Bunt gemischte Forderungen

5000 Schüler, Lehrer und Eltern demonstrierten gemeinsam für bessere Bildungsbedingungen

Unter lauten Rufen gingen Schüler, Eltern und Lehrer am Donnerstag gemeinsam »für bessere Schule in Berlin« auf die Straße. Mit Trommeln, Tröten und Plakaten zogen sie vom Rosa-Luxemburg-Platz zum Brandenburger Tor. Zu dem Protest hatte ein Bündnis aus der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem Landeselternausschuss (LEA), dem Landesschülerausschuss (LSA) und anderen Initiativen aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von rund 5000 Teilnehmern, erwartet hatten sie 10 000.

Wie das Bündnis war der Demonstrationszug bunt gemischt – und entsprechend vielfältig waren die Forderungen. Hinter einer blond gelockten Sechsjährigen, auf deren Schild in bunten Buchstaben »Mehr Geld für Bildung« gemalt war, marschierten Jugendliche mit roten Fahnen und skandierten »Revolution!«. Abiturienten demonstrierten gegen das sogenannte Turbo-Abitur, Lehrer für die Altersermäßigung.

Einige Forderungen waren immer wieder zu hören: Entlastung der Schüler und Lehrer durch mehr Personal und kleinere Klassen. »Wir haben Gruppen mit über 30 Schülern«, klagte eine Lehrerin. »Außerdem müssen wir immer mehr Verwaltungsaufgaben übernehmen.« Auch die Sanierung von Schulgebäuden war eine gemeinsame Forderung. »Wir wollen nicht mehr in einem Schrotthaufen unterrichtet werden«, erklärte die 17-jährige Johanna. Einen »Rettungsschirm für Berliner Schulen« verlangte der quietschrote Aufkleber, der an vielen T-Shirts und Taschen prangte. Günter Peiritsch, Vorsitzender des LEA, betonte: »Es geht uns nicht um eine platte Kritik am rot-roten Senat. An der Abwirtschaftung unserer Schulen haben über die Jahre viele mitgewirkt. Die Forderungen richten sich an alle Parteien Berlins.« Eltern könnten die benötigte Summe allerdings nicht genau beziffern. Ihr Anliegen sei es, Politiker dazu zu bringen, »sich mehr einfallen zu lassen und neue Möglichkeiten zu erschließen, um das Bildungsbudget aufzustocken«. Zwar habe man mit dem Senat konstruktive Gespräche geführt und die Zusicherung bekommen, den Bildungsetat nicht zu kürzen, doch »das bedeutet die Festschreibung von bestehenden Defiziten«.

In der Senatsverwaltung für Bildung verwies man darauf, dass die Bildungsausgaben in den letzten Jahren gestiegen seien. »Allein in dieser Legislaturperiode sind über eine Milliarde Euro in den Schulbau geflossen«, betonte Sprecherin Beate Stoffers. Die von der GEW geforderte Einstellung von 2500 Lehrern würde 125 Millionen Euro kosten. Die Senkung der Pflichtstunden um nur eine Stunde 48 Millionen Euro.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) kritisierte, dass Schüler demonstrieren würden, statt zum Unterricht zu gehen. Allerdings begrüßte er es, »dass man der Bildung eine solche Bedeutung beimisst«. Man müsse aber auch die Anstrengungen sehen, die das Land gemacht habe. »Wir geben weit mehr Geld für die Schulen aus, als der Durchschnitt der anderen Bundesländer.« Laut GEW investiert Berlin 4,6 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung. Der Senat sprach von 5,4 Prozent. Damit liege Berlin seit Jahren über dem OECD-Durchschnitt von vier Prozent.

Auf dem Bildungsgipfel 2008 hatten Bund und Ländern beschlossen, dass die Bildungsausgaben auf sieben Prozent des BIP steigen sollen. Auch daran wollten die Demonstranten erinnern. Denn gestern begann die zweitägige Kultusministerkonferenz in Hannover.


Entwicklungen im Bildungsbereich

  • Die Ausgaben für Lehrer sind von 2006 bis 2012 um 181 Millionen Euro gestiegen (plus 14 Prozent), für Betreuungsangebote um 136 Millionen Euro (plus 85 Prozent) und für Schulhelfer um 2 Millionen Euro (plus 36 Prozent).
  • Pro Schüler werden 6600 Euro ausgegeben, damit belegt Berlin einen Spitzenplatz im Bundesvergleich.
  • Im vergangenen Schuljahr fielen 2,2 Prozent des Unterrichts aus. 2006 waren es 2,6 Prozent.
  • 2009 betreute ein Lehrer 13,7 Schüler, der Bundesdurchschnitt ist 15,1.
  • Die Klassengrößen sind seit 2006 annähernd gleich geblieben. An Gymnasien blieben sie bei 28,4 Schülern, an Grundschulen sanken sie von 23,5 auf 23,2, an Realschulen/Integrierten Sekundarschulen sanken sie von 27,3 auf 26,8. Quelle: Senatsverwaltung für Bildung

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