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Ein Hauch von Toskana und Norwegen an der Adria

Istrien – Kroatiens schöner Norden

  • Von Karsten-Thilo Raab
  • Lesedauer: 6 Min.

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Das geht runter wie Öl. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Frühstück wird ein Schnapspinnchen mit frischem Ölivenöl gereicht. Zugegeben, es kostet ein wenig Überwindung, daran zu nippen, und es kratzt im Abgang leicht im Hals.

»Das ist gut für den Cholesterinspiegel«, versichert Valter Smilovic, um sogleich selber das Glas zu erheben. Und er muss es wissen. Schließlich ist der graumelierte Vortrinker aus Buje einer der namhaftesten Olivenölproduzenten in Istrien, jener vom mediterranen Klima verwöhnten Halbinsel im Norden Kroatiens. Wenn es nach Valter Smilovic ginge, würde kaum eine Speise ohne Olivenöl gereichtt. Und so wird auch das mit jungem, wildem Spargel servierte Rührei, das Fritaja, mit dem »grüngelben Gold« verfeinert.

Auch sonst weiß Istrien mit so mancher Gaumenfreude aufzuwarten. Dazu gehören in erster Linie die exzellenten Trüffel. Und in den traditionellen Landgasthäusern, den Konobas, wird vielfach alles – vom Brot über Fleisch bis hin zu Fischgerichten – am offenen Feuer im Kamin zubereitet. Selbst Jakobsmuscheln oder der Apfelstrudel zum Dessert brutzeln und garen über den Flammen. Zur Verdauung wird gerne ein Biska, ein Mistelschnaps mit 30 Prozent Alkohol, gereicht. Und natürlich gehören die immer besser werdenden einheimischen Weine zu einer Mahlzeit dazu.

Darf's Malavazija sein?

»Weine in Istrien haben endlich auch etwas zu sagen«, hofft Winzer Marino Markežic, insbesondere den Malvazija und den roten Teran auf ein hohes Niveau bringen zu können und als Marke auch international zu etablieren. Auf seinem malerischen Weingut Kabola in Bergdörfchen Momjan produziert er aber auch mit dem Malvazija Amphora einen ganz besonderen Tropfen, der wie vor 600 Jahre in riesigen Amphoren, die in den Boden eingelassen sind, reift.

Während unter der mächtigen Steineiche im Garten des 120 Jahre alten Weingutes die verschiedenen Weine verköstigt werden können, fällt der Blick auf das hügelige Umland. Auf der einen Seite liegen die schneebedeckten Alpen des benachbarten Sloweniens, auf der anderen Seite funkelt das blaue Wasser der Adria. Dazwischen bestimmen ausgedehnte Felder, Weinhänge sowie von Zypressen und Pinien gesäumte Alleen das Landschaftsbild und verleihen Istrien ein Hauch von Toskana. Dieser Eindruck wird noch durch die Tatsache verstärkt, dass das Gros der knapp 206 000 Bewohner der fast herzförmigen Halbinsel nicht nur Kroatisch, sondern auch Italienisch spricht. Und dies liegt nicht nur an der geographischen Nähe zum europäischen Nachbarn, sondern auch an der langen, bewegten Geschichte des Landstriches, der zu einem nicht unerheblichen Teil über gut ein halbes Jahrhundert unter der Herrschaft der Venezier stand.

Und so verwundert es wenig, dass in allen Küstenorten weithin sichtbare Campanilen, jene für Teile Italien so typischen Glockentürme, neben den Hauptkirchen aufragen. So auch in Rovinj, der wohl schönsten Küstenstadt Istriens, mit seiner auf einer vorgelagerten Insel befindlichen Altstadt. Dicht an dicht drängen sich in der 20 000-See- len-Gemeinde alte, mit Terrakotta-Dächern verkleidete Häuser aneinander, während sich die engen, verwinkelten Gassen hinauf zur weithin sichtbaren Kirche der Heiligen Euphemia mit ihrem fast 60 Meter hohen Turm schieben.

Die Schutzheilige

Größter Schatz des barocken Gotteshauses im venezianischen Stil ist der Sarkophag der Namenspatronin. Die Schutzheilige lebte im 3. Jahrhundert in Konstantinopel und bekannte sich während der Christenverfolgungen offen zu ihrem Glauben. Daher warfen die Römer sie der Legende nach den Löwen zum Fraß vor. Doch die Raubkatzen ließen die Märtyrerin ungeschoren, so dass sie schließlich von einem Henker erstochen wurde. Im Jahre 800 schließlich soll, so eine populäre Erzählung, der Sarkophag mit ihrem Leichnam in Rovinj angeschwemmt worden sein.

Von der Kirche der Heiligen Euphemia zieht sich die verträumte und mit unebenen Steinen gepflasterte Grisia Straße hinunter zum Balbi Bogen, dem einstigen Stadttor aus dem 17. Jahrhundert. Dazwischen liegen Boutiquen, Galerien und winzige Souvenirshops, aber auch Häuser mit bröckelnden Fassaden und Wäsche vor den Fenstern, dekorierte Innenhöfe, blumengeschmückte Terrassen, schattige Torbögen und geheimnisvolle Winkel.

»Die Steine wussten sicher nicht, als sie gehauen wurden, dass einmal so viele Menschen über sie rüberlaufen würden«, scherzt Guido Schwengersbauer angesichts des schwerbegehbaren und glatten Pflasters der autofreien Altstadt. Gleichwohl schwärmt der gebürtige Österreicher, der seit 1972 in Istrien zu Hause ist und in Buje das charmante Landhotel La Parenzana betreibt, von Rovinj: »Mit seinen 20 vorgelagerten Inseln, den Stränden und der prächtigen Marina ist Rovinj fraglos so etwas wie das perfekte Urlaubsparadies.«

Dabei hat dieser Teil Istriens noch weit mehr zu bieten. Etwa das Künstlerdorf Goržnjan. In den 1960er Jahre war das auf einem Hügel gelegene Dorf fast menschenleer. Die Häuser waren dem Verfall preisgegeben. Doch eine Handvoll Künstler ergriff die Initiative, baute den Ortskern wieder auf und richtete eine Reihe von Ateliers und Galerien ein. Unter der Woche ist Goržnjan mit der Pfarrkirche aus dem 17. Jahrhundert und seinem kleinen Kastell oft menschenleer. Nur ein paar Katzen schleichen durch die engen Gassen mit ihrem unebenen Pflaster. Da ist es schon eine Kunst, in dem Künstlerdorf nicht hinzufallen. Gleichwohl ist es keine Kunst, Gefallen an dem Künstlerdorf zu finden, an dessen Fuße sich Schauspieler Anthony Hopkins ein Haus zugelegt hat.

Lohnend ist auch ein Abstecher nach Porec. Die 22 000- Seelen-Gemeinde nennt nicht nur die Reste zweier römischer Tempel, venezianischer Paläste sowie eines römischer Wachturms in der Decumanus, der Flaniermeile, sein Eigen, sondern präsentiert inmitten der historischen Altstadt stolz die Euphrasius-Basilika. Das Gotteshaus aus dem 6. Jahrhundert wurde 1997 zum UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben. Ein vergoldetes Portal, byzantinische Mosaike mit kunstvollen Darstellungen biblischer Geschichten sowie das oktogonale Baptisterium sind meisterhafte Werke romanischer Architektur.

Leben am Fjord

Derweil liegt über dem nahe gelegen Lim Fjord ein Hauch von Norwegen. Der 14 Kilometer lange Kanal, an dessen Ufern auch Teile der Winnetou-Saga gefilmt wurden, erinnert an die Fjorde in dem skandinavischen Königreich. Auch wenn die Berge links und rechts nicht so hoch aufragen und nicht so steil sind, wie die im Land der Elche.

Zwischen dem Fjord und dem Küstenstädtchen Vrsar verläuft die sogenannte Spanferkelstraße. Zahllose Restaurants haben hier einen Drehgrill aufgebaut, auf dem die kleinen Schweine vor sich hinbrutzeln und einen kulinarischen Kontrast zu hochwertigem Olivenöl, schmackhaften Weinen und erlesenen Trüffeln bilden. Bietet doch Istrien nicht nur gaumentechnisch für jeden etwas.


Informationen: Tourismusverband Istrien, Pionirska 1, 52440 Porec, Istrien, Kroatien, Tel.: 00385-(0)52-452797, www.istra.hr

Lage: Als größte Halbinsel der Adria mit einer Küstenlänge von 445 Kilometern liegt Istrien im Norden Kroatien und grenzt an Italien sowie Slowenien. Kein Punkt der Halbinsel liegt weiter als 36 Kilometer vom Meer entfernt.

Anreise: Nächst gelegene Flughäfen sind Pula im Süden Istriens und das italienische Triest. Von Deutschland aus bietet unter anderem Lufthansa ab 99 Euro Flüge via München nach Triest an.

Währung: Zahlungsmittel ist der Kuna (HRK). Ein Kuna teilt sich in 100 Lipa und entspricht etwa 0,13 Euro, ein Euro entspricht 7,38 Kuna.

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