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Staatsanwaltschaft ermittelt nach Massenkarambolage

Einen Tag nach der Katastrophe bei Rostock sind die Autowracks geborgen - Trauer und Fragen Unglücksursache aber bleiben. Acht Tote und weit mehr als 100 Verletzte sind zu beklagen, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
Rostock (dpa/ND) - Nach der verheerenden Massenkarambolage in einem Sandsturm bei Rostock mit acht Toten ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. »Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung«, sagte Staatsanwältin Maureen Wiechmann am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Experten der Prüforganisation Dekra sollen klären, »ob Autofahrer angesichts der Sandwand zu schnell oder zu unvorsichtig gefahren sind«. Noch am Freitag wurden fünf Fahrzeuge an der Unfallstelle beschlagnahmt.

In einer Sandwolke, die den Fahrern die Sicht nahm, waren 80 Fahrzeuge ineinandergerast. Knapp 30 gingen in Flammen auf. Ein seit dem Morgen tobender Frühlingssturm hatte den Sand von angrenzenden Feldern aufgewirbelt und auf die Fahrbahn geweht. Die Polizei berichtete von Sichtweiten unter zehn Metern zum Unfallzeitpunkt um kurz nach 12.30 Uhr am Freitagmittag.

20 Schwerverletzte wurden am Samstagnachmittag noch in Krankenhäusern behandelt, ein Mann schwebte in Lebensgefahr. Die Toten stammen nach Angaben der Polizei aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt. Kinder sind demnach nicht unter den Opfern. Am Samstagnachmittag wurde zunächst die Fahrbahn Richtung Berlin freigegeben, die schwer beschädigte Gegenfahrbahn soll am Sonntag folgen.

An der Unfallstelle gab es kein Tempolimit. Landesverkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) verlangte eine Debatte über Geschwindigkeitsbegrenzungen. »Man kann nicht jeden Unfall durch Verkehrsregeln verhindern. Wir müssen aber darüber reden, ob und wie Tempolimits zu mehr Sicherheit beitragen können«, erklärte er.

Der BUND gab der Agrarindustrie eine Mitschuld am Entstehen des Sandsturms. »Durch die jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur haben die Böden immer weniger Humusgehalt«, sagte der BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. Die obere Krume des Bodens trockne aus, und je geringer der Humusgehalt sei, desto einfacheres Spiel habe der Wind. Zudem fehlten Hecken, die den Wind bremsen könnten. »Das ist eine Altlast aus Ostzeiten.« Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Rainer Tietböhl bezeichnete diese Sichtweise als Unsinn. In den vergangenen sechs Wochen habe enorme Trockenheit geherrscht - dafür könne kein Landwirt etwas.

Die Aufräumarbeiten wurden am Samstag mit Hochdruck vorangetrieben. Arbeiter gossen neuen Asphalt auf die A19. Die Fahrbahn war in der Hitze der brennenden Autos auf 70 Meter Länge schwer beschädigt worden. Knapp 30 der insgesamt 80 beteiligten Wagen hatten bei dem Unfall am Freitagmittag Feuer gefangen, darunter ein Gefahrguttransporter. Insgesamt waren 300 Retter im Einsatz. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dankte ihnen für ihren »unheimlich schweren Einsatz«.

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