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Deutsche Turner glänzen zum EM-Abschluss

Drei Medaillen für Philipp Boy und Marcel Nguyen am Reck und am Barren

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Egal, wen man in der Max-Schmeling-Halle in den letzten sechs Tagen getroffen hat, alle haben von den Turn-Europameisterschaften in Berlin geschwärmt. »Ich bin eher Jazz- und Funkfan, aber bei dieser fantastischen Stimmung ertrage ich sogar die Technomusik in der Halle«, lachte die Dritte im Sprung, Ariella Käslin aus der Schweiz. Dem spanischen Trainer Pedro Mil war es fast egal, dass sein Land medaillenlos blieb: »Ich bin beeindruckt von der Halle und der unglaublichen Atmosphäre.« Für einen berauschenden Schlusspunkt der Titelkämpfe, sorgte die Dramaturgie am Sonntag – mit gleich drei deutschen Medaillen.

Den Anfang aber machte Anna Dementjewa. Nachdem die russische Spitzenturnerin Alija Mustafina am Freitag verletzt ausscheiden musste, wurde ihre 16-jährige Klubkameradin vom ZSKA Moskau mit Siegen im Mehrkampf und am Stufenbarren neben der Rumänin Sandra Izabasa, Gold im Sprung und am Boden, zur erfolgreichsten Turnerin der EM. Mit acht Medaillen war Russland erwartungsgemäß auch die stärkste Nation, vor den ewigen Rivalen aus Rumänien mit sechs Mal Edelmetall und ebenfalls drei Titeln. Das deutsche Team hatte zwar eine Medaille mehr gesammelt, aber einen Sieg weniger – doch Platz drei übertraf alle Erwartungen.

Die zweite Goldmedaille nach dem Sieg von Philipp Boy im Mehrkampf gewann Marcel Nguyen am Barren und dabei sorgte er auf den Rängen nicht nur für frenetischen Jubel, sondern auch für Atemnot. »Ich habe die ganze Übung lang die Luft angehalten«, erzählte Mama Hedy, die am Ende »überglücklich und aufgelöst« neben Marcels Freundin Alexa in ihren Stuhl sank. Nach seiner Vorstellung musste der 23-jährige Unterhachinger allerdings noch lange zittern. Da er als Erster ans Gerät musste, stand er während der Übungen der sieben anderen Finalisten nervös neben dem EM-Maskottchen Berlino und seinem Heimtrainer Valeri Belenki. Am Ende lagen sich alle drei in den Armen.

Viel Zeit zum Feiern blieb nicht. Wenig später stand er schon im nächsten Finale, dem letzten der Titelkämpfe: Er, Philipp Boy und Epke Zonderland aus Holland brachten die Halle mit waghalsigen Flugelementen am Reck zum Toben. Ganz glücklich wirkte der Cottbusser Boy nach seiner Übung noch nicht. Wie Nguyen zuvor musste der 23-Jährige zuerst ans Gerät. Erstes Abklatschen mit Nguyen, als dieser als Vierter seine Übung absolviert hatte und sich knapp hinter ihm einordnete. Dann zusammen, als Erster und Zweiter, banges Warten bis zum letzten Turner: Epke Zonderland. Mit einer unwiderstehlichen Flugshow fing er beide noch ab. Doch von Enttäuschung keine Spur: »Sensationell, Wahnsinn«, fand Boy die passenden Worte zum Abschluss einer grandiosen Woche.

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