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Maloche im Gastgewerbe

Auszubildende im Norden beklagen schlechte Arbeitsbedingungen

  • Von Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Schleswig-Holstein ist ein Tourismusland, doch das Gastgewerbe steht wegen den Ausbildungsbedingungen massiv in der Kritik.

»Schwarze Schafe« oder doch ein flächendeckender Missstand? Immer mehr Auszubildende beklagen sich nach Angaben des DGB Nord über die Arbeitsbedingungen in der Hotel- und Gaststättenbranche. Dies habe eine aktuelle Umfrage in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gezeigt. Die Gewerkschaft rät Jugendlichen, vor dem Antritt eines Ausbildungsverhältnisses das Arbeitsumfeld genau zu prüfen. Die beste Möglichkeit sei dafür ein Praktikum.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) des Landes Schleswig-Holstein weist die pauschale Kritik zurück. Es sei schlichtweg nicht zutreffend, dass die Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe per se durch harte Arbeit, Überstunden und einen rauen Ton geprägt sind, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der Landesregierung. Die statistischen Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache. Demnach wird die Lehre in diesem Bereich durch fast die Hälfte aller Auszubildenden abgebrochen.

Hohe Belastungen

Gerade Schleswig-Holstein ist dabei als Ferienland und Tourismusziel besonders von dieser Branche geprägt. Mit Stand Juni 2010 wurden hier 13 736 Ausbildungsplätze angeboten, aber beinahe jede dritte Lehrstelle davon konnte nicht besetzt werden. Die DeHoGa wird dabei nicht müde, über einen Fachkräftemangel zu klagen. Doch interessanterweise münden von allen Ausbildungsabschlüssen auch nur 38 Prozent in einer Weiterbeschäftigung. Das geht aus der Antwort der Landesregierung in Kiel auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

»Ruhezeiten von unter zehn Stunden und ständig wechselnde Arbeitszeiten gehören leider zum Alltag Auszubildender«, heißt es von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Neben der körperlichen Belastung ist auch die seelische nicht zu unterschätzen. Betroffene Eltern haben sich der NGG anvertraut und von Suizidandrohungen ihrer in der Ausbildung steckenden Kinder berichtet. Häufig würden Auszubildende wie reguläre Beschäftigte behandelt, ergänzt die NGG.

Branche wiegelt ab

Laut DGB-Jugendsekretär Heiko Gröpler bekommen die Azubis in diesem Arbeitszweig oft weniger als 500 Euro im Monat. Überstunden werden nicht selten nur zum Teil oder gar nicht vergütet. Das sind glasklare arbeitsrechtliche Verstöße, die von Arbeitgeberseite häufig heruntergespielt werden als »branchentypische Belastungen in Realsituationen«. Diese Vorhaltungen wiederholen sich nunmehr seit einigen Jahren. Besserung? Fehlanzeige! Konfrontiert man die Gescholtenen mit den Vorwürfen, werden den klagenden Azubis falsche Erwartungen unterstellt, und vereinzelt hört man immer noch die altbekannte Floskel, dass Lehrjahre nun mal keine Herrenjahre seien. Schleswig-Holsteins DeHoGa-Geschäftsführer Stefan Scholtis ruft nun immerhin nach einem Runden Tisch.

Die Mahnungen des DGB gefallen Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) nicht. Hier werde eine ganze Branche, die zu den wichtigsten Säulen im Tourismus gehöre, diskriminiert. LINKE-Abgeordneter Björn Thoroe fordert die Landesregierung auf, endlich ihre Rechtsaufsicht wahrzunehmen. Seine Fraktion macht sich für eine Ombudsstelle stark, denn »die Moderation von innerbetrieblichen Konflikten wird derzeit von den Kammern, also der Arbeitgeberorganisation, geleistet«, so der wirtschaftspolitische Sprecher Thoroe.

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