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Tierarztberuf wird Frauensache

In Bayern waren im Jahr 2010 bereits rund 90 Prozent der Studienanfänger weiblich

  • Von Joachim Greiner, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt hat sich in Bayerns Tierarztpraxen ein spektakulärer Wandel vollzogen. Im einst klassischen Männerberuf behandeln immer mehr Frauen die Patienten – und die werden immer älter, dicker und anfälliger.

München. In diesem Jahr wird es ganz schlimm. Professor Thomas Göbel, der Studiendekan der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, rechnet für seinen Bereich angesichts des doppelten Abiturjahrganges in Bayern mit einer Katastrophe. Es gibt weder mehr Studienplätze noch mehr Stellen für seine Fakultät, dafür aber viel mehr Bewerber. »Von der Politik werden wir mit leeren Hülsen abgespeist und alleingelassen«, sagt er.

Die Tiermedizin ist ein attraktiver Studiengang. Auf jeden der begehrten 287 Studienplätze in Bayern haben sich 2010 etwa fünf Abiturienten beworben. 90 Prozent der Studienanfänger waren Frauen – bei einem Numerus clausus von 1,4. Wenn die jungen Ärzte elf schwere Semester voller Prüfungen hinter sich haben, trifft sie eine bittere Erkenntnis. »Im Vergleich mit anderen Heilberufen«, sagt Axel Stoltenhoff von der Bayerischen Landestierärztekammer, »liegen die Tierärzte am unteren Ende der Einkommensskala.« Eine Familie sei mit einer Einzelpraxis nicht zu ernähren.

Unterschied Stadt – Land

Der Beruf des Tierarztes wird mehr und mehr zur Frauensache. »Die Frauen sind besser in der Schule«, sagt Thomas Göbel, »und sie haben eine uneingeschränkte Tierliebe.« Stoltenhoff sieht es pragmatisch. »Der Berufswunsch Tierarzt ist nichts für den, der schnell Kohle machen will und vom großen Management träumt.« Die Versorgung ist bei einer hohen Dichte von Kleintierpraxen in den Ballungsräumen bayernweit »okay«, wie Stoltenhoff es nennt. Nachwuchsmangel gibt es nur bei Großtierpraxen für Rinder und Schweine in oft strukturschwachen Gebieten, weil für diesen Knochenjob mit seinen Tag- und Nachteinsätzen allmählich die Männer fehlen.

Tiermedizin kann an fünf Fakultäten in Deutschland studiert werden. In Bayern ist dies nur an der Münchner LMU möglich.

Fünf Millionen Hunde, sieben Millionen Katzen, dann noch Pferde, Fische, Vögel, Hamster und immer mehr Exoten – die Deutschen lieben ihre Haustiere. In Vilsbiburg in Niederbayern betreibt Manfred von Dewitz seit über 30 Jahren seine Praxis für Hunde, Katz und Maus. Selbst eine Python zählt zu seinen Patienten. Sein Vater, ein Landtierdoktor vom alten Schlag, hätte »nur müde gelächelt, wenn man von ihm die Behandlung einer Katze verlangt hätte«. Doch vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von Singles und älteren Menschen hat die soziale Bedeutung des Haustieres zugenommen – das Haustier als Familienmitglied sozusagen.

Krank wie die Menschen

Auch im Krankheitsbild werden die Tiere den Menschen immer ähnlicher. Sie werden älter, leiden unter Bewegungsmangel, falscher Ernährung und Allergien und haben große Probleme mit Muskeln, Knochen und Gelenken. Wolfgang Kaspar, dem Leiter der Tierärztlichen Klinik Nürnberg Hafen, fällt die »Zunahme von Herz-Kreislaufproblemen bei Katzen« auf. Seine Erklärung: »Zu viel Ruhe, zu wenig Bewegung.«

Die Zukunft der Branche liegt in der Spezialisierung und beim Fachtierarzt. Die Folge sind weniger Kleintierpraxen und mehr Praxiszentren mit vielen Ärzten und Fachgebieten sowie mit Hightech wie in der Humanmedizin.

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