Palmen statt AKW?

In Thailand setzen Experten auf Biomasse und verstärktes Energiesparen

Thailands Energiebedarf wird sich Prognosen zufolge schon in 20 Jahren mehr als verdoppeln. Doch während die nukleare Option trotz der jüngsten Ereignisse in Japan noch nicht vom Tisch ist, halten engagierte Experten nach anderen Lösungen Ausschau.
Ob die Nipapalme als Energierohstoff eine ähnlich destruktive Wirkung entfalten wird wie Ölpalmen-, Zuckerrohr- und Mais-Monokulturen?
Ob die Nipapalme als Energierohstoff eine ähnlich destruktive Wirkung entfalten wird wie Ölpalmen-, Zuckerrohr- und Mais-Monokulturen?

Es geht nicht einmal um neue Erfindungen, sondern um etwas, was die Natur hervorbringt und der Mensch auch jetzt schon durchaus zu nutzen weiß. Im Süden des Landes ist die Nipapalme (Nypa fruticans, auch Mangroven-Palme), weit verbreitet und mit ihren Vorzügen im Bewusstsein der lokalen Bevölkerung verankert. Diese nutzt die Blätter teilweise zum Eindecken ihrer Häuser. Interessant ist diese Pflanze vor allem, weil sie denkbar flexibel und anspruchslos ist und auch auf salzigen Böden wächst. Ihr größter Nutzfaktor ist allerdings: Sie produziert Zucker, der sich in den Energieträger Ethanol umwandeln lässt. Noparat Bamroong-rugsa, ein Wissenschaftler am Meeresinstitut der Universität im südthailändischen Songkla, will mit dieser Verwertung nun zur Energieversorgung beitragen.

Erste größere Versuche laufen: Noparat hat sich mit Kansai Electric Power, einem japanischen Energieunternehmen, zusammengetan. Beide Partner sind vom Erfolg überzeugt, wie der Wissenschaftler dieser Tage gegenüber der Tageszeitung »Bangkok Post« versichert. Bei Versuchskulturen in der Provinz Nakhon Si Thammarat hätten Bauern von nur zwei Rai Fläche (0,32 Hektar) Einkünfte von 1000 Baht (24 Euro) pro Tag erreicht. Wer größere Felder habe, könne die Ernte übers Jahr strecken. Der Einsatz ist denkbar gering, denn ein Baum wird rund 100 Jahre alt und braucht kaum Pflege.

Biosprit wird zwar rund um den Globus gewonnen. Aber keine andere Pflanze sei dabei so ertragreich wie Nipa, hat Noparat errechnet. Die Palme kommt ohne den Einsatz von Dünger auf 6480 Liter Ethanol pro Hektar, während es selbst das sonst von allen Kulturen an der Spitze liegende Zuckerrohr nur auf 4550 Liter bringt. Zusammen mit den günstigen Standortfaktoren liege das thailändische Gewächs damit weit vor jeglicher Konkurrenz. Der Wissenschaftler hat auch schon riesige Flächen stillgelegter Shrimp-Farmen im Landessüden als potenzielles Anbaugebiet ins Auge gefasst. Da der Boden versalzt ist, wachse dort ohnehin kaum etwas anderes.

Seitens der Regierung allerdings gibt es für Noparats Projekt keine ermunternden Signale. Dabei steigt der Energiebedarf in Thailand stetig, laut Schätzungen von Experten um 126 Prozent in den nächsten zwei Jahrzehnten. In den Ausbauplänen der staatlichen Energieagentur Egat beträgt die Steigerung bis 2025 aber gerade mal 15 Prozent. Der Bau von Atomkraftwerken bleibt nach wie vor eine Option.

Das kritisierte Witoon Permpongsacharoen, Direktor des Mekong Energie- und Ökologienetzwerkes, gegenüber dem englischsprachigen Wirtschaftsblatt »The Nation« scharf. Angesichts der Katastrophe im japanischen Fukushima müsse man sich von diesen Plänen endgültig verabschieden, fordert der Experte. Witoon sieht zwei wichtige Alternativen: Egat sollte zum einen den Zeitplan zum Abschalten alter Generatoren überprüfen. Zudem könnte sehr viel mehr beim Energiesparen erreicht werden. Schon zwischen 2007 und 2010 haben Shoppingcenter und große Hotels ihren Stromverbrauch pro Quadratmeter um durchschnittlich 21 Prozent senken können. Auch mehr Gas zur Energiegewinnung, betont Witoon, würde den Bau von Atomkraftwerken hinfällig machen.

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