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Hygiene ist die beste Waffe

EHEC-Infektion breitet sich aus – Tödliche Nierenschäden drohen

Vom Norden Deutschlands her breiten sich dieser Tage immer mehr EHEC-Infektionen in Deutschland aus. Bis gestern Nachmittag waren rund 80 Fälle registriert.

Zu viel Zwiebelkuchen genossen? Dazu gestern zu viel Apfelwein getrunken? So mag die Hamburger Hausfrau denken, die nun schon wieder erbrechen muss – und, von kolikartigem Bauchkneifen gepeinigt, auf die Toilette rennt: Durchfall! Doch diesmal ist Blut mit dabei. Ein Alarmzeichen, das die Hansestädterin zum Arzt eilen lässt. Wenig später liegt sie im Krankenhaus. Diagnose: Nicht das opulente Abendessen ist Ursache der Beschwerden, sondern eine Infektion mit EHEC-Keimen. Diese wiederum können eine Krankheit namens HUS auslösen – das »hämolytisch urämische Syndrom«. Von Norden her breiten sich die Erreger derzeit in Deutschland aus.

Hinter dem Kürzel EHEC verbirgt sich eine bösartige Gruppe von Darmbakterien: »Enterohämorrhagische Escherichia coli«. Sie können die schwere Krankheit HUS hervorrufen. Häufigste Anzeichen für eine EHEC-Infektion sind wässriger, manchmal blutiger Durchfall, krampfartiges Bauchweh, Erbrechen und leichtes Fieber. Infolge der Krankheit drohen Nierenschäden, die schlimmstenfalls zum Tode führen können.

Seit der zweiten Maiwoche, so teilt das in Berlin ansässige Robert-Koch-Institut (RKI) mit, seien verstärkt Menschen an blutigem Durchfall und HUS erkrankt. Die Fälle seien vor allem in Norddeutschland aufgetreten, es gebe aber auch bereits Meldungen aus Süd- und Ostdeutschland. Die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum sei sehr ungewöhnlich. »Aktuell sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen betroffen«, registriert das RKI. Zu anderen Zeiten entwickelten vorwiegend Kinder dieses schwere Krankheitsbild. Ärzte vermuten, dass Frauen besonders deshalb öfter erkranken, weil sie häufig mit dem Putzen von Gemüse oder dem Zuschneiden von Fleisch beschäftigt sind.

In zahlreichen Krankenhäusern in Niedersachsen wurden seit Freitag Patienten mit blutigem Durchfall aufgenommen, teilte das Landessozialministerium gestern mit. Sieben dieser Erkrankten »mit der schwersten Verlaufsform« – also HUS – werden in der Medizinischen Hochschule Hannover oder in Hamburger Krankenhäusern behandelt. Zwei Patienten, die sich in Frankfurt mit EHEC angesteckt haben, müssen künstlich beatmet werden. »Sie sind in einem kritischen Zustand«, sagte ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes.

Die gefährlichen Bakterien, so das Landesgesundheitsamt Niedersachsen, befinden sich beispielsweise im Kot von Nutztieren. »Werden von diesen Tieren stammende Lebensmittel mit EHEC verunreinigt, kann es beim rohen Verzehr zu Infektionen kommen. Möglich sei eine solche Verunreinigung auch bei roher Milch und rohem Fleisch. Darüber hinaus gebe eines weitere Übertragungswege: durch so genannte Kopfdüngung verunreinigtes Gemüse etwa. Auch das Baden in Gewässern, die durch Entenkot verschmutzt sind, bergen das EHEC-Risiko in sich.

Das Amt rät: Fleisch sollte nur gut durchgegart gegessen werden. Wer tiefgefrorene Lebensmittel auftaut, sollte das Wasser sofort beseitigen. Gemüse sollte gründlich geputzt und gewaschen werden. Das gelte auch für Salat und Kräuter. »Händewaschen nach dem Toilettengang, vor dem Essen und vor dem Zubereiten von Mahlzeiten ist eine besonders wichtige Vorbeugungsmaßnahme«, betonen die Experten. Auch nach dem Spielen mit Tieren ist gründliches Händewaschen oberstes Gebot.

Wer Verdacht auf eine EHEC-Erkrankung hat, sollte den Gang zum Arzt nicht scheuen. Vor allem nicht, wenn wässrige Durchfälle von Bauchkrämpfen begleitet sind – und ein besonderes Alarmsignal ist Blut im Durchfall.

Als EHEC-Infektionsquelle werden verunreinigte Lebensmittel vermutet. Aber noch haben die Fachleute den Ursprung der vermehrten EHEC-Infektionen nicht aufgespürt. Experten des Robert-Koch-Instituts untersuchen zur Zeit das Geschehen in Hamburg, wo bislang 30 Erkrankungen gemeldet worden sind. »Noch nie so viele Fälle in so kurzer Zeit«, gibt das RKI zu bedenken.

Die Prognose des Niedersächsischen Gesundheitsamtes lässt nichts Gutes erwarten: »Mit weiteren schweren Verlaufsformen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, ist zu rechnen.« Das Sozialministerium beteilige sich mit Hochdruck an der Ursachenforschung. In Sachen EHEC und HUS ist ab sofort werktags von 10 bis 12 Uhr beim Gesundheitsamt in Hannover eine Hotline geschaltet: (0511) 450 55 55.

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