Neue Therapie bei EHEC gibt Hoffnung

Weitere Todesfälle durch das Darmbakterium / Weit mehr als 300 Menschen sind inzwischen erkrankt

Hoffnung im Kampf gegen den Darmkeim EHEC: Während in Norddeutschland die Zahl der Neuerkrankungen offenbar sinkt, meldeten Ärzte in Hannover am Montag erste Erfolge bei der Behandlung von schwerkranken Patienten mit einem neuen Medikament. Allerdings erhöhte sich in Deutschland die Zahl der Todesfälle nach einer Infektion mit dem aggressiven Erreger auf mindestens zwölf.

Nach Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen meldeten am Montag auch Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern erste Todesfälle. Im Kreis Paderborn starb am Sonntag eine 91-jährige Frau an den Folgen der Infektion, im Kreis Gütersloh eine 40- bis 50-Jährige, im Landkreis Parchim eine 87-Jährige.

Nach offiziellen Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind bisher 329 Menschen als Folge einer EHEC-Infektion am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt, das sich u. a. durch Nierenversagen äußern kann.

Unterdessen scheint der Anstieg der Neuerkrankungen in Norddeutschland offenbar gestoppt. Die Zahl der Neuinfektionen sei »deutlich rückläufig«, sagte Jörg Debatin, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), am Montag vor Journalisten. Dies sei auch an anderen Kliniken zu beobachten. Auch die Zahl der HUS-Fälle scheine stabil zu sein. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sieht dies als mögliches Indiz, »dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle überschritten ist«.

Hoffnungen setzen die Ärzte in ein neues Medikament, mit dem jeweils rund ein Dutzend schwerkranke EHEC-Patienten an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und am Hamburger Uniklinikum derzeit behandelt werden. Der Antikörper mit der Bezeichnung Eculizumab war im vergangenen Jahr erfolgreich bei drei Kleinkindern eingesetzt worden, die nach einer EHEC-Infektion schwer erkrankt waren. Die neuartige Therapie scheine auch bei erwachsenen Patienten nach ersten Einschätzungen erfolgreich zu sein, sagte ein MHH-Sprecher am Montag. Der UKE-Nierenspezialist Rolf Stahl sagte, verlässliche Aussagen seien aber erst in drei bis vier Wochen möglich.

Als eine Quelle der Erkrankungen hatten die Behörden in Deutschland mit EHEC belastete Salatgurken aus Spanien ausgemacht. Wie und wo der Darmkeim auf das Gemüse gelangte, ist weiter unklar. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, warnte indes vor Panikmache. Die Lage sei beherrschbar, sagte er der »Passauer Neuen Presse« (Montag). Jeder könne sich schützen, indem er sich häufig die Hände wasche und vorübergehend auf bestimmtes Gemüse verzichte.

Das RKI bekräftigte seine Warnung vor bestimmten Gemüsesorten. Vor allem die Menschen in Norddeutschland sollten weiter auf den Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und von Salat verzichten, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger im Bayerischen Rundfunk. Die Klagen von Bauern über Umsatzeinbrüche könne er verstehen. »Aber die Gesundheit der Menschen hat hier klar Priorität.«

Infektion oder Verdachtsfälle wurden aus Schweden, Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz gemeldet. Auch in Frankreich sind erste Fälle von EHEC aufgetreten. Gesundheitsminister Xavier Bertrand berichtete von drei Patienten, die alle zuvor in Deutschland gewesen waren. Die Erkrankten leben in Nordfrankreich, in Toulouse und auf Korsika. Eine Lieferung vermutlich verseuchter Gurken wurde in der Bretagne abgefangen und sofort vom Markt genommen.

Die französischen Gurkenbauern betonten unterdessen, dass die Anbaubedingungen in Frankreich andere sind als in Spanien. Sie fürchten, dass die Verbraucher aus Angst vor Ansteckung ihr Gemüse verschmähen. AFP

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