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Merkel-Berater als Öko-Jakobiner?

»FAZ«, »FOCUS« und »Welt« sehen uns auf dem Weg in die »Klima-Diktatur«. Linker Historiker: Grün ist das neue Braun (oder Rot)

Sollten mal einen grünen Tee zusammen trinken und ihre Gedanken zum Thema Öko-Revolution ausplauschen: Prinz Charles, Professor Wolfgang Wippermann und »FAZ«-Redakteur Winand von Petersdorff-Campen. Einziges Problem: alle Tassen im Schrank dürften zusammen nicht für drei Personen reichen.
Dass Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prinz von Wales und Herzog von Cornwall, mit Pflanzen redet, gilt britischen Medien als »je nach politischem Standpunkt liebens- oder bemitleidenswert«. Das ist natürlich Nonsens: Ein Problem hat Prinz Charles erst dann, wenn das Grünzeug antwortet!

Des Prinzen dezent exzentrische »seven egg habit« wird zwar von den britischen Revolverblättern verspottet, wäre aber gerade noch tolerabel: Sieben Eier lässt der ewige Thronfolger sich jeden Morgen servieren. Köpft eins nach dem anderen. Bis er jenes entdeckt und verspeist, dessen Eigelb und Dotter die perfekte Konsistenz aufweist. Ansonsten interessiert sich Prinz Charles für ökologische Fragestellungen, insbesondere für die von Giften und Gentechnik freie Landwirtschaft.

Schon feiern deutsche Monarchisten, für die Wiedereinführung des Königstums zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen werbend, den Briten als »ecological inspirer«. Als Öko-Begeisterer. Im letztenJahr hat der »ökologische Visionär« (»Greenpeace Magazin«) sogar ein Buch geschrieben, in dessen Vorwort er apodiktisch posaunt: »Dies ist ein Aufruf zur Revolution.« Pardauz!

Doch will Charles durchaus nicht, dass wir mit ihm und Seinesgleichen ähnlich kurzen Prozess machen wie er mit seinen Frühstückseiern. Nein, der Camilla-Gatte fordert »Harmonie«: Die Welt sei aus dem Gleichgewicht gebracht, wir bräuchten eine neue Balance, schließlich würden wir eine Einheit bilden mit der Natur. Mithin sei der Planet in veritabler Gefahr. Ursache sei »eine Krise des Denkens«. Meint (und schreibt) der Prinz.

FAZ warnt vor »herzlicher Öko-Dikatatur«

Öko? Revolution? Nur gut, dass unsere bürgerlichen Revolver-Blätter das noch nicht mitbekommen haben. Es wäre Wasser auf die Mühlen, die seit Wochen den als allzu umweltfreundlich empfundenen Zeitgeist zu zermalmen trachten. Und dabei die Grenze zum Wahn locker überschreiten.

Allen voran die »Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland«: Sie sieht eine »grüne Revolution« vor der Haustür stehen, die uns abholen und geradewegs in »die herzliche Ökodiktatur« abführen will. Diese Umwälzung »zwingt die Bürger zu Biosprit, Wärmedämmung und Solarstrom«, erpresst eine »Zwangsernährung mit ökologisch korrekten Produkten«.

Zwar sei Gegenwehr »absolut zwecklos«. Trotzdem müsse die Revolution sich tarnen. Der grüne Ministerpräsident Kretschmann beispielsweise »und seine Konsorten zeichnen das Bild eines Machtwechsels, der nicht radikaler ist als ein Dienstwagen-Downgrading«. Doch längst habe in BaWü die »mentale Verstaatlichung von Konzernen« begonnen.

Doch nicht nur im Südwesten, nein, in ganz Deutschland gedeihe die »Ökotyrannei«. Sie könne sich durchaus auf eine Mehrheit stützen. Und Merkels Bundesregierung, sie »steht an der Spitze.« Soweit die FAZ – respektive deren Vize-Ressortchef »Wirtschaft«.

Auf Linie der Industrie-Lobby

Wo sich ein Trend zum rechten Wahn ergibt, kann Springers »Welt« gewiss nicht schweigen. Eine »Ökodiktatur pur« ausgemacht hat dort Fritz Vahrenholt, einst Öko-Vordenker (»Seveso ist überall«), dann Politiker, schließlich Manager bei Nöko-Konzernen wie Shell und RWE. Ob es richtig sei, »die ganze Welt, ob Nord oder Süd, mit einer «Großen Transformation« atom- und kohlefrei zu machen«, fragt Vahrenholt. Und warnt vor »antidemokratischen, jakobinischen Denken«.

Diesmal steht indes nicht die Bundesregierung selbst an der Spitze der öko-tyrannischen Bewegung. Sondern lediglich ein von ihr berufenes Experten-Gremium: Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Der hatte vor ein paar Wochen ein Gutachten namens »Welt im Wandel Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation« vorgelegt.

Schlimm: Das Papier greift das »gegenwärtige Wirtschaftsmodell« (Vahrenholt) an. Es fordere den kurzfristigen Verzicht auf Kohle und Kernenergie – bei bewusster Planung und Steuerung. Vahrenholt ist entsetzt über die drohende »revolutionäre Transformation«: Utopisch sei all das. Und »auf demokratischem Weg deshalb nicht zu verwirklichen«. Freiwillig würden »die Menschen« auf Wohlfahrt jedenfalls nicht verzichten.

Zur Erinnerung: Während unzählige Studien belegen, dass der Umbau zu einem Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energieträger möglich ist, fordert eine kleine extremistische Minderheit lautstark »weiter Kernenergie und Kohle«. Die kleine Minderheit besteht aus den Spitzen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, der Deutschen Bank und der vier deutschen Energie-Oligopolisten.

Und Vahrenholt bläst in ihr Horn. Merkels Beirat stelle sich in die »staatsphilosophische Tradition Jean-Jacques Rousseaus«. Dort habe »der autoritäre und utopische Jakobinismus seinen Ausgang« genommen. Der Preis »für den utopischen Klima-Jakobinismus des WBGU« sei zu hoch.

Wippermann: Grün ist das neue Braun (oder Rot)

Vahrenholts Denkfigur sollte kurz darauf im »Focus« aufgegriffen werden: Der WBGU orientiere sich an Jean-Jacques Rousseau und dessen »Contrat Social«, lesen wir in einem Interview des Blattes. Diesmal sprang kein Wirtschaftsmann wie Vahrenholt, sondern ein veritabler Linker in die Bütt: der Historiker Wolfgang Wippermann lässt sich unter der Überschrift »Auf direktem Weg in die Klimadiktatur?« befragen.

Wippermann wird nach Lektür der Umwelt-Beirats-Studie geplagt von allerlei historischen Assoziationen, spricht von »Revolutionärem Messianismus« und fühlt sich »an die faschistische oder kommunistische Internationale« erinnert.

Faschistisch oder kommunistisch? Bisher galt Wippermann als dezidierter Gegner »totalitarismus«- und »extremismus«-theoretischer Ansätze. Was aber lässt Wippermann an rote »oder« braune Horden denken? Nun, die Formulierung »internationale Allianz von Pionieren des Wandels« im Gutachten des WBGU.

Die Merkel-Berater forderten zudem eine »gesellschaftliche Erneuerung durch Einsicht«, führt Wippermann aus. Und fragt: »Und was, wenn jemand nicht einsichtig ist? Gewalt?« Ein gedanklicher Quantensprung, fürwahr...

Gefährliche Utopie?

Wippermanns Fazit: »Das ist eine negative Utopie, eine Dystopie. Und wenn Utopisten am Werk sind, wird es immer gefährlich.« Interviewen ließ Wippermann sich von einem Journalisten, der der knallend rechten »Achse des Guten« nahe steht – wo die Leugnung des Klimawandels zum guten Ton gehört.

Für Merkels Beirat antwortete der Politiologe Claus Leggewie: Angeblich bedrohe »ein totalitärer Wohlfahrtsausschuss öko-sozialistischer Regierungsberater die Freiheit, anderer Meinung zu sein, Auto zu fahren und Witze über alles zu machen«, spottete Leggewie. Dabei riefen lediglich »notorische Leugner des Klimawandels, bekennende Autonarren und achgute Berufspolemiker« zum letzten Gefecht. Die Warnungen vor einer einer Ökodiktatur seien lächerlich. Es gehe schlicht darum, intelligenter zu leben.

Intelligenter leben? Das wäre auch etwas für Prinz Charles, den Öko-Visonär. Seine vierköpfige Kleinfamilie stößt 2600 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus – und damit rund 72 mal so viel wie in Großbritannien üblich.

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