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»Mehr Glanz und weniger Staub« mit Wowereit

SPD lud zum Empfang anlässlich des 10. Amtsjubiläums des Regierenden Bürgermeisters

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Klaus Wowereit wäre nicht er selbst, ließe er diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen. Zum Empfang anlässlich seines Amtsjubiläums als Regierender Bürgermeister lud gestern die SPD-Fraktion in den Festsaal des Abgeordnetenhauses – viel Prominenz folgte der Einladung.

Vom Abgeordnetenhaus war am 16. Juni 2001 der Spitzenmann der Berliner Sozialdemokraten zum Chef des Roten Rathauses mit den Stimmen der SPD, der Grünen und der PDS gewählt geworden. Letztere duldete erst den rot-grünen Übergangssenat und gestaltete dann zwei Legislaturperioden als Regierungspartei mit.

Ein damals noch kühnes Beginnen. Die Zusammenarbeit mit den unter Hinweis auf SED-Vergangenheit nicht selten geächteten, vielfach verachteten oder wenigstens gering geschätzten PDS-Genossen war etwas anderes als ein gewöhnliches Regierungsbündnis. 2001 war viel klarer als heute, dass Wowereit gemeinsam mit seinem Landesparteivorsitzenden Peter Strieder einen strategischen und noch lange nicht selbstverständlichen Tabubruch wagte.

Das brauchte Courage, geschah aber nicht selbstlos. Wowereit offenbarte sein klares Streben nach der Macht und politischen Instinkt. Entschlossen handelte er zum richtigen Zeitpunkt. Der traditionelle Partner CDU hatte buchstäblich abgewirtschaftet. Vom politischen Aderlass durch den Bankenskandal erholten er und Berlin sich bis heute nicht so recht. Die SPD benötigte für den Abschied von der Juniorpartnerschaft neue Optionen.

Die Sozialisten waren eine, und sie wollten auch eine sein. Als Voraussetzung für deren Mitwirkung schrieben die Sozialdemokraten der PDS die Verantwortung für Mauerbau, »Zwangsvereinigung« von SPD und KPD und »Niederschlagung des Volksaufstands« am 17. Juni in die Präambel des Koalitionsvertrages. Umsonst war er nicht zu bekommen. Heute Selbstverständliches hatte seinen Preis.

Zum Ende des Jahrzehnts der Großen Koalition von CDU und SPD unter Eberhard Diepgen wurde gerade von den Grünen immer wieder gern der »Mehltau über der Stadt« beschworen. Der ist längst kein Thema mehr. Berlin habe viel aus sich gemacht, sagte SPD-Landeschef Michael Müller anlässlich des Jubiläums. »Klaus Wowereit war der richtige Bürgermeister zur richtigen Zeit, in der richtigen Stadt.« Heute sieht Müller »mehr Glanz und weniger Staub«, aber auch »Ecken und Kanten«.

Zu alledem gehört Klaus Wowereit. Die Formulierung, mit der er sein Schwulsein offenbarte, wurde zum geflügelten Wort. Das gilt auch für die Charakteristik Berlins als »arm aber sexy«. Eine gewisse Zeit verkörperte er wie vielleicht niemand anders ein neues Bild von Berlin – modern, bunt, ab und an etwas schrill. Da war ihm mit der Bezeichnung »Partymeister« zugleich ein wenig recht und auch unrecht getan. Niemals stand Wowereit freilich für Intoleranz und Provinzialität. Seine Sache ist das Bild eines modernen Berlins mit Zukunft, nicht das von zwei alten Frontstädten.

Im Amt und an Umständen ist der Regierende Bürgermeister selbst gereift. Mit roten Damenschuhen posiert er nicht mehr. Die Reden des einstigen Tempelhofer Schulstadtrates sind manchmal besser und meist länger als früher. Mit den Medien weiß er umzugehen, sieht sie durchaus kritisch, kennt aber ihre Auflagen und Reichweiten gut. Auch so gesehen passen sein Amtsjubiläum und der Regierende Bürgermeister gut in den Wahlkampf.

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