der Woche ging Shimizu von einem unbekannten Ort in ein unbekanntes Krankenhaus in Tokio, wegen Bluthochdrucks und Schwindelanfällen, wie das Unternehmen erklärte. Während der Tage zuvor behauptete Tepco noch, der Chef führe seine Truppen in der Notzentrale an. Weit gefehlt.

Shimizu, der seit seinem 23. Lebensjahr für den Stromkonzern arbeitet, ist seit dem 16. März nicht mehr im Chefbüro erschienen. Die Erniedrigung schien ihm offenbar zu groß, in einer dermaßen auf Etikette und Äußeres bedachten Gesellschaft wie der japanischen persönlich für ein Debakel verantwortlich sein zu müssen. Die Katastrophe im Kernkraftwerk reißt nicht nur seinen Konzern in wirtschaftliche Abgründe. Die ganze Welt blickt auch auf Shimizu und wirft ihm persönlich vor, seine alternden Atomanlagen ungenügend gegen höhere Gewalt gesichert zu haben.

Der Mann, der letztmals am 13. März bei einer geradezu peinlichen Pressekonferenz der endlosen Bücklinge und Entschuldigungen in der Öffentlichkeit gesehen wurde, ist offenbar am Ende. Dabei gehörte Shimizu, Absolvent der prestigereichen Tokioter Keio-Universität, Japans unantastbarer Führungselite an. Doch schwieg er ausgerechnet in einer Zeit, als Führungsstärke gefragt war.

Nach Skandalen ist es in Japan durchaus üblich, dass darin verstrickte Personen abtauchen. Doch angesichts der Größe des Atomunfalls wird das Versagen Shimizus, der ein sehr hohes Gehalt dafür einsteckt, dass er führt, anderes erwartet. Als sein Lebensmotto erklärte Shimizu einst »Kankyakka«, ein Spruch im Zen-Buddhismus, der etwa »Achte darauf, was unter deinen Füßen ist« bedeutet. Er verstehe das als: »Gerate nicht in Panik, auch in totaler Finsternis«, erläuterte er 2009. Dem ist er nicht gerecht geworden.

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