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Drin – nicht drin – doch drin!

Drei Teams kämpfen um einen Platz – so lief die Bundesliga-Abstiegsentscheidung

  • Von Christian Heinig
  • Lesedauer: 4 Min.
3060 Minuten! Solange hat man in der Bundesliga Zeit, Meister zu werden oder sich vor dem Abstieg zu retten. Jede Saison aufs Neue. Diesmal gab es zumindest im Kampf um den Klassenerhalt wieder ein furioses Finale. 90 Minuten entschieden am 34. Spieltag über eine gesamte Saison. Drei Teams standen sich im Fernduell gegenüber: Wolfsburg (35 Punkte) auf Nichtabstiegsplatz 15, Gladbach (35) auf Relegationsplatz 16, Frankfurt (34) auf Abstiegsplatz 17.

Mittagszeit: Wolfsburgs Spielmacher Diego mimt die brasilianische Diva. Es ist Mannschaftssitzung im Hotel, Trainer Felix Magath gibt vor der Abfahrt des VfL ins Stadion die Teamaufstellung für das Duell bei 1899 Hoffenheim bekannt. Als Diego bemerkt, dass er keinen Platz in der Startelf hat, stürmt er aus dem Raum und ward an diesem Tag nicht mehr gesehen.

15.25 Uhr: Stadion in Sinsheim. Felix Magath ist trotz der Turbulenzen im Vorfeld ruhig wie ein Baldrian-Proband. Auf die Frage eines Fernsehreporters, ob er versucht habe, Diego zurückzuhalten, antwortet er: »Warum sollte ich?« Zu Diegos Zukunft sagt er: »Das wird eine rechtliche Frage sein, dieses Problemchen verschiebe ich auf später.«

15.28 Uhr: In Dortmund ist Eintracht-Trainer Christoph Daum in dem Dickicht von Fotoapparaten, die ihn vor dem Anpfiff umzingeln, kaum zu erkennen. Noch nie in der Bundesliga-Historie ist ein Team abgestiegen, das nach der Hinrunde bereits 26 Punkte auf dem Konto hatte. Die Eintracht könnte für ein Novum sorgen. Daum, der vor sieben Wochen als Sieben-Spiele-Retter verpflichtet wurde, weiß das. Er wirkt angespannt.

15:30 Uhr: Anpfiff in Hamburg. Mönchengladbachs Torhüter Marc-Andre ter Stegen klatscht in die Hände, er ist seit 273 Minuten ohne Gegentreffer. Der 19-Jährige gilt neben Mike Hanke und Marco Reuss als das Gesicht des Aufschwungs der »Fohlen« in der vergangenen Wochen.

15.41 Uhr: Schrecksekunde für die Eintracht in Dortmund. Nach Foul von Benjamin Köhler an Dortmunds Jakub Blaszczykowski gibt es Elfmeter für den BVB. Doch Torwart Ralf Fährmann hält gegen Lucas Barrios.

16.13 Uhr: Erster Akt im Abstiegskrimi: 1:0 für Mönchengladbach!!! Juan Arango schnippelt einen Freistoß aus 25 Metern ins linke, untere Eck. Die Südwestkurve in der Hamburger Arena tobt. Stand jetzt ist Gladbach Fünfzehnter und wäre direkt gerettet, Wolfsburg müsste in die Relegation, und Frankfurt müsste für die Zweite Liga planen.

16.36 Uhr: Zweiter Schock für die Wölfe: Der Brasilianer Roberto Firmino bringt Hoffenheim mit 1:0 in Führung. Ein Grund für Magath, fortan an der Seitenlinie energisch wie ein Operndirigent mit den Armen zu fuchteln.

16.38 Uhr: Tosender Jubel in Dortmund – im Block der Frankfurter. Gerade erst hat sich unter den 8000 Eintracht-Anhängern die frohe Kunde des Wolfsburger Rückstands verbreitet, da bringt Sebastian Rode die Eintracht mit 1:0 in Führung. Einigen Fans vom Main steigt dieses doppelte Glücksgefühl scheinbar zu Kopf, sie zeigen sich von ihrer ungeliebten Seite und zünden Feuerwerkskörper. Ein Transparent wird gehisst: »Deutscher Randalemeister 2011«. Für kurze Zeit muss die Partie unterbrochen werden.

16.40 Uhr: Dramatischer Höhepunkt im Abstiegskrimi: Die Wolfsburger erfahren über die Videoleinwand von der Frankfurter Führung. Sie liegen nun auf Rang 17 und wären direkt abgestiegen.

16.47 Uhr: Magath reißt die Arme hoch. Er freut sich über das Tor von Mario Mandzukic zum 1:1. Ein erster Hoffnungsschimmer für die Wolfsburger, an deren Abstiegsplatz der Treffer aber nichts ändert. Sie wären der teuerste Bundesligaabsteiger aller Zeiten. Auf mehr als 120 Millionen Euro wird der Marktwert der Mannschaft laut tansfermarkt.de geschätzt – wobei: an diesem Spieltag womöglich minus 5 Prozent wegen Querulant Diego.

16.59 Uhr: Vorhang auf für 60 Sekunden Wahnsinn! In Dortmund trifft Barrios nach meisterlicher Hackenvorlage von Lukasz Piszczek zum 1:1. Für Frankfurt bedeutet das: Zurück auf dem Abstiegsplatz. Nahezu zeitgleich trifft in Hamburgs Änis Ben-Hatira gegen Mönchengladbach zum 1:1. Und nur Sekunden nach den beiden Treffern ist es erneut Mandzukic, der für Wolfsburg einnetzt. 2:1 heißt es in Sinsheim, Wolfsburg wäre wieder gerettet, Gladbach müsste in die Relegation und Frankfurt wäre draußen.

17.02 Uhr: Vier Minuten Hoffnung auf eine nochmalige Wende beim Stand von 1:1 verpuffen für Frankfurt und Daum, als Robert Lewandowski auf das Tor drängt, und der Frankfurter Marco Russ beim Rettungsversuch den Ball in die eigenen Maschen lenkt.

17.05 Uhr: Schuss Sascha Riether, direkt auf die Brust von Grafite, der Ball ist drin: 3:1 für Wolfsburg – die Entscheidung. Alles bleibt beim Alten. VfL-Trainer Magath gesteht nach dem Spielschluss: »Es war dramatisch.«

17.22 Uhr: Barrios trifft zum 3:1 für den BVB. Schluss, Aus für Frankfurt. Die WDR-Kommentatorin Sabine Töpperwien kann sich nicht verkneifen, den als Retter engagierten Daum in der Bundesliga-Hörfunkkonferenz als »absoluten Versager« zu bezeichnen. Sieben Spiele – drei Punkte. So liest sich seine maue Retterbilanz. Die Reporterin hat recht.

17.28 Uhr: In Hamburg tritt Mönchengladbach-Trainer Lucien Favre vor die Kameras. In Hinblick auf die Relegation gibt sich der Schweizer zurückhaltend: »Viele sagen, wir sind in der Relegation der Favorit. Ich sage, es gibt keinen Favoriten, die Chancen stehen 50 zu 50.«

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