Reimar Paul 14.05.2011 / Debatte

Der Pfarrer in der Bücherburg

Ein Pastor aus Niedersachsen hat in den vergangenen 20 Jahren Literatur aus der DDR vor der Vernichtung gerettet

»Bücher gehören nicht auf den Müll.« Martin Weskott, geboren 1951, ist seit 1979 Pfarrer der St. Johannes-Kirchengemeinde in Katlenburg bei Göttingen. Der Literaturfreund hat in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 800 000 Bücher aus DDR-Verlagen vor dem Schredder für die Nachwelt bewahrt. www.buecherburg.de

Dass die Rettung von Büchern so etwas wie sein Lebenswerk werden würde, hätte Martin Weskott vor 20 Jahren nicht gedacht. Damals, im Mai 1991, stolperte der evangelische Pfarrer aus dem südniedersächsischen Katlenburg zufällig über ein Zeitungsfoto. Es zeigte eine Müllkippe bei Plottendorf in der Nähe von Leipzig. In der Kuhle lagen Abfälle und Gerümpel – und ein großer Haufen Bücher.

Weskott erschrak. »Dass in der Kulturnation Deutschland Literatur buchstäblich untergepflügt wird, hatte ich bis dahin nicht für möglich gehalten«, sagt er. In den politischen Turbulenzen von Wende und Wiedervereinigung hatten viele ostdeutsche Verlage und Buchhandlungen ihr gesamtes Sortiment auf den Müll kippen lassen – aus Angst vor Absatzproblemen oder auf Anweisung der neuen Besitzer. In der sich auflösenden DDR hatte nur noch Konjunktur, was aus dem Westen kam. Das galt auch für die Kultur.

Bis zum Beginn der Währungsunion im Juli 1990 hatte d...

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