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Ästhetisierung des gesamten Lebens

Die Kunstbibliothek zeigt Joseph Maria Olbrichs »Architekturträume des Jugendstils«

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Prinzessinnenhaus, 1902
Prinzessinnenhaus, 1902

Die Sorgfalt und die Delikatesse in der Ausführung der Zeichnungen faszinieren. Sie haben Joseph Maria Olbrich offenbar ebenso viel bedeutet wie die fixierten Entwürfe seiner schier unbegrenzten künstlerischen Fantasie. Ihm, einem der wichtigsten Architekten des Jugendstils, ist mit rund 200 Blättern ein Ausstellung in der Kunstbibliothek gewidmet, und das aus gutem Grund. Waren es doch Exponenten des öffentlichen Lebens dieser Stadt, so Wilhelm Bode als Generaldirektor der Königlichen Museen und der Maler Max Liebermann, die 1911 als Stiftungskommission den Ankauf von Olbrichs Nachlass anregten. Dank 42 Spendern konnten mehr als 2500 Blätter für die Kunstbibliothek erworben werden.

Bereits 1912 fand im heutigen Martin-Gropius-Bau die erste Olbrich-Ausstellung statt. Nachdem jener Nachlass 1944 im Keller des Pergamonmuseums eingelagert wurde, fand er sich 1952 in der britischen Kunstsammelstelle Schloss Celle wieder: mit geringen Verlusten. Zwei Städte teilen sich damit den Rang, Olbrich-Zentren zu sein: Berlin und Darmstadt.

Geboren wurde Olbrich 1867 im heute zu Tschechien gehörenden Teil Schlesiens, absolvierte nach einer Maurerlehre die »k.k. Staatsgewerbeschule« in Wien, ehe er an der dortigen Akademie der Bildenden Künste Architektur studierte. Schon 1892 brachte ihm der Entwurf einer Ruhmeshalle den Hof-Spezialpreis Erster Klasse ein, dem 1893 der Rom-Preis der Akademie folgte. In Italien, Frankreich, England, Deutschland, Nordafrika fand er vielfältige Inspiration. 1897 war er neben Malern, Bildhauern und Architekten Mitbegründer der Wiener Secession, deren Präsident Gustav Klimt wurde und für die Olbrich das Ausstellungsgebäude entwerfen durfte.

Seine Hauptwirkungsstätte sollte Darmstadt werden, wohin ihn 1899 Großherzog Ernst Ludwig berief. In den wenigen Jahren bis zu Olbrichs Leukämie-Tod 1908 schuf er dort in der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und für sie ein einzigartiges gesamtkünstlerisches Ensemble. Dass er, mit vielen Preisen geehrt, 1907 Gründungsmitglied des Deutschen Werkbunds in München war, weist ihn als bedeutenden Künstler zwischen Historismus, Jugendstil und einer auch vom Bauhaus proklamierten Moderne aus.

In vier Abteilungen informiert die Kunstbibliothek über Leben und Werk des früh Verstorbenen. Sind seine Anfänge in Wien, die nicht realisierten Projekte eines säulenbewehrten Theaters und eines Sakralbaus mit gewaltiger Kuppel, noch von den pompösen Gebäuden des Historismus an der Ringstraße beeinflusst, zeugen sie doch von eminentem Talent. Ebenso wie die Skizzen, auf denen er Kircheninneres aus Rom porträtierte – mit welchem Blick für Komposition, Perspektive. Die Wiener Secession war Aufbruch hin zur Neubelebung einer Kunst, die alle Lebensbereiche erfasste. Über Olbrichs 1898 entworfenem, auf zehn Jahre befristeten, bis heute genutzten Ausstellungsgebäude der Secession steht als Motto: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit. Jener Bau, wegen seiner den Eingang flankierenden Pylonen von der Kritik als »assyrische Bedürfnisanstalt« diffamiert, bedeutete für ihn den Durchbruch als Architekt.

Besonders auf der Mathildenhöhe in Darmstadt konnte er sein Konzept verwirklichen, das auf ein Gesamtkunstwerk zielte. Hier entwarf er ein Spielhaus genanntes Theater nebst den Figurinen, gestaltete die Wohnräume des Großherzogs, baute dessen Tochter ein kindgerecht märchenhaftes Prinzessinnenhaus, schuf für die Ausstellungen jener Künstlerkolonie Einfamilienhäuser mit kompletter Innenausstattung, wie edle Firmen sie zulieferten: Scharnier, Türklinke, Beschlag, Fliesen, Armaturen, Möbel, Tischuhr, Besteck, Likörflasche, Wandteppich, sämtliches Dekor.

Weniger zum Zug kam Olbrich in Berlin, das ihn anzog und für das er vielfach entwarf: Villen, von denen nur in Steglitz eine stark verändert erhalten blieb; ein Secessionsgebäude am Kurfürstendamm; eine großzügige Neugestaltung für den Pariser Platz. Berlin bedankte sich zumindest mit ehrendem Gedenken, das bis heute anhält.

Bis 13.6., Kunstbibliothek, Matthäikirchplatz 6, Tiergarten, Telefon 266 42 41 01, weitere Informationen im Internet unter www.smb.museum

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