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Bühnenkunstschule

Spielwiese

»Das ist unsere Chance, alles über Sex herauszufinden und endlich die richtigen Fragen stellen zu können!« quietscht das junge Mädchen mit den langen Locken aufgeregt. In der neuen Produktion der Bühnenkunstschule Academy geht es 90 Minuten lang nur um ein Thema: Sex! »Wahrheit oder Pflicht« heißt das Stück – so wie das beliebte Partyspiel, das als Folie dient für anrührende und mutige Inszenierungsmomente.

Die Idee, ein Stück über Sex zu machen, hatte die künstlerische Leiterin von Academy, Rachel Hameleers, die auch Regie führte. Material und Texte haben die Jugendlichen zum Großteil selbst geschrieben. Im Stück treffen sich 15 junge Leute auf einer Wiese, um einen ganzen Tag »Wahrheit oder Pflicht« zu spielen. Jenes Spiel, bei dem man entweder eine persönliche Frage beantworten oder eine Aufgabe erfüllen muss. Einzige Voraussetzung ist absolute Ehrlichkeit – und das fällt nicht immer leicht bei hoch persönlichen Fragen wie »Bist Du noch Jungfrau?« und peinlichen Aufgaben wie »Tausche in 20 Sekunden ein Kleidungsstück mit Deinem Nachbarn« oder »Stelle drei Pornoszenen nach«. Unterbrochen wird das Experiment in der Gruppe immer wieder durch kurze Soloauftritte einzelner Darsteller, die pointiert von persönlichen Erlebnissen erzählen, von Tanzszenen und Gesangsauftritten – und von witzigen Kurz-Lehrgängen, die Tipps zu Kennenlern-Sprüchen geben oder die richtige Kusstechnik erläutern.

Der Bühnenraum des Theater Aufbau Kreuzberg (TAK) im neuen Aufbau-Haus am Moritzplatz, das im Juni offiziell eröffnet wird, erweist sich als genau der richtige Platz für die Aufführung: Es ist genügend Raum für Tanz-Choreografien, ohne dass sich ein Solo verliert.

Erstaunlich ist, wie selbstbewusst und natürlich die Jugendlichen ihre Ängste und Schwächen, Wünsche und Bedürfnisse auf der Bühne darstellen. »Zum Auflockern haben wir ein paar Mal ›Wahrheit oder Pflicht‹ gespielt«, erzählt die 18-jährige Jing Xiang, im Stück die Jana. Sie hat, wie alle ihrer Mitdarsteller, bereits im Jahr zuvor die »Grundstufe« Academy eins besucht, in der den Teilnehmern Basistechniken in Theater, Gesang und Tanz vermittelt werden. 40 Leute waren sie da, im Gegensatz zur Fortgeschrittenenklasse Academy zwei, die aus 15 Mädchen und Jungen zwischen 14 und 20 Jahren besteht. »Das war was Besonderes, gerade weil wir so eine kleine Gruppe waren«, erinnert sich Theo Frielinghaus an das erste Probenwochenende, bei dem schon ein Gutteil des Materials gesammelt wurde.

Fünf Stunden pro Woche, manchmal mehr, proben die jungen Talente für ihr Academy-Stück. Da die Bühnenkunstschule in der Alten Feuerwache e.V. von der Gasag gesponsert wird, kostet das Ganze jeden Teilnehmer gerade mal 20 Euro im Monat – plus jede Menge Zeit und Energie. Doch Jing Xiang sieht die kreative Arbeit als »guten Ausgleich neben der Schule«, und auch Theo Frielinghaus hatte keine Probleme, beides zu vereinbaren.

Eigentlich würde Xiang später gerne eine Schauspielausbildung machen. Doch brotlose Kunst möchte sie nicht produzieren.

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