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Sportliche Strandtour mit der Drachenkiste

BUGGYKITING: Fast lautlos und ziemlich schnell schleppt der Wind MELINA HOETZSCH in ihrem Dreirad weg

Wuchtig sehen die Boliden aus, die hier gleich auf fetten Reifen über den Strand brettern werden. Nein, keine Panik, es handelt sich nicht um Quads, die inzwischen allenthalben durch die Landschaft röhren und stinken. Der Antrieb dieser Dreiradbuggys schwebt nämlich in etwa 20 bis 30 Meter luftiger Höhe: ein bunter Drachen, englischer Fachbegriff »Kite«. Er wird das Gefährt nach dem Startsignal umweltmäßig unbedenklich und trotzdem eindrucksvoll beschleunigen. Der Weltrekord liegt bei 124 Stundenkilometern, die Marke hat der Niederländer Arjen van der Tol gesetzt, auf einem ausgetrockneten See bei Las Vegas/USA.

An solche Marke reicht Melina Hoetzsch noch nicht ganz heran. Aber 80 km/h hat die 15-jährige Schülerin locker geschafft, ansonsten ist sie während der Saison mit durchschnittlich 30 bis 40 Stundenkilometern in ihrem Kitebuggy unterwegs. Auch das ist ja nicht gerade langsam, und wenn einem die Pilotin jetzt so gegenübersitzt, beim ND-Gespräch im elterlichen Wohnzimmer in Hamburg-Rahlstedt, dann kann man es sich beinahe gar nicht vorstellen, dass diese zierliche junge Frau in ihrer Drachenkiste demnächst wieder auf Titeljagd gehen wird.

Das ist eine Irritation, die Melina Hoetzsch natürlich nicht nachvollziehen kann. Buggykiting ist im Hause Hoetzsch ein Familiending, Vater, Onkel, Schwester und Cousinen tun es – und Melina Hoetzsch hat bereits als Achtjährige probeweise den Drachen gehalten. Seit 2008 steuert sie ihren eigenen Boliden: »Es ist einfach toll, so am Wasser lang zu rauschen. Ich muss nicht viel tun, sondern lasse mich einfach ziehen«, schwärmt sie. Ein Hobby, das hierzulande immer mehr Anhänger gewinnt. Die German Parakart Association Kitesailing e.V. (GPA) zählt rund 2000 Mitglieder, zusammen mit den Unorganisierten dürften das republikweit gut 6000 Fans sein.

Die Anfänge reichen übrigens weit zurück. 1826 erfand der Engländer George Pocock einen »Charvolant«, eine Kombination aus Kutsche und lenkbarem Bogendrachen, und er schaffte sensationelle 30 km/h. Eine Idee, die zunächst wieder in Vergessenheit geriet, bis sie Ende des 20. Jahrhunderts vom Neuseeländer Peter Lynn ausgegraben wurde. Der baute 1990 den ersten Kitebuggy, und seitdem hat das Konzept seinen Siegeszug um den Globus angetreten.

Das Prinzip: Der Sportler lenkt ein Dreirad mit den Füßen und bewegt gleichzeitig einen Drachen mit den Händen. »Ein durchaus komplexes Geschehen«, räumt Melina Hoetzsch ein. Deshalb sei es ratsam, sich die Technik von einer Fachkraft beibringen zu lassen, zumal das Fahren ohne Lizenz in Deutschland in vielen Gebieten verboten ist. Die Prüfung kann nach einem Wochenendseminar vor einem Instruktor der GPA abgelegt werden. Für die Grundausstattung für den ersten Beachtrip, also Dreirad plus Drachen, müsse man rund 600 Euro investieren.

Hinzu kommt noch der Schutzhelm. Auch Melina Hoetzsch hat sich schon mal überschlagen. Glücklicherweise sei nichts passiert, und ohnehin habe sie keine Angst, sie spiele nebenbei noch Handball, und da »sei die Verletzungsgefahr größer«, meint sie. In der Open-Klasse ist die Gymnasiastin nationale Vizemeisterin. In der diesjährigen Saison, die Ostern in St. Peter-Ording startet, peilt sie die Nummer 1 an. Sportliches Vorbild ist Annika Grab aus Minden, die 2009 Europameisterin wurde. Wer weniger ehrgeizig ist: Die gemütlichen Dänen laden zu entspannten Wandertouren ein, von der Jammerbucht die Nordseeküste runter. Garantiert ohne Biosprit E10 und die Kohlendioxidbilanz bleibt sauber.

Kitebuggy-Osterregatta Deutsche Meisterschaft: 22. bis 25.4.2011, St. Peter-Ording; weitere Infos: www.gpa.de; Buggykiting in Berlin: www.buggyban.de

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