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Hopp, hopp, hopp – Atomraketen stopp!

Durch Zusammengehen mit Kernkraftgegnern erheblich mehr Zulauf bei Berliner Ostermarsch

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
In Berlin versammelten sich am Sonnabend 4000 Menschen zum Ostermarsch vor der Zentrale des Energiekonzerns Vattenfall. Sie zogen von dort zum Potsdamer Platz, stoppten zwischendurch für Kundgebungen vor den Büros von Unternehmen, die Kernkraftwerke betreiben, und nahe den Botschaften der Atommächte.
Beim Ostermarsch in Berlin
Beim Ostermarsch in Berlin

»Hopp, hopp, hopp – Atomkraftwerke stopp!«, rief ein Mann ins Megaphon. Es schallte laut, weil der Ostermarsch gerade die Eisenbahnbrücke am S-Bahnhof Friedrichstraße unterquerte. Laura von Wimmersperg von der Berliner Friedenskoordination nahm die Flüstertüte kurz an sich und veränderte die Losung: »Hopp, hopp, hopp – Atomraketen stopp!«

Ihren Höhepunkt erreichten die Ostermärsche in der BRD um das Jahr 1980 herum. Damals ging es gegen die Stationierung von NATO-Atomraketen. Die zeitgleiche Bewegung gegen Atomkraftwerke hatte mit den Ostermärschen nicht viel zu tun, erinnert sich Laura von Wimmersperg. Aber es gab Leute, die hier wie dort aktiv waren. Man kannte und kennt sich. Als die Friedenskoordination Anti-AKW-Initiativen jetzt erstmals zum Ostermarsch einlud, sei die Reaktion gewesen: »Schön, dass wir wieder etwas zusammen machen.« Laura von Wimmersperg sieht einen Zusammenhang, erinnert an Abfallprodukte der Atomenergieerzeugung, die von der Rüstungsindustrie verwendet werden.

Das Zusammengehen lohnte sich. Immerhin zählte der Ostermarsch am Sonnabend viel mehr Teilnehmer als zuletzt. Am Start vor der Vattenfall-Zentrale, in der sich kein Mitarbeiter sehen ließ, bezifferte ein Polizist die Teilnehmerzahl auf bloß 1000 bis 1500 – eine zu diesem Zeitpunkt durchaus realistische Schätzung. Doch die Menge wuchs bald auf 2000 und mehr Menschen an. Manche verließen den Ostermarsch früher, andere stießen später dazu. Zwischenzeitlich sprachen die Veranstalter von 5000 Teilnehmern. Sie korrigierten sich zwar auf 4000. Das sind aber immer noch viel mehr als im vergangenen Jahr. Da kamen nur 1500.

Vattenfall betreibe mit den AKW Krümmel und Brunsbüttel zwei besonders störanfällige Kernkraftwerke, hieß es. Risikotechnologien dürfte man generell nicht zulassen und gerade dann nicht, wenn sie in den Händen von Firmen liegen, deren Interesse Profit sei. Außerdem dürfe man die Sicherheit auch nicht Politikern überlassen, die auf Spenden von Unternehmen hoffen. Zunächst bestimmten die Argumente gegen die Atomenergie den Ostermarsch. Fast verloren wirkte da Carsten Schulz, Linksparteichef im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, mit seinem Flugblatt gegen die Bombardierung Libyens: »Krieg darf kein Mittel der Politik sein.« Doch an der russischen Botschaft waren die Friedensaktivisten schließlich auch über die Lautsprecherwagen zu hören. »Wir erwarten von den großen Atommächten USA und Russland, dass sie endlich wieder in Abrüstungsverhandlungen eintreten«, sagte von Wimmersperg ins Mikrofon.

Ein Leser verteilte als freiwilliger Helfer das ND, das ihm gern abgenommen wurde. Die DKP sammelte Unterschriften, um im September an der Berliner Abgeordnetenhauswahl teilnehmen zu können. Am Potsdamer Platz maulte ein Passant im Vorübergehen: »Wir brauchen Atomenergie, aber mit ihnen diskutiere ich gar nicht.« Jemand rief ihm hinterher: »Unsinn, wir brauchen sie nicht.« Aber der Herr im weißen Hemd drehte sich nicht einmal um. Argumente wollte er nicht hören.

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