Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • Reise
  • 9. ND-Lesergeschichten-Wettbwerb

Und dann kommen noch die drei Monteure ...

Klaus H. Jann aus Wülfrath

Die Geschichte gehört zu einer Textsammlung , die der 70-Jährige für seinen Enkel aufschreibt.
Die Geschichte gehört zu einer Textsammlung , die der 70-Jährige für seinen Enkel aufschreibt.

1994 war ein trauriges Jahr. Ein sehr trauriges. Da starb meine Frau Doris. An dieser Volkskrankheit Krebs. Danach schien lange nicht mehr die Sonne. Aber manchmal, wenn man immer den Teller leer isst und auch immer die Kellertreppe putzt – und das habe ich getan – lässt der liebe Gott auch wieder die Sonne scheinen. Und fädelt auch manch anderes ein …

Bei mir fädelte der liebe Gott (oder wer auch immer) eine neue Freundschaft, eine neue Liebe ein: Die Angela. Die war noch jung, die war voller Träume und wollte auch noch richtig erobert werden. Dazu war ich bereit.

Im Juli 1997 sollte und wollte Angela 40 werden. Das musste gefeiert werden. Mir war klar: Da musste ich mir schon ganz was Besonderes einfallen lassen. Hin- und her habe ich überlegt. Wegfahren, einen Abend ganz gemütlich zu zweit, das wär doch was. Aber wohin? Da fiel mir mein alter Freund Wolfgang aus roten Kampfeszeiten ein. Der hatte immer gute Ideen – und der war außerdem noch der Chef der Remscheider Naturfreunde.

Und Wolfgang hatte in der Tat sofort eine Idee: »Wir haben da im Sauerland ein schnuckeliges Naturfreundehaus. Da seid ihr ungestört. Da könnt ihr einen wundervollen und gemütlichen Vier-Augen-Abend miteinander verbringen. Ich kümmere mich drum.« Ich hab dem Wolfgang vertraut und meiner Angebetenen in den nächsten Wochen auf all ihre Fragen immer nur geantwortet: »Alles klar. Lass dich überraschen. Ich hab da was ganz Tolles.«

Dann kam der Geburtstag. Es war der 9. Juli, ein wunderschöner Tag. Ich hab meine Angela ins Auto gepackt und los ging's – in Richtung Sauerland. Die Spannung – besonders bei der Angela – stieg mit jedem Kilometer. Und dann standen wir irgendwann vor dem in idyllischer Lage gebauten Naturfreundehaus. Wir stiegen aus …

Jedoch: Es war alles verschlossen. Ich schellte. Eine Frau, wohl die Herbergsmutter, machte die Haustür einen Spalt auf und brüllte unwirsch: »Wir haben geschlossen.« – »Aber …«, versuchte ich nett und bittend zugleich, »wir kommen doch vom Wolfgang.« Die Naturfreunde-Heimmutter öffnete nun ganz. Aber immer noch unwirsch. »Ach so, ihr seid das. Ja, dann kommt mal mit rauf.« Sie polterte die Treppe hinauf. Wir hinterher. Und schwups standen wir in einem etwa Zwölf-Betten-Zimmer. »Am besten, ihr nehmt die hinteren Betten. Und macht es euch schon mal gemütlich.« Ich sah, wie meine Angela schluckte, mehrfach.

Doch die Herbergsfrau hatte noch eine weitere Überraschung für uns parat: »Und erschreckt euch nicht. Später kommen dann noch drei Monteure. Die schlafen dann hier vorne.« Meiner Angela standen die Tränen in den Augen. Zuerst war sie sprachlos. Dann brachte sie ein leises »Hier bleib ich nicht.« heraus. Und ich hatte ganz schnell begriffen: Jetzt nur nicht etwas Verkehrtes sagen. Dann bin ich meine Angela los. Wir haben nicht ausgepackt. Wir haben uns – ganz nett – verabschiedet. Und dann nix wie weg. Den Geburtstagsabend haben wir dann irgendwo in einem Hotel im Oberbergischen verbracht. Auch bei Kerzen und Sekt. In ein Naturfreundehaus habe ich meine Angela nie wieder reingekriegt.

Wenn heute, nach vielen Jahren, bei uns zuhause eine Reise geplant wird und ich einen Vorschlag mache, kommt garantiert die Frage: »Und kommen da auch die drei Monteure?« Ich bin dann lieber still. Aber manchmal denke ich dann doch für mich: Ob die Angela vielleicht doch die drei Monteure …?

Aber den Gedanken verwerfe ich dann doch ganz ganz schnell. Denn die Angela ist eine Prachtfrau. Und ich bin froh, dass ich damals nicht auf die Übernachtung im Naturfreundehaus bestanden habe.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln