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Streichkonzert für zwei Orchester

Landesbühne Sachsen verliert Klangkörper

  • Von Hendrik Lasch, Radebeul
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Land Sachsen will weniger Geld in die Landesbühnen stecken, die mit vielen Programmen quer durch den Freistaat touren. Bald könnten sie kein eigenes Orchester mehr haben. Die Musiker blasen zum Protest.

Morgen Abend ist Premiere in den Landesbühnen Sachsen: Im Radebeuler Stammhaus wird eine musikalische Gala mit den bekanntesten Szenen aus dem »Freischütz«, der »Gräfin Mariza« und anderen Opern, Operetten und Ballettstücken aufgeführt. Danach wird die Inszenierung in viele andere Städte in Sachsen reisen: Die Landesbühne ist ein Tourneetheater, das Kultur auch in die Provinz bringt.

Nach Dresden tourt das Ensemble üblicherweise nicht – dort gibt es genug Bühnen. Heute jedoch treten zumindest einige Bläser des Orchesters in Dresden auf: Sie blasen bei einer Kundgebung vor dem Landtag der Politik den Marsch. Anlass sind Sparpläne des Landes, die zur Folge haben könnten, dass die Landesbühnen bald ohne eigenes Orchester dastehen.

Mehr Geld nach Dresden

Bisher ist das Haus in Radebeul neben der Semperoper eines von zwei Theatern, die der Freistaat bezahlt. Während aber das Dresdener Haus höhere Zuschüsse erhält, will das Land einen Teil der Kosten für die Landesbühnen von den Kommunen sowie den Kulturräumen zahlen lassen. Ursprünglich wollte man sieben der 12,8 Millionen Euro abwälzen, jetzt ist noch von der Hälfte die Rede. Gleichzeitig sollen die Stadt Radebeul mit 600 000 Euro und der Kulturraum mit 3,7 Millionen einspringen.

Die für den Kulturraum im Osterzgebirge und im Elbtal zuständigen Kommunalpolitiker merken an, dass ihre Gelder fest verplant sind – unter anderem für ein Orchester: die in Riesa ansässige Elb-land-Philharmonie, die ihrerseits aus zwei Orchestern in Pirna und Riesa entstand, derzeit 44 Musiker zählt und vor allem ein Konzertorchester ist. In Arbeitsgruppen und Workshops wurde zuletzt versucht, eine neue Struktur für die Theater im Elbtal zu komponieren. Die Lösung: Das Radebeuler Orchester soll aufgelöst und einige Musiker in die Elbland-Philharmonie übernommen werden, die wiederum die Musiktheater-Aufführungen der Landesbühnen absichern könnte.

Nur noch 72 Musiker?

Folge wäre, »dass das musikalische Angebot der Region um mehr als die Hälfte verringert würde«, sagt Carsten Heyder, Chef des Orchestervorstandes. Er verweist auf Zahlen, wonach von insgesamt 104 Musikern in beiden Orchestern nur 72 bleiben sollen. Um jedoch etwa an den Wochenenden zwei Aufführungen zur gleichen Zeit absichern zu können, wären mindestens 86 Stellen notwendig. »Wir versuchen, den Abbau an Qualität und Quantität zu minimieren«, sagt Heyder. Bei den zuständigen Politikern stoße man bisher aber auf taube Ohren.

Aus Kultursenat und Sächsischer Akademie der Künste kommt Einspruch gegen die Sparpläne, in offenen Briefen wird interveniert, Orchestermusiker aus der gesamten Bundesrepublik sammeln Protestunterschriften. Auch Sachsens Landtag muss sich heute auf Antrag der LINKEN mit dem Thema befassen. Deren Kulturpolitiker Volker Külow spricht von einem »Sündenfall« und wirft der Staatsregierung »brutale Residenzpolitik« vor, indem die Kultur im ländlichen Raum zugunsten der Dresdner Hochkultur geschröpft wird.

Nicht völlig erbost über die Pläne ist man womöglich nur in Riesa. Die Elbland-Philharmonie ist bisher als D-Orchester eingestuft, dessen Musiker indes noch unter dem entsprechenden Tarif bezahlt werden. Der Landesbühnen-Klangkörper ist als B-Orchester deutlich höher eingestuft. Aus beiden könnte dem Vernehmen nach ein C-Orchester entstehen, das Tarif zahlt.

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