Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Pferdeställe und andere ländliche Haltestellen

Auf der Boxenstopp-Route durchs Oldenburger Münsterland kann man an mehr als 100 Stationen Halt machen

  • Von Andreas Steidel
  • Lesedauer: 4 Min.
Das Oldenburger Münsterland ist eine ideale Radgegend. Auf der sogenannten Boxenstopp-Route kann man Natur- und Landleben genießen.
Romantisch gelegen: Fachwerkhaus in der Nähe der Burg Dinklage
Romantisch gelegen: Fachwerkhaus in der Nähe der Burg Dinklage

Es riecht nach Pferd. Auf den stillen Nebenstraßen des Ortes Mühlen fährt man von einem Gestüt zum andern. Hört ab und an ein leises Wiehern auf einer Weide. Sieht ein Allradfahrzeug mit Anhänger vor einem Pferdehof stehen. In Mühlen gibt es fast so viele Pferde wie Einwohner, und die wichtigsten Einwohner sind die Schockemöhles: Alwin war der bekannteste Springreiter Deutschlands und sein Bruder Paul ist heute noch ein bedeutender Pferdezüchter.

Boxenstopp heißt die Radroute im Oldenburger Münsterland, die durch das kleine Dorf Mühlen führt. Müßig zu erwähnen, dass es hier nicht um Motorsport geht, sondern um Pferdeboxen und andere ländliche Haltestellen. Eine dieser Haltestellen ist das Mühlener Landcafé, ein altes Fachwerkhaus mit acht kleinen Fenstern am Giebel. Der Duft von frisch gebackenem Kuchen löst den Pferdegeruch ab, während die Drahtesel Mittagsruhe im Garten halten.

300 Kilometer ist die Boxenstopp-Route lang. Von Damme im Süden nach Barßel im Norden, von Vechta im Osten bis Lindern im Westen ist alles grün-gelb beschildert, akribisch in beide Richtungen mit Vorschlägen für zwölf Nebenstrecken. Das Besondere sind die über 100 ländlichen Erlebnisstationen entlang der Strecke: Hofläden, Restaurants, Cafés, Ferienhöfe, Freilichtmuseen, Fahrradstationen, zusammengefasst in einer Broschüre, die in die Satteltasche passt.

Der Weg von Emstek zur Thülsfelder Talsperre macht besonders viel Spaß. Links plätschert ein kleiner Bach und rechts stehen Bäume, die ihr Dach über den Radfahrern ausbreiten. Immer wieder berührt blühender Rhododendron die Strecke. Irgendwo am Wegesrande liegt ein Gemüse- und Pflanzenhof, der es auch zu einem Boxenstopp gebracht hat. Ländlich einkaufen, man muss ja nicht gleich einen ganzen Baum auf den Gepäckträger binden.

Bäume sind das Lieblingsthema von Heino Werner. Den Ferienhof seiner Frau hat der gelernte Forstwirt in eine Baumschule verwandelt, in einen Landschaftspark mit Eichen, Elsbeeren, Tannen und Buchen. Zwischen den Bäumen blühen Rosen und Fliederbüsche. Im Sommer grillen die Werners mit ihren Gästen im Garten. Sie haben ein altes landwirtschaftliches Anwesen in einen Hof mit Ferienwohnungen und Zimmer umgewandelt.

Von den Werners in Drantum ist es nicht mehr weit nach Cloppenburg. Cloppenburg gehört mit 32 000 Einwohnern zu den Großstädten im Oldenburger Münsterland und besitzt eines der ältesten Freilichtmuseen in Deutschland. Mächtige alte Höfe wurden hier rekonstruiert, eine Kirche mit komplettem Friedhof nachgebaut. Im Dorfkrug kann man sich vor der nächsten Etappe noch einmal stärken.

In sechs Etappen sollte man die Strecke zerlegen, wenn aus dem Boxenstopp kein Wettrennen werden soll. Dann ist jeder Tag ungefähr 50 Kilometer lang und genügend Zeit für die Abstecher entlang des Weges übrig. Manche dauern etwas: das Moormuseum Elisabethfehn zum Beispiel, wo sie zahlreiche Leichen im Keller und jede Menge anderer spannende Geschichten zu erzählen haben. Klingen die etwas komisch, dann liegt es mitunter auch daran, dass der Betreffende gerade Saterfriesisch spricht: In der Gegend um Barßel ist in der Abgeschiedenheit des Moores diese letzte Unterart des Ostfriesischen erhalten geblieben. Etwa 2500 Menschen können es noch, die 76-jährige Schriftstellerin Gretchen Grosser hat erst kürzlich »Der kleine Prinz« ins Saterfriesische übersetzt.

Die Übersetzung am Fahrrad spielt im Oldenburger Münsterland hingegen eher eine untergeordnete Rolle. Die Zahl der Steigungen hält sich in Grenzen, die höchste Erhebung der Dammer Berge im Süden des Oldenburger Münsterlandes misst gerade mal 146 Meter. Da sind E-Bikes nicht unbedingt notwendig, selbst wenn sie inzwischen auch hier an zahlreichen Stellen angeboten werden.

Flach wie eine Flunder ist auch der Dümmer – ein See, der erheblich blöder klingt, als er für den Radfahrer tatsächlich ist. Auf seinem Deich geht das Fahrradfahren wie von selbst, und an seinen Ufern brüten längst wieder seltene Vögel. Das extrem flache, nur 1,50 Meter tiefe Gewässer ist nach Jahrzehnten der Umweltverschmutzung heute wieder ein geschätztes Natur- und Freizeitgebiet. Wer dort nicht Fahrradfahren will, kann sich in einem Segelboot treiben lassen.

Politisch gehörte die Gegend um Cloppenburg und Vechta übrigens lange zum Großherzogtum Oldenburg. Kirchlich hingegen stets zum Bistum in Münster. Der Name Oldenburger Münsterland drückt beides aus und ist durchaus keine Erfindung moderner Touristiker. Die haben nur die Boxenstopp-Route entwickelt, übrigens nicht nur für Radfahrer. Parallel zum Radweg verläuft eine Ferienstraße mit dem gleichen Namen.

  • Infos: Verbund Oldenburger Münsterland, Oldenburger Straße 246, 49377 Vechta, Tel.: (04441) 95 650, www.oldenburger-muensterland.de. Dort gibt es auch eine Broschüre mit sämtlichen Boxenstopp-Adressen entlang der Route.
  • Pauschalangebote: Sieben Tage Boxenstopp-Radtour ab 295 Euro, drei Tage Schnupperradtour ab 119 Euro. Mindestteilnehmerzahl zwei Personen. Start täglich von April bis Oktober. Leihfahrräder und E-Bikes vorhanden. Buchung über Verbund Oldenburger Münsterland

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln