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Aha-Effekte

Wolfgang Schreyer: »Der Feind im Haus«

  • Von Walter Kaufmann
  • Lesedauer: 2 Min.

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Klug durchdacht, klug gebaut und spannend – Wolfgang Schreyers jüngster Roman wird zum Magnet für seine Leser werden, die er – wie schon mehrfach seit dem Mauerfall getan – ins Hier und Heute führt, in die unmittelbare deutsche Gegenwart. Aus einer Fülle von Nachforschungen hat er herausgefiltert, was die Handlung bereichert, und dabei immer wieder jenen Aha-Effekt erzielt: So also sieht der Autor das, interessant! So sehen wir das auch. Treffliche Beobachtungen blitzen auf, Erkenntnisse werden vermittelt, Schlussfolgerungen auch, und politische Überlegungen.

Gekonnt versteht Schreyer, Einschätzungen Prominenter aus dem Blickwinkel seiner Romangestalten darzubieten: Karl-Theodor zu Guttenberg, findet Edgar Sörensen, Leiter eines Berliner Hauptstadtfernsehstudios, sei »ein Naturtalent ... Ein Hauch höflich verdeckter Dominanz umgibt den Freiherrn, dank des perfekten Outfits, seines Scharfsinns und der Lust Einwände knapp zu kontern, mit einem Schuss Humor«. Derlei findet sich quer durch den Roman, nicht selten sogar aus der Sicht des Autors, oder einem, mit dem der Autor in manchem konform zu gehen scheint. Wenn eben dieser Leiter des Hauptstadtfernsehstudios seine kurzzeitige Verquickung mit den Staatssicherheitsorganen der DDR damit entschuldigt, dass es im untergegangenen Staat eine einflussreiche Schriftstellerin gab, die imstande war, ihre jahrelange Verbindung zur Stasi zu verdrängen, dann wird die auch benannt. – Schreyer zeigt sich willens, wenn nötig, Ross und Reiter zu benennen: Man lese, was er über Schäuble zu sagen weiß, über Westerwelle, über die Bundeskanzlerin und andere Prominente. Ein Schlüsselroman mithin? Zu einem gewissen Grad schon. Er stellt Glaubwürdigkeit her. Weit über jenen fiktiven Auftrag hinausgehend, den sein Edgar Sörensen der Frau gibt – nämlich nach alten Querverbindungen zwischen der DDR-Staatssicherheit und dem Terror der RAF zu forschen –, reflektiert und kommentiert er tagespolitische Ereignisse, auch Machenschaften in Wirtschaft und Regierungskreisen. Und beherzigt damit den Rat des Honorè de Balzac, dass ein Schriftsteller, der unterhalten will, der Wahrheit sehr nah bleiben möge. Das tut »Der Feind im Haus« durchweg.

Wolfgang Schreyer: Der Feind im Haus. Roman. Das Neue Berlin. 265 S., brosch., 12,95 €.

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