Von Gaston Kirsche

Wie Städte schöner sein könnten

Vom 2. bis 5. Juni wird in Hamburg beim Kongress »Recht auf Stadt« jede Menge Geplantes und Ungeplantes stattfinden.

»Die Teilnehmenden kommen unangemeldet vorbei, deshalb fällt es uns schwer, den Andrang abzuschätzen. Wir rechnen aber mit einigen hundert Menschen aus ganz Deutschland und aus aller Welt«, so die Organisatoren aus dem Hamburger Netzwerk »Recht auf Stadt«, das sich seit nun zwei Jahren in die Stadtplanung einmischt.

Vor zwei Jahren konnte in Hamburgs Innenstadt durch Besetzung ein Ensemble von zwölf historischen Altbauten erhalten werden – das Gängeviertel, in dem es heute dringend benötigte Ateliers für geringverdienende Künstler gibt anstelle der geplanten Bürohochhäuser. Ein beispielhafter Konflikt um städtischen Raum. Unter dem Motto »Right to the City« organisieren sich seit Mitte der 1990er Jahre vielerorts in der Bundesrepublik und anderswo soziale Bewegungen. So kommen zum Kongress auch Aktive aus China, Südafrika, Ägypten, Venezuela, Frankreich, der Schweiz und den USA. Sie alle stellen sich die Fragen: Wer bestimmt eigentlich, wie Städte gestaltet werden? Wer wird davon ausgegrenzt? Und wie kann eine wirkliche Teilhabe aller BewohnerInnen durchgesetzt werden?

»Der Kongress mit über 50 Veranstaltungen ist selber nicht in erster Linie ein Protest, sondern Ort des Kennenlernens. Ein Ort der Darstellung, der Debatte, der Konspiration, der Öffentlichkeit und der Vernetzung«, so Christiane Hollander vom alternativen Verein »Mieter helfen Mietern«, der den Kongress mitträgt und einen Workshop zur Organisierung von Mieterinitiativen veranstaltet. Kollege Marc Meyer fügt hinzu: »Da nicht alles nur in geschlossenen Räumen stattfindet, sind öffentliche Protestformen aber nicht ausgeschlossen.« Hollander betont, dass es sich nicht um eine geschlossene Szene-Veranstaltung handelt: »Die bisherigen groß angelegten Aktionen wurden von gesellschaftlichen Gruppen wie Kirchen und Gewerkschaften mitgetragen.«

Tina Fritsche, aktiv im Centro Sociale am Rande des Schanzenviertels, hat vor dem Kongress viel zu tun: »Als selbstverwalteter Nachbarschaftstreffpunkt haben wir uns von Anfang an als Kontrapunkt zur Gentrifizierung verstanden.« Das Haus in der Sternstraße 2 wird die Kongresszentrale sein und damit die erste Anlaufstelle für alle Teilnehmenden. Die meisten Veranstaltungsorte liegen rund um das Szeneviertel St. Pauli: Rote Flora, Hafenstraße, Gängeviertel.

Beim Kongress hat auch antikapitalistische Stadtplanung ihren Platz. Fritsche freut sich darauf, sich »eine Vorstellung davon zu machen, dass Städte grundsätzlich anders und schöner sein können, als wir sie kennen«. Sie denkt an eine Stadt, in der nicht die Ökonomie die Richtung vorgibt, sondern in der die unterschiedlichen Bewohner miteinander das Leben in der Stadt aushandeln.

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