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Sauber gerechnet

Importe wiegen vermeintliche CO2-Reduzierung von Industrieländern auf

Industrieländer tragen mit ihrem Konsum erheblich zum Anstieg von Treibhausgasemissionen in Entwicklungsländern bei. Eine wissenschaftliche Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass diese konsumbedingten Emissionen die sonstigen Einsparerfolge der Industrieländer zunichte machen.

Zwischen 1990 und 2008 stiegen die Treibhausgasemissionen weltweit um fast 40 Prozent an. Die Industriestaaten, die laut Kyoto-Protokoll zu einer Reduktion verpflichtet sind, rühmen sich, ihren Emissionsausstoß entgegen dem globalen Trend insgesamt gebremst zu haben.

Ein internationales Wissenschaftlergremium weist nun jedoch auf einen gravierenden Mangel in der Erhebung und Zuordnung der CO2-Daten hin. Bislang, so die Studie, würden die Emissionsstatistiken der jeweiligen Staaten nicht berücksichtigen, dass ein Großteil der in Industrieländern konsumierten Güter in Entwicklungsländern produziert wird. »Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft«, veranschaulicht Jan Christoph Minx, Klimaökonom an der Technischen Universität Berlin, das Problem, »verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland – etwa in China oder Bangladesh –, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht.«

Weil in den internationalen Klimaverhandlungen die Emissionen bisher direkt dem Land zugeordnet werden, in dem sie entstehen, ist die Bilanz der Industriestaaten relativ gut. Nur durch die Auslagerung von Emissionen konnten diese Länder ihren Konsum überhaupt weiter steigern und gleichzeitig mit vergleichsweise geringer Mühe ihre Klimaschutzziele erreichen. Die Entwicklungsländer unterliegen bislang keinen Reduktionsverpflichtungen, weil ihr Wirtschaftswachstum nicht gefährdet werden soll. Damit aber fallen auch die verlagerten Emissionen der Industriestaaten bilanztechnisch unter den Tisch.

Für insgesamt 95 Staaten und 57 Wirtschaftsbranchen haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich der CO2-Ausstoß in der Exportindustrie entwickelt hat. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass die Industriestaaten mit ihrem Konsum von Produkten aus Entwicklungsländern oft mehr Emissionen verursachen, als sie zu Hause einsparen. Die Wissenschaftler bemängeln, dass die staatenbasierte Zurechnungsmethode den internationalen Handel ignoriert und damit auch das Verhältnis von Produktion und Konsum nicht erfasst. »Im heutigen Zurechnungssystem müssen Industriestaaten die durch ihren Konsum verursachten Emissionen nicht melden, selbst wenn diese zum weltweiten Emissionsanstieg beitragen«, kritisiert Leitautor Glen Peters vom Center for International Climate and Environmental Research in Oslo.

Einige Kritiker behaupten, dass erst die strengen Regeln zur Emissionsvermeidung, wie zum Beispiel das Europäische Emissionshandelssystem, zur Verlagerung von Produktionsstätten führen würden. Für diese Behauptung sehen die Wissenschaftler jedoch keine Belege. So gebe es auch in den USA, die über kein flächendeckendes Emissionshandelssystem verfügten, vergleichbare Verlagerungstendenzen. Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Mitautor der Studie, fordert die Ausweitung der regionalen Regeln. Allein ein globales Abkommen könne die in der Studie aufgezeigten Mängel im internationalen Berichtsystem lösen. »Wir empfehlen«, so die Autoren, »dass internationale Handelspolitik nicht länger von der Klimapolitik getrennt werden sollte.«

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