Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • KALENDERBLATT

Ilse Stöbe

  • Von Wolfgang Gehrcke
  • Lesedauer: 2 Min.

Sie wurde nur 31 Jahre alt. Am 14. Dezember 1942 wurde Ilse Stöbe zusammen mit Rudolf von Scheliha vor dem Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 22. Dezember in Plötzensee ermordet. An diesem Tag starben auch Harro und Libertas Schulze-Boysen, Arvid Harnack, Kurt und Elisabeth Schumacher, Kurt Schulze und Hans Coppi.

Bis heute findet sich der Name von Ilse Stöbe, die am 17. Mai vor 100 Jahren geboren wurde, weder auf der Ehrentafel des Auswärtigen Amtes, noch wurde ihr Einsatz in anderer Art und Weise offiziell gewürdigt. Ilse Stöbe ist von den »Amtierenden« noch einmal zum Tod verurteilt – durch Verschweigen. Es ist das Verdienst der Autoren der Studie »Das Amt«, dieses offizielle Schweigen durchbrochen zu haben.

Schon die Aufnahme von Legationsrat Rudolf von Scheliha in die Liste der ob ihres Widerstandes zu Ehrenden hatte sich über Jahre hingezogen, weil es Vorbehalte gab. Er habe »Landesverrat« begangen, Informationen an den sowjetischen Geheimdienst geliefert. Erst 1995 hat ihn das Kölner Verwaltungsgericht – nach 53 Jahren – rehabilitiert. Vermutlich hat dazu Ulrich Sahm mit seiner Biografie beigetragen, in der er den Eindruck vermittelte, Scheliha habe nichts von den Verbindungen seiner Mitarbeiter zum sowjetischen Geheimdienst gewusst. Mit großer Sicherheit können wir hingegen davon ausgehen, dass eben dieser Kontakt wichtiger Teil der Widerstandstätigkeit von Ilse Stöbe war. Sie hat u. a. die Sowjetunion vor dem bevorstehenden Überfall der Wehrmacht zu warnen versucht. Es hat den Anschein, dass dies ihre Ehrung verhinderte.

Die Studie »Das Amt« enthüllt die Lebenslüge der westdeutschen Republik, ihr sei ein konsequenter Bruch mit der Nazi-Diktatur gelungen. Sie entlarvt die Seilschaften von mehr oder weniger gewendeten Nazis und deckt den Antikommunismus als einigenden Kitt auf, der die Ehrung kommunistischer Widerstandskämpfer vereitelte.

Ich hatte gehofft, mit der Historikerarbeit im Auftrag des Auswärtigen Amtes sei dieser Geist in Frage gestellt. Doch meine Forderung an die Leitung des Hauses, Ilse Stöbe endlich die ihr zustehende Ehrung zuteil werden zu lassen, ist bis heute ohne Antwort geblieben. Ich bitte alle Leserinnen und Leser, helfen Sie mit, vom Auswärtigen Amt und von Außenminister Westerwelle die Würdigung Ilse Stöbes einzufordern!

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln