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Bomben und Hilfsappelle für Libyen

Erneut schwere Luftangriffe der NATO / UNO beklagt humanitäre Notlage Zehntausender

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NATO-Bomber haben in der Nacht zum Dienstag erneut die libysche Hauptstadt Tripolis angegriffen, angeblich galten die Angriffe Kommandozentralen der libyschen Armee. Aber auch die Residenz von Staatschef Gaddafi sei attackiert worden. Berichten zufolge werden die Lebensumstände in Tripolis immer schwieriger – es fehle vor allem an Medikamenten und Nahrungsmitteln.

Gestern war der 53. Tag des NATO-Krieges gegen Libyen. Wiederum wurden Luftangriffe geflogen. In der vergangenen Woche hatte das NATO-Hauptquartier bekanntgegeben, dass man derzeit im Schnitt 59 Luftangriffe täglich absolviere, insgesamt seien es damit bereits über 2000. Und noch immer wird behauptet, dass dies allein geschehe, um Zivilisten vor den völkermordenden Truppen des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi zu schützen. Bewiesen sind weder Massentötungen durch Gaddafis Streitkräfte noch die Verbesserung der humanitäre Lage in Libyen durch NATO-Bomben.

Nicht verbessert hat sich offenbar auch die militärische Lage der Gaddafi-Gegner, trotz inzwischen vorhandener ausländischer Ausbilder und verdeckter Waffenlieferungen über die ägyptische Grenze. Mit der Zuversicht der Aufständischen steht es offenbar nicht zum Besten. Vor etwa zwei Monaten noch wollten sie Gaddafi ohne ausländische militärische Unterstützung stürzen. Jetzt erflehen sie den Einsatz von Bodentruppen. Am Montag hatte es aus dem Widerstandsrat der Aufständischen sogar geheißen, notfalls müssten eben auch Wohnviertel bombardiert werden, wenn sich dort Gaddafi-Truppen verschanzten. Deshalb wird wohl weitergebombt werden. Wieviel dann noch von den libyschen Städten steht, die vor Gaddafis Angreifern geschützt werden sollten, scheint nicht mehr wichtig zu sein.

Das Dauerbombardement zeigt schon jetzt verheerende Wirkungen. Wurden im libyschen Fernsehen zu Beginn des Krieges noch demonstrativ in Ruhe einkaufende Menschen gezeigt, so hat sich dieses Bild gewandelt. Libyen, das nur einen geringen Teil der im Lande nötigen Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter selbst produziert, ist auf kontinuierliche Zuflüsse frischer Waren angewiesen. Das war und ist keine Geldfrage, aber in Zeiten von Blockade und Luftkrieg einfach nicht zu bewerkstelligen. Also wird alles knapp: Lebensmittel, Medikamente, selbst Wasser, um nur das Elementarste zu nennen.

Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos erklärte in New York, die humanitäre Situation in Libyen werde immer schlimmer. Fast eine dreiviertel Million Menschen seien seit Beginn der Kämpfe Mitte Februar aus dem Land geflohen. Weitere 65 000 Libyer seien im eigenen Land auf der Flucht. Amos hat nun zu einer Waffenpause aufgerufen, damit Hilfsgüter an die Bevölkerung verteilt werden könnten. Das dürften viele Betroffene als zynisch empfinden, denn die einstige britische Staatssekretärin für Entwicklung richtete ihren Appell nicht an die Befehlshaber der Bombergeschwader in London oder Paris, sondern allein an die libyschen Konfliktparteien. Diese sollten Zivilisten verschonen, verlangte Amos am Montag (Ortszeit) im UN-Sicherheitsrat. Insbesondere in der von Gaddafi-Truppen belagerten Stadt Misurata, 210 Kilometer östlich von Tripolis, fehle es an Trinkwasser, Lebensmitteln und anderen Bedarfsgütern, sagte sie.

Nicht wenige Zerstörungen in der Stadt sind allerdings das Werk der NATO. Während Amos in New York auch die Benzinknappheit im Ölland Libyen beklagte, hatten NATO-Bomber gerade den größten Treibstofftank Misuratas in Brand geschossen. Er war eben in der Hand der »Falschen«.

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