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Todesursache Straßenverkehr

Weltgesundheitsorganisation startet »Aktionsdekade für Straßensicherheit 2011-2020«

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die WHO macht sich weltweit für Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr stark. Vielerorts dürfte es freilich an den Finanzmitteln dazu fehlen.

Neu sind die Zahlen nicht. Nichtsdestotrotz lesen sie sich wie eine Warnung vor der motorisierten Mobilität. So sterben laut den Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen pro Jahr weltweit rund 1,3 Millionen Menschen an den unmittelbaren Folgen von Verkehrsunfällen. Das Überqueren von Straßen, Autocrashs oder Unfälle durch technische Defekte fügen der menschlichen Gesundheit mehr Schaden zu als Epidemien; jedes Jahr werden zwischen 20 bis 50 Millionen Menschen dabei verletzt. Die Teilnahme am Straßenverkehr ist laut WHO zur »Todesursache Nummer Eins bei Personen im Alter zwischen 15 bis 29 Jahren« avanciert. Im Gesamtranking der häufigsten Todesursachen lag die Kategorie »Verkehrstote« 2004 auf Platz neun, gleich nach HIV/Aids, Tuberkulose und Lungenkrebs. Da der Autoverkehr, etwa in bevölkerungsreichen Ländern wie Indien und China, weiter zunehmen wird, rechnen die WHO-Experten 2020 ohne Gegenmaßnahmen mit 1,9 Millionen Todesopfern, und 2030 werde es die fünfthäufigste Todesursache sein.

Angesichts dieser alarmierenden Prognosen wird dem Virus Auto nun weltweit der Kampf angesagt. Mit einer kürzlich gestarteten »Aktionsdekade für Straßensicherheit 2011-2020« will die WHO »Millionen von Menschenleben retten«. Auf nationaler und lokaler Ebene, so ist der Kampagnenwebseite zu entnehmen, könnten im Aktionszeitraum nicht weniger als »fünf Millionen Leben, 50 Millionen schwere Verletzungen und fünf Billionen Dollar« gerettet bzw. gespart werden. Von Argentinien bis Zambia nehmen 114 Staaten teil.

Der WHO-Aktionsplan steht auf fünf Säulen. Konkret geht es um die Verbesserung des rechtlichen Rahmens in Sachen Straßensicherheit, den Ausbau der Straßeninfrastruktur, die Vereinheitlichung der globalen Sicherheitsstandards für Autos, um Aufklärungskampagnen zur Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer und den Aufbau geschulter und gut ausgestatteter Rettungskräfte. Für jede dieser Säulen, die im Rahmen des Programms »Kooperation für Straßensicherheit der Vereinten Nationen« (UNRSC) ausgearbeitet wurde, gibt es Indikatoren zur Überprüfung und Bewertung erzielter Fortschritte.

Dass die hohe Zahl der Verkehrstoten kein unabänderliches Schicksal sein muss, zeigen diverse Länderbeispiele. So konnte Australien durch mehr verdachtsunabhängige Alkohol-Kontrollen und die Verschärfung der Strafen für Trunkenheit am Steuer die Verkehrstotenrate von 1981 bis 2006 um 20 Prozent drücken. In Frankreich hat seit den 1970ern ein »ganzes Bündel an Maßnahmen« die Zahl der tödlichen Unfälle von 16 000 auf heute 4000 im Jahr gesenkt: Geschwindigkeitsbegrenzungen (130 km/h auf Autobahnen, 50 km/h in der Stadt), ein Punkte-Strafregister, Anschnallpflicht, aber auch Ansprachen des Staatspräsidenten und Medienkampagnen. Aus Malaysias Hauptstadt Kula Lumpur, wo wie in vielen asiatischen Großstädten Mopeds eines der wichtigsten Fortbewegungsmittel sind, haben getrennte Spuren auf Hauptstraßen für Vier- und Zweiräder eine Unfallverringerung um rund 40 Prozent ergeben. Und in Vietnam rettete die Helmpflicht für Motorradfahrer seit 2007 in nur einem Jahr 1500 Leben. Krankenhäuser berichten von einem Rückgang der Einlieferungen von Verkehrsopfern um 16 Prozent.

Das Risiko, im Straßenverkehr ums Leben zu kommen, hängt auch vom Geldbeutel ab. So ereignen sich 90 Prozent aller tödlichen Unfälle in »Ländern mittleren und niedrigen Einkommens«, weist die WHO auf den Zusammenhang zwischen Sicherheit, Gesundheit und Entwicklung hin. Die medizinische Versorgung der Opfer und der plötzliche Tod eines Verdieners kosten die Volkswirtschaften rund ein bis drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung.

Die Frage der Finanzmittel ist aber auch für die vorgeschlagenen Maßnahmen mit entscheidend. Die Verbesserung von Straßen, mehr Kontrollen durch Polizei, die Installation von Tempo-Überwachungskameras oder höhere Sicherheitsstandards für Gebrauchtwagen sind eine kostspielige Angelegenheit. Dies können viele Länder des Südens nur schwer stemmen.

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