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Indische Offensive in Afrika

Premier Manmohan Singh wirbt bei AU und in Tansania für einen Ausbau der Beziehungen

  • Von Henri Rudolph, Delhi
  • Lesedauer: 3 Min.
Indiens Premier Manmohan Singh hielt sich die gesamte vorige Woche auf dem afrikanischen Kontinent auf, zuerst in Addis Abeba beim zweiten Afrika-Indien-Gipfel und anschließend zum Staatsbesuch in Tansania. Indische Offensive auf dem schwarzen Kontinent. So lassen sich die Ergebnisse der Visite auf einen Nenner bringen.

»Süd-Süd-Kooperation und ein neuer Geist der Solidarität unter Entwicklungsländern« seien so notwendig wie nie zuvor. Indien wolle mit den Ländern Afrikas einen »gerechteren und ausgewogeneren Entwicklungsprozess schaffen, der die kolonialen Strukturen der Vergangenheit vermeidet.« Die Bewegung der Blockfreiheit habe ihre globale Relevanz nicht verloren. Sie müsse der unvermeidbaren Globalisierung »Stil und Substanz« geben, wovon alle Länder Nutzen haben sollten. Ob in der Deklaration von Addis Abeba, den Reden des Premiers vor den Vertretern der 15 von der Afrikanischen Union (AU) ausgewählten Staaten oder vor Journalisten, überall finden sich solche indischen Positionserklärungen. Delhi will damit demonstrieren, dass es seinen afrikanischen Partnern auf Augenhöhe und nicht als aufstrebende Supermacht begegnet.

Diese Partnerschaft ruht aus offizieller indischer Sicht auf drei Säulen: Kapazitätsbildung, das heißt Entwicklung menschlicher Ressourcen, Ausbildung von Fachleuten, Studienmöglichkeiten in Indien; Transfer von Erfahrungen und Technologien sowie die Erweiterung des Handels und der Ausbau der Infrastruktur. An der Afrika-Fakultät der Delhi University macht man aber auch keinen Hehl aus Indiens Erwartungen: Zugang zu Ressourcen, zu Erdöl, zu Erdgas und Phosphatdünger Tansanias, zu Kohle Mosambiks, zu Diamanten und Gold Südafrikas oder zu Uran Nigers und Malawis. Afrika bietet für indische Firmen der Konsumgüterindustrie, der Pharma- und Kosmetikbranche und für IT-Produkte einen riesigen Markt. Und afrikanische Arbeitskräfte sind noch billiger als indische.

Zu guter Letzt braucht Indien für seine Bewerbung um einen ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat auch die afrikanischen Stimmen. Die Offensive Delhis bewegt sich also durchaus nicht auf einer Einbahnstraße.

Mit leeren Händen kam die indische Delegation, der auch Vertreter namhafter Privatunternehmen angehörten, nicht nach Addis Abeba. Premier Singh sagte einen Kreditfonds über fünf Milliarden Dollar für afrikanische Entwicklungsprojekte zu. Außerdem stellt Indien 700 Millionen Dollar für Trainingszentren in afrikanischen Ländern sowie 300 Millionen Dollar für eine Eisenbahnlinie von Äthiopien nach Djibouti zur Verfügung. In Tansania unterstützt Indien die Wasserversorgung in Daressalam mit 180 Millionen Dollar. Seine Absicht, in diesem ostafrikanischen Land einen Pool von Experten der IT-Branche zu schaffen, unterstrich Singh mit der Einweihung des Indien-Tansania-Exzellenzzentrums für Informations- und Kommunikationstechnologie in Daressalam.

Auf dem Gipfel in Addis Abeba dankte Senegals Präsident Abdoulaye Wade den Indern für ihre Unterstützung beim Reisanbau. Die Produktion stieg innerhalb von vier Jahren so stark an, dass Senegal jetzt sogar Reis exportieren kann. Tansanias Präsident Jakaya Kikwete berichtete, dass 29 Ärzte und Schwestern vor ein paar Jahren zur kardiologischen Spezialausbildung nach Indien geschickt wurden. Das Team ist jetzt zurück und operiert erstmals in Tansania am offenen Herzen.

Indien findet, es sei zu kurz gedacht, sein Afrika-Engagement auf eine Rivalität mit China reduzieren zu wollen. Erstens sind die Unterschiede zu groß: Chinas Handel mit Afrika hat ein Volumen von rund 120 Milliarden Dollar, Indiens Handel momentan 46 Milliarden. Dollar. Ziel bis 2015 sind 70 Milliarden. Zweitens sei genug Platz für beide da. Mosambiks Außenminister Oldemiro Julio Balói sagte zur »Qualität dieser Rivalität« gegenüber indischen Journalisten: »Wir haben nicht für unsere Unabhängigkeit gekämpft, um von einem Kolonialherren zu einem anderen zu wechseln. Und Indien und China haben unseren Befreiungskampf nicht unterstützt, um uns zu versklaven.«

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