Jakobinischer Furor

MEDIENgedanken: Affäre Strauss-Kahn und die Medien in Frankreich

  • Von Tilman Rotherberg
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Die Affäre um Dominique Strauss-Kahn hat in Frankreich vieles ins Rollen gebracht, darunter auch einige Köpfe. Im Zuge der Entrüstung über die in der politischen Kaste scheinbar übliche körperliche Bemächtigungspraxis gegenüber der weiblichen Umwelt sahen sich allerdings nicht nur allerlei Volksvertreter dem Vorwurf des Sexismus ausgesetzt, sondern auch eine graue Eminenz des linken Journalismus: Jean-François Kahn, mittlerweile 73 Jahre alt, hatte die Vergewaltigungsvorwürfe gegen seinen langjährigen Bekannten Strauss-Kahn mit den Worten angezweifelt, vorstellbar sei allenfalls, der damalige IWF-Chef habe sich eine »Domestikin genommen«. Diese antiquierte Formel für das ungezügelte Bespringen der Hausangestellten im höfischen Boudoir avancierte innerhalb von kürzester Zeit zum Symbol für die verbreitete Attitüde unter selbsternannten Connaisseurs und Libertins, Übergriffe zu augenzwinkernden Eroberungen umzumünzen.

Dass die jenseits de...


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