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Japan zurück in der Rezession

Erdbeben und Tsunami ließen Binnennachfrage einbrechen

Tokio (AFP/ND). Das schwere Erdbeben und der Tsunami in Japan haben das Land in die Rezession zurückgeworfen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt schrumpfte im ersten Quartal um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Regierung in Tokio am Donnerstag mitteilte. Erst Mitte 2009 hatte Japan die von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise verursachte Rezession hinter sich gelassen.

Eine Rezession ist definiert durch zwei aufeinander folgende Quartale mit sinkendem BIP. Schon in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres war die japanische Wirtschaft um 0,8 Prozent geschrumpft. Der BIP-Rückgang im ersten Quartal ist nun deutlich größer als befürchtet, obwohl sich die Naturkatastrophe erst am 11. März und damit zum Ende des Quartals ereignete.

Das Beben, der Tsunami und die Reaktorkatastrophe von Fukushima hemmten den Angaben zufolge die Investitionen, unterbrachen Lieferungen innerhalb Japans sowie ins Ausland und ließen die Binnennachfrage einbrechen. Die Atomkatastrophe führte zudem wiederholt zu Stromausfällen. Die Stimmung in der japanischen Wirtschaft brach in den vergangenen Wochen entsprechend ein, und so ging es auch den Verbrauchern. Sie erlegten sich nach der Katastrophe eine unübliche Zurückhaltung auf, die erst langsam wieder nachlässt. Der private Konsum steht für etwa zwei Drittel der japanischen Wirtschaftsleistung.

Besonders empfindlich traf es die Zulieferer der Automobilindustrie, deren Fabriken in der nordöstlichen Region Tohoku zerstört wurden. Wegen fehlender Teile und Stromausfällen mussten Firmen wie der weltweit größte Autokonzern Toyota ihre Werke vorübergehend schließen oder die Produktion zuhause und im Ausland drosseln. Die Autoindustrie beschloss nun, am Wochenende zu arbeiten und stattdessen in der Woche zwei Tage zu pausieren, um Stromengpässe zu vermeiden. Am Wochenende wird traditionell weniger Strom benötigt.

Aufgrund der schweren Schäden und des Rückgangs der Exporte rechnet die Regierung mit einem schrumpfenden BIP auch im zweiten Quartal, wie Wirtschaftsminister Kauro Yosano sagte. Die japanische Wirtschaft sei aber »widerstandsfähig genug, sich nach dieser Prüfung wieder zu erheben«, erklärte Yosano. Mit einem steigenden BIP rechnet die Regierung ab Juli. Aufs Jahr gesehen werde die Wirtschaft sogar um ein Prozent zulegen.

Die Kosten für den Wiederaufbau schätzt die Regierung auf 16 bis 25 Billionen Yen (138 bis 215 Milliarden Euro). Darin sind allerdings noch nicht die Kosten durch die Atomkatastrophe in Fukushima enthalten.

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