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Freiheit am Computer

Open Source und freie Software machen die Anwender unabhängig

Kennen Sie diese Situation: Sie möchten ein Programm auf Ihrem Computer installieren und stellen fest, dass sie von dem Preis für die dazugehörige Lizenz gut und gern eine Woche Urlaub machen könnten? Oder, dass die Software nicht in der Lage ist, benötigte Arbeitsschritte auszuführen, weil die Hersteller beim Programmieren nicht daran gedacht haben, diese Funktionalität einzubauen. Spätestens an diesem Punkt rauft sich mancher Benutzer eines Computers die Haare und wünscht sich eine Anwendung, die an seine Bedürfnisse angepasst ist und nichts kostet.

Demokratie und Teilhabe

Klaus-Dieter Bombei stellte bei den diesjährigen Linux-Tagen in Berlin die Arbeit seines Vereins »Freie Software und Bildung e.V.« vor. Für ihn bietet das Open-Source-Konzept klare Vorteile: »Freie Software ist ein grunddemokratisches Anliegen. Jeder darf mitmachen, mitarbeiten, nutzen, kontrollieren und verändern.« So sorgt ein ausgeprägter Gemeinschaftsgedanke für die Qualität der entwickelten Anwendungen. Diese sind sicherer, da es kaum Viren für freie Software und Linux-basierte Systeme gibt. Man kennt sich in der Open-Source-Entwicklerwelt und respektiert das geistige Eigentum anderer. Es ist zwar jederzeit möglich, eine bestehende Anwendung zu ändern, aber zu jedem Zeitpunkt ist sichergestellt, dass der eigentliche Urheber eines Quellcodes, also quasi der Erfinder eines Programmes, identifizierbar ist. Der Verein Freie Software und Bildung hat sich als einer der ersten all diese Vorteile zu Nutze gemacht. Entstanden ist der Verein bereits Mitte der achtziger Jahre. Als eine Art »Selbsthilfeverein«, wie Bombei berichtet. Sein Augenmerk liegt in der Unterstützung der Entwicklung und des Einsatzes quelloffener Anwendungen für den schulischen Bereich. Die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder informieren und beraten Bildungseinrichtungen, wie sie die Linux-basierten Anwendungen in den Unterricht integrieren können. Sie leisten technische Unterstützung engagieren sich im Bereich des Wissenstransfers sowie der Weiterentwicklung freier Software. Nur auf eigene Entwicklungsarbeit verzichtet man.

Es kommt die Frage auf, wie sich die in der Regel ehrenamtlich betriebenen Projekte im Umfeld freier Software finanzieren. Viele Entwickler arbeiten hauptberuflich in anderen Jobs. Die Mitarbeit an einem Open-Source-Projekt stellt sich für sie als sinnvolle Referenz bei der Suche nach einer Arbeitsstelle dar, erzählt Bombei. Insofern ist das Mitmachen lohnenswert: »Es ist ein Frage der Ehre«, so Bombei. Ansonsten verdienen die Firmen ihr Geld mit Beratung und Aufbau der technischen Infrastruktur. Außerdem erhalten die Projekte teilweise Förderung seitens des Staates.

Gleich neben Bombeis Stand bei den Linux-Tagen sticht ein kleiner, taschenbuchgroßer Laptop ins Auge. Das weiße Gerät mit den grünen ausklappbaren »Ohren« trägt den futuristischen Namen XO-3. Das Gerät wurde im Rahmen der gemeinnützigen »One Laptop per Child«-Initiative von Nicholas Negroponte, Professor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, entwickelt, mit dem Ziel, Kindern kostengünstigen Zugang zu einem Rechner und zu Bildung zu verschaffen.

Das internationale Projekt »Skolelinux«, dessen deutsche Gruppe der Verein von Klaus Dieter Bombei bildet, unterstützt die gemeinnützige Initiative mit der Entwicklung von Linux-basierter Lernsoftware. Bei der Entwicklung des Laptops, der mit Open-Source-Software arbeitet, treffen sowohl gemeinnützige Initiativen als auch kommerzielle Unternehmen zusammen. Deshalb sind auch Unternehmen wie Google mit im Boot.

Weltweit ein Laptop pro Kind

Die grünen »Ohren« des Laptops sind in der Lage, sich mit anderen Rechnern zu einem Netzwerk zu verbinden, über das beispielsweise die für den Unterricht benötigte Software zur Verfügung gestellte wird: eine Linux-basierte Anwendung.

Freie Software ist aus dem Computerleben nicht mehr wegzudenken. Überall kommt sie zum Einsatz und macht ihre Benutzer ein Stück unabhängiger von den seitens Microsoft oder Apple gesetzten Vorgaben. Sie bietet finanzschwachen Menschen und Institutionen sowie Bildungseinrichtungen weitreichende Spielräume, den Computer in die Arbeit zu integrieren ohne dass diese zu viel Geld in die Nutzung der Software investieren müssen oder sich dem Diktat der privatwirtschaftlich orientierten Softwarehersteller beugen zu müssen. Open-Source-Software ist quasi Basisdemokratie im digitalen Leben.

Mancher erinnert sich noch an den Browser Netscape Navigator. Dieser war Mitte der neunziger Jahre wirtschaftlich nicht mehr rentabel und die Hersteller sahen sich ebenso nicht in der Lage, sich gegen den Konkurrenten Microsoft zu behaupten, der mit dem Internet Explorer zeitweilig Marktanteile von bis zu 85 Prozent verbuchen konnte. Netscape entschied sich daher, den Quelltext des Browser freizugeben. Hieraus entstand das Open-Source-Projekt Mozilla.

Das Konzept der freien Software

In gemeinschaftlicher Arbeit entwickelten die Programmierer einen Browser namens Firefox, der für jedermann kostenlos verfügbar und den eigenen Anforderungen anpassbar ist. Mit Erfolg: Mit der Zeit ist es gelungen, dem Internet Explorer seinen Platz streitig zu machen. Heute ist der quelloffene Firefox der meistgenutzte Browser der Welt.

Open Source bezeichnet eine Gruppe unterschiedlicher Lizenzen, also das Recht, eine Software zu nutzen. Der Benutzer muss für deren Nutzung nichts bezahlen. Er hat das Recht, das Programm an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen, es zu vervielfältigen, an andere weiterzureichen und es zu verbessern. Unzählige Programmierer arbeiten ehrenamtlich und gemein an der Weiterentwicklung der Anwendungen.

Bei kommerzieller Software sieht das ein wenig anders aus. Und die IT-Welt ist nach wie vor von sogenannten proprietären, will heißen: kostenpflichtigen, Systemen dominiert. Dies bringt den Platzhirschen des Marktes, Microsoft und Apple, jährliche Umsätze in Milliardenhöhe ein.

Deren Anwendungen, so zum Beispiel das Betriebssystem Windows oder die Software Microsoft Office haben eines gemeinsam: Sie sind proprietär. Für ihre Benutzung muss eine kostenpflichtige Lizenz erworben werden und sie dürfen von ihren Anwendern nicht nach deren Bedürfnissen geändert werden, denn der Quellcode des Programms ist nicht einsehbar.

Zudem erschweren die Firmen die Anbindung ihrer Produkte an Anwendungen, die nicht aus ihrem Haus stammen, entwickeln Dateiformate, die nicht mit anderen Daten kompatibel sind und zwingen ihre Benutzer so, immer wieder auf Produkte des eigenen Unternehmens zurückzugreifen. Dass das anders geht, beweist die seit Jahren stetig wachsende Open-Source-Gemeinde.

Freie Software und Open Source zeichnet sich dadurch aus, dass sie offene Standards nutzt und den Anwender somit unabhängig vom Hersteller macht. Die Interoperatibilität, also die Fähigkeit der Anwendungen zum unproblematischen Austausch von Daten mit anderen Anwendungen, zählt ebenso zu einem festgelegten Kriterium für freie Software wie die Zugänglichkeit zum Quelltext der Systeme und die Möglichkeit, diesen verändern zu können. Das Betriebssystem Linux ist der wohl populärste Vertreter der Gattung Open-Source-Betriebssysteme.

Heute ist Open Source in allen Bereichen der privaten und professionellen IT-Welt angekommen. Es gibt weltweit unzählige Projekte, die gemeinschaftlich, demokratisch und gemeinnützig sind. Sie entwickeln Anwendungen für alle Bereiche des digitalen Lebens, von E-Mail-Programmen (Mozilla Thunderbird) über Grafikprogramme (GIMP) bis hin zu den unterschiedlichsten Betriebssystemen wie FreeBSD oder Ubuntu. Behörden setzen Open-Source-basierte Anwendungen ein, ebenso wie Unternehmen und NGOs in aller Welt.

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