Schneider holt Kaffee

GWSW-Folge 69 zeigt, was CSI in Wedding vermittelt

Ach, endlich ist sie wieder da, die Schinkelsche, gespielt von Constanze Behrends. Ist doch klar, dass die geliebte Schreckschraube und Leiterin des Arbeitsamtes in der Theater-Sitcom »Gutes Wedding, schlechtes Wedding« (GWSW) so wichtig für den Kiez ist wie das Salz in der Suppe. Die Gutste war von höchster Stelle für drei Monate abkommandiert, europaweit Sächsischunterricht zu erteilen. Besonders schlau angestellt hätten sich dabei die Angelsachsen. Die wüssten schließlich, wo sie herkommen. Nämlich aus dem germanischen Sammelvolk der Sachsen und Angeln. Tja, die Schinkeln kann einiges erzählen. Wesentlicher jedoch ist, dass ihr Ahmed nun glücklich ist, wieder seine Befehle zu bekommen. Das fehlte ihm so sehr, dass er Hilfe bei der Nachbarin suchte. Aber vergeblich. Keine kann das so gut wie seine Heidemarie: »Aber zack, zack!«

Die GWSW-Folge 69 »CSI Wedding« ist von Heimkehrern gezeichnet. Aus »Kanadien« kommt Sängerin Nina zurück. Sie patrouilliert durch die mütterliche Wohnung, findet aber nicht ihr Zimmer, sondern die neue Mieterin Dani Hundethaler. Diese Hundefriseuse ist das personifizierte Pink. Möglicherweise ist diese neue GWSW-Figur überzeichnet. Abwarten. Schauspielerin Jenny Bins wird eigentlich mit Schrillem fertig, spielte bisher jede Rolle souverän. Gegen diese Dani jedoch wirkt die von Bins ebenfalls dargestellte Kiezschlampe Sabrina noch gemäßigt.

Der Weddinger Polizist Herrmann Schneider (wie Ahmed gespielt von Alexander Ther), weiß inzwischen überhaupt nicht mehr, was los ist. Plötzlich muss er sich um einen CSI-Praktikanten (Robert Speidel) kümmern. Praktikum bedeutet Kaffee holen und so, hat Chefin Trinidad gesagt. Schneider holt also Kaffee, versäumt aber nicht zu erwähnen, dass er eigentlich Muckefuck-Fan ist. Macht nichts. Seine Gedanken sind sowieso woanders, seit er als Stalker die Richterin Clara Fall verfolgt.

Wie überall will den E-Post-Brief auch in Wedding keiner haben. Hier schickt man sich lieber »singende Telegramme«. Die Postboten kommen aus dem Vortragen gar nicht mehr raus. Kalle ist allerdings nicht dabei. Sein Darsteller Oliver Tautorat macht Baby-Pause.

Indes verwandelt sich die Weddinger Burgsdorfstraße in den »Prime Time Square«. Das private Theater eröffnet nebenan am 14. April mit der GWSW-Vorstellung »Das Kochduell« seine »Prime Time Kantine«. Hat sich schließlich auch woanders bewährt, dass Küche staatlich nicht finanziell geförderte Kunst stützt. Da gibt es nun also Lieblingsspeisen der GWSW-Helden wie »Hausgemachter Krautsalat Onkel Ahmed«, die ungarische Schweinegulaschsuppe »Ma hattn doch nüscht« und größere Sachen. Tagsüber kalte und bis früh um eins warme Küche sind angekündigt, deutsche und mediterrane Hausmannskost. Die Karte ist groß, der Kochort räumlich klein. Gewitzt entschied man sich für einen Koch, der etliche Jahre bei der Volksmarine aus der Kombüse gelugt hat. Der weiß also, wie man gut kocht, ohne sich großartig zu drehen und zu wenden.

Die Geschichte der Gastronomie an dieser Straßenecke reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Kneipe und Keller spielten auch bei Kämpfen im Roten Wedding eine Rolle, recherchierte das prime time theater. Zum jüngeren Teil der Historie gehört, dass mit dem Einzug der türkischen Gastarbeiter im damaligen französischen Sektor Berlins hier 1972 die erste Döner-Bude der Stadt öffnete. Sie hieß tatsächlich »Chez Ölgür«. Der Name wurde von der Autorin Constanze Behrends in der Theater-Sitcom »Gutes Wedding, schlechtes Wedding« für Onkel Ahmeds Dönerbude übernommen.

Die Theatergründer werden in gar nicht langer Zeit auch in die Bezirkschronik eingetragen. Aber das wird eine neue Geschichte.

Fr.-Di. 20.15 Uhr, prime time theater, Müllerstr. 163/Eing. Burgsdorfstr., Tel.: 49 90 79 58

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