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Schlagende Männer treffen sich

Warum Proteste gegen den Kongress des Coburger Convents angebracht sind

In Coburg finden an diesem Wochenende »Aktionstage gegen studentische Verbindungen« statt. Anlass der Proteste ist das Treffen des Coburger Convents. KRISTIAN M. RYE sprach für ND mit MEIKE HÖHLER von der Kampagne »Studentische Verbindungen auflösen!«.

ND: Was genau ist der Coburger Convent und warum macht ihr dagegen mobil?
Höhler: Der Coburger Convent (CC) ist ein Dachverband von rund 100 studentischen Verbindungen aus Österreich und der BRD. Sie sind allesamt reine Männerbünde, pflichtschlagend – das heißt, dass die Mensur gefochten wird – und farbentragend. Am Wochenende trifft sich der CC in Coburg, einer nordbayerischen Kleinstadt, zu seinem jährlichen Pfingstkongress. Dort veranstaltet er auch ein geschichtsrevisionistisches Heldengedenken für die gefallenen »Bundesbrüder« während des Ersten und Zweiten Weltkrieges und einen Fackelmarsch, der schon allein bildlich stark an die SA erinnert. Also jede Menge Anlass zum Protest.

Der CC schreibt auf seiner Homepage, dass er eine »Politisierung des Pfingstkongresses« ablehne. Ist der Dachverband wirklich »unpolitisch«?
Der CC ist alles andere als unpolitisch und vertritt selbstverständlich eine extrem konservative Ideologie. Da sich die österreichischen Verbindungen im CC als »deutsch« bezeichnen, muss dem CC auch ein völkischer Charakter zugesprochen werden. Zusammen mit der Verklärung deutscher Täter zu Opfern der Weltkriege im Rahmen des angesprochenen Heldengedenkens, lässt sich eine stramm rechte Ausrichtung nicht leugnen. Zudem kommt noch die strenge hierarchische Organisationsform und der strukturelle Sexismus, der allen Verbindungen eigen ist. Das sind Sachen, die für jeden und jede sofort erkennbar sind.

Darüber hinaus lässt sich bei genauerer Betrachtung des CC aber eine verbandsinterne Debatte erkennen, in der heftig darum gerungen wird, wie explizit politisch der CC auftreten sollte und ob er sich von Positionen der extrem Rechten abgrenzen sollte, beziehungsweise inwiefern er das tun sollte.

In der Rechtsaußen-Zeitung »Junge Freiheit« wird für den Pfingstkongress in Coburg und für den Burschentag in Eisenach geworben. Wie eng sind die Kontakte in die rechte Szene?
Bei der Deutschen Burschenschaft, die sich demnächst wieder in Eisenach trifft, sind die Verbindungen zu Nazis ja mit unzähligen Beispielen belegt. Beim CC ist das schwieriger, weswegen er oft als vergleichsweise harmlos angesehen wird. Dem ist aber nicht so. Auch im CC werden Positionen der »neuen Rechten« nicht nur diskutiert, sondern begeistert aufgenommen. Eine Distanzierung findet nicht statt. Rüdiger Franz, der damalige Pressesprecher des CC, sagte letztes Jahr bei einer Podiumsdiskussion, was nicht verboten sei, könne er bedenkenlos lesen. Nicht einmal einen Unvereinbarkeitsbeschluss von CC- und NPD-Mitgliedschaft gibt es.

Wie anschlussfähig sowohl Inhalte als auch die Ästhetik der Verbindungen sind, zeigt sich auch darin, dass das Spektakel zu Pfingsten Neonazis aus der Region anzieht. Dieses Jahr rufen die Nazis sogar dazu auf, den Coburger Convent vor Ort zu unterstützen und gegen links zu verteidigen.

In jüngster Zeit wird studentischen Verbindungen wieder verstärkt Kritik entgegengebracht. Hamburgs designierter Bürgermeister Ahlhaus wurde seinerzeit heftig für seine Nähe zu einer Landsmannschaft des CC kritisiert. Und auch Proteste auf der Straße nehmen sich verstärkt des Themas an. Wie ist die Situation in Coburg?
Das Klima in Coburg ist stockkonservativ und sehr repressiv. Die Lokalpresse hat die Extremismuskeule ausgepackt und es fanden auch schon die ersten Hausdurchsuchungen bei Kritikern statt. Also widrige Umstände. Andererseits sind die Proteste gegen den CC vor Ort wichtig für Antifas und andere Bewegungslinke in Nordbayern, deshalb sind wir trotz allem motiviert, weiter zu rocken.

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