Hoffen auf die Olympia-Chance

Der Schweriner Aryak Marutyan kämpft bei den Box-Europameisterschaften um London 2012

  • Von Gert Glaner, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Erst der Sandsack, dann die Gegner: Aryak Marutyan Fotos: imago/Müller
Erst der Sandsack, dann die Gegner: Aryak Marutyan Fotos: imago/Müller

Aryak Marutyan träumt von London. Mecklenburg-Vorpommerns hoffnungsvollster Amateur-Boxer will die große Schweriner Tradition fortsetzen sich und bei den Europameisterschaften von Freitag bis zum 25. Juni im türkischen Ankara für die Olympischen Spiele 2012 empfehlen. »Mein Ziel ist eine Medaille. Gold wäre super. Damit könnte ich mich auch für die WM ins Gespräch bringen«, sagte der erst 18 Jahre alte Mecklenburger mit armenischen Wurzeln, der für den BC Traktor Schwerin boxt.

Für nachhaltiges Aufsehen sorgte der überaus talentierte Box-Stilist erstmals im Dezember vergangenen Jahres, als er bei den deutschen Meisterschaften im niedersächsischen Oldenburg jüngster Titelträger wurde. »Das kann einer werden. Der bringt alles mit«, sagte Chef-Bundestrainer Valentin Silaghi und holte Marutyan in die Bundeswehr-Sportfördergruppe zum Olympia-Stützpunkt Heidelberg. »Das war schon eine ganz schöne Umstellung. Die langen Reisen und die härtere Konkurrenz. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt«, berichtet Marutyan.

So ganz ohne Rückschlag ging die sportliche Reise für den Weltergewichtler aber nicht ab. Eine langwierige Nasenverletzung behinderte im vergangenen Winter das Fortkommen und gefährdete sogar die Nominierung für die internationalen Saisonhöhepunkte. »Hinzu kam der Wechsel der Gewichtsklasse. Wie Aryak das gemeistert hat: Hut ab«, lobte Heimtrainer Andy Schiemann, einst selbst ein Boxer von europäischem Format.

Eine EM-Medaille ist Schiemann versagt geblieben. Marutyan will es besser machen. »Ich fühle mich stark genug dafür«, betonte der 69 Kilo-Mann nach der nationalen Qualifikation, in der er Vjaceslav Kerber (Lohne) souverän mit 16:5 nach Punkten besiegte und dabei seine boxerische Klasse unter Beweis stellte. Die bislang letzte Medaille bei einer Europameisterschaft gab es für die Boxhochburg Schwerin 2002, als der heutige Profi Sebastian Zbik im russischen Perm ebenfalls im Weltergewicht mit der Bronzemedaille nach Hause kam.

Marutyan ist bei den EM nicht der einzige junge Hoffnungsträger. »Wir haben einige Jungs dabei, die schon jetzt nachhaltige Achtungszeichen setzen können«, sagte Silaghi vor dem ersten großen internationalen Saison-Höhepunkt des Jahres. So ist die deutsche EM-Staffel trotz des Fehlens von Titelverteidiger Denis Makarov und einigen anderen der ersten Garde, nicht ohne Erfolgsaussichten. Neben Marutyan werden vor allem Tyrin Zeuge Medaillenchancen eingeräumt. Der deutsche Meister aus Berlin startet im Halbschwergewicht.

Europameister Makarov aus Velbert konzentriert sich wie weitere neun vornominierte Auswahlboxer auf die Vorbereitung für die Weltmeisterschaften im Herbst in Aserbaidschan. Vom 22. September bis 10. Oktober wird in Baku ein Großteil der Olympia-Tickets vergeben. In der Gewichtsklasse von Marutyan ist für die Welttitelkämpfe bisher der deutsche Meister Patrick Wojcicki aus Wolfsburg gesetzt. »Das klingt endgültig. Ich hoffe aber, dass ich bei einem erfolgreichen Abschneiden bei der EM danach noch eine Chance bekomme«, sagte der Sportsoldat aus Schwerin und träumt weiter von London.

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