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Ihr Fachkräfte kommet

Migrationsforscher fordern in neuem Gutachten mehr Zuwanderung von Hochqualifizierten

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) fordert eine »Runderneuerung« der Zuwanderungspolitik. Vor allem Hochqualifizierten müsse die Einwanderung erleichtert werden.

Zum zweiten Mal legten die neun Migrationsexperten ihr Jahresgutachten vor. Nachdem 2010 der Zustand der Einwanderungsgesellschaft Deutschlands untersucht wurde, liegt der Schwerpunkt in dem diesjährigen Bericht »Migrationsland 2011« auf der Migrationspolitik. Im Ergebnis brauche Deutschland eine mutigere Migrationspolitik und deutlich mehr hoch qualifizierte Zuwanderer. Davon sei die deutsche Bevölkerung bereits überzeugt.

Der wachsende Fachkräftemangel und die Abwanderung gut ausgebildeter Deutscher seien derzeit die größten Probleme, konstatierte der Vorsitzende des SVR, Klaus J. Bade, gestern in Berlin. Er forderte die Politik auf, ihr »Versteckspiel mit den angeblichen Ängsten der Bevölkerung« zu beenden. Denn diese befürwortete laut SVR-Befragung zu 60 Prozent einen stärkeren Zuzug von Fachkräften und ebenfalls mehrheitlich die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen.

Einig zeigten sich die 2450 Befragten mit und ohne Migrationshintergrund aber auch in der Frage nach Zuwanderung von gering qualifizierten Arbeitskräften. Diese lehnten sie ab. Damit, so der SVR, zeige sich, dass die Bevölkerung die Migrationspolitik »pragmatisch-nüchtern« betrachte. Und dies, obwohl das vergangene Jahr von einem »Spiel aus Ängsten, Vorurteilen, Halbwahrheiten und unzulässigen Verallgemeinerungen« beherrscht war, wie Rüdiger Frohn, Vorsitzender des SVR-Kuratoriums, kommentierte.

Auch Migrationsforscher Bade kritisierte die von Thilo Sarrazin (SPD) ausgelöste Integrationsdebatte des letzten Jahres: »Der trompetende Elefant Sarrazin ist durch den Prozellanladen getrampelt.« Bade warnte vor einer »populistischen Kulturpanik«. Denn Fachkräfte müssten vor allem in osteuropäischen, aber auch in den muslimisch geprägten Staaten Nordafrikas angeworben werden.

Um die Zuwanderung von Hochqualifizierten zu fördern, schlägt der SVR ein »Drei-Säulen-Modell« vor. Danach soll die Mindesteinkommensgrenze von 66 000 auf 40 000 Euro Jahresbruttolohn gesenkt werden, eine »Bleibepolitik« für internationale Studierende als »ideale Zuwanderergruppe« entwickelt und ein flexibles Punktesystem für die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffenen Bereiche eingeführt werden. Ein positives Beispiel, sich für Zuwanderer attraktiver zu machen, stelle etwa Österreich mit seiner »Rot-Weiß-Rot-Karte« dar, so Bade.

Das sich als politisch neutral verstehende Beratergremium SVR forderte aber auch die Europäische Union zum Handeln auf. Die »Festung Europa« müsse etwa den Menschen in Nordafrika »in überschaubarem Umfang legale Zuwanderungswege eröffnen«. Um Migrations- und Entwicklungspolitik miteinander zu verbinden, schlug Bade »eine Art Marshall-Plan« vor. Dazu sollten finanzielle Hilfen, Technologietransfers, faire Handelsbeziehungen und Visaerleichterungen gehören.

Die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), fühlte sich trotz der Kritik des SVR in ihrer Arbeit bestärkt. »Der eingeschlagene Weg einer gesteuerten Zuwanderung muss ausgebaut werden«, so Böhmer. Oberste Priorität sei, die Potenziale von qualifizierten Migranten zu stärken. Der Grünen-Bundesvorsitzende, Cem Özdemir, bezeichnete das SVR-Gutachten als »gute Grundlage für eine Rückkehr zu Sachlichkeit und Vernunft«.

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