Ein Hauch von Cayman in der Mark

Berlin ist förmlich umzingelt von brandenburgischen »Gewerbesteueroasen« – die Erfahrungen sind gemischt

  • Von Velten Schäfer, Zossen
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Kurz nach der Wende erfand der Weiler Kreuzbruch bei Liebenwalde ein Modell, dass rund um Berlin Nachahmer gefunden hat: Die Gewerbesteuer auf den geringsten legalen Wert setzen – und auf die Ansiedlung großer, steuersparwilliger Firmen hoffen. Nicht immer klappt das wie geplant.

Die Baruther Straße in Zossen ist Sitz zahlreicher Briefkastenfirmen – Beispiele auf den Bildern unten. Berlin ist umgeben von Niedrigsteuer-Oasen, im Land Brandenburg sind es inzwischen zehn. Auch wenn Kremmen und Beiersdorf-Freudenberg inzwischen von dieser Politik abgekommen sind.

Hübsch ist es am Markt von Zossen. Der rechteckige Platz ist frisch saniert; großzügig wirkt er, wie er sich von der Kirche bis zum Sparkassen-Gebäude zieht und in die Baruther Straße mündet. Man kann sich gut vorstellen, dass vielleicht einmal mehr Touristen hier sitzen, ältere Leute vielleicht, bei Kaffe und Kuchen. Vielleicht könnte der eine oder andere Ruheständler sogar erwägen, hier hinzuziehen. Ruhe gibt es genug – und die Mieten sind moderat. Sogar kaufen könnte ein halbwegs situierter Pensionär. Selbst im Herzen der 17 000-Einwohner- Stadt gibt es noch Leerstand und unsanierte Häuser. Dornröschen, so will es scheinen, ist noch nicht so ganz erwacht. Vielleicht macht es noch Morgentoilette.

Halb Berlin liegt eigentlich in Zossen

Doch der Schein trügt, zumindest scheinbar. Gerade die Gegend um den Marktplatz ist Schauplatz eines ganz speziellen Zossener »Wirtschaftswunders«. Wer den Marktplatz hinunter in die Baruther Straße...


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