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»Bandbreite« zu groß bemessen

Hip-Hop-Band rockte erst bei Schweizer Rechtspopulisten, dann beim UZ-Pressefest

  • Von Marcus Meier, Dortmund
  • Lesedauer: 3 Min.

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Einladung, halbe Ausladung, Diskussion, Tumulte, dann doch Konzert: Gestern rappte die wegen verschwörungstheoretischer Texte und eines Auftritts bei der rechtspopulistischen »Schweizer Volkspartei« umstrittene Band »Die Bandbreite« auf dem DKP-Pressefest.

Unlängst gab es ein Treffen von Rechten im Sankt Moritzer Hotel »Rondolins«. Eingeladen hatte »info8.ch«, eine verschwörungstheoretische Schweizer Webseite, zusammen mit der »Jungen SVP«, der Jugendorganisation der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) von Christoph Blocher. Das Thema der bei Wahlen ausgesprochen erfolgreichen Rechtsaußen: »Die Bilderberger und ihr Einfluss«.

Die »Bilderberger« sind eine kleine Gruppe ausgewählter Personen, die – so Kritiker – unter sich den Kurs des Planeten auskungeln.

»Die Wahrheitsbewegung steht im Brennpunkt der Medien«, rappt im Hotel »Rondolins« ein Mann namens Wojna, bürgerlich: Marcel Wojnarowicz, Kopf der Duisburger Band »Die Bandbreite«. Der Mittdreißiger ist an diesem 10. Juni 2011 für die »musikalische Unterhaltung« verantwortlich. Doch Wojna hat den Besuchern der SVP-Veranstaltung auch eine Botschaft mitgebracht: »Wir müssen zusammenarbeiten, das ist wichtig.« Später schrieb er: »Der starke Beifall aus dem Publikum ließ uns spüren, dass die Besucher dieser Veranstaltung tolerant und weltoffen waren.«

Gestern nun trat die »Bandbreite« auf dem Pressefest der DKP-Parteizeitschrift »Unsere Zeit« (UZ) in Dortmund auf. Die Politpopper lösten Tumulte aus. Ein Mittzwanziger ging ans Mikrofon und verkündete spontan seinen Austritt aus der DKP. Andere – meist junge Leute – riefen: »Holt die Spinner von der Bühne.« Eine Frau rief Wojna wütend zu: »Spiel mal ›Einlochen‹« – ein als sexistisch geltendes Lied der »Bandbreite«.

»Einlochen« ist indes nicht das bekannteste Lied von »Bandbreite«: Der größte »Hit« heißt »Selbst gemacht«. Die Aussage: Niemand anderes als die USA selbst haben den 11. September 2011 zu verantworten: »Habt ihr dat vielleicht selbst gemacht? / Habt ihr dabei an dat Geld gedacht?« Wojna und Co. tragen »Argumente« zusammen, die nur einen Schluss zulassen: Ja, »dat« waren die Amis selbst!

Die Band war von der DKP-Kulturkommission eingeladen worden – zum traditionsreichen UZ-Pressefest, das zugleich Volksfest der DKP ist. Nach Protesten von Kritikern, darunter der Dortmunder Antifa und der DKP Köln, hatte die Partei das Konzert zwischenzeitlich abgesagt. Und, scheinbar alternativ, zur Podiumsdiskussion gebeten. Während der Diskussion wies Klaus Stein, Vorsitzender der DKP in Köln, auf den Auftritt der Band bei der SVP hin. In Köln kämpfe die DKP gegen die Partei »Pro Köln«, die »Bandbreite« trete bei deren Schwesterpartei auf. »Da ist die Grenze dessen überschritten, was man ertragen kann.«

Bettina Jürgensen, Bundesvorsitzende der DKP, verteidigte die Einladung der »Bandbreite«. Die Band sei links verortet und zähle zum linken Spektrum. Die Vorwürfe seien nicht haltbar – sie sollen vielmehr »die Gruppe kaputt machen«. Die Kampagne habe vor vier Jahren begonnen, so Jürgensen. Und zwar nachdem die »Bandbreite« Kritik an Israel geübt habe.

Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der LINKEN, forderte, die »Bandbreite« solle musizieren. Dehm hat nach eigener Aussage einen Auftritt der Band auf einem Liedermacherfestival ermöglicht, indem er aus eigener Tasche einen Ordnerdienst bezahlte, der Störungen verhindern sollte.

Und Wojna? Zu den Vorwürfen sagte der Sänger, er habe geglaubt, die SVP »ist wie die CDU«. Bei der Veranstaltung in Sankt Moritz, die er gestern »Party« nannte, seien »keine rechten Leute da gewesen«. Dann rappte Wojna: »Klick, klack! Bumm! Kapitalisten? Kopfschuss!«

Ist das nun links? Die Veranstalter bedankten sich jedenfalls artig.

Pünktlich zum Sommerbeginn findet vom 24. – 26. Juni 2011 in Dortmund im Revierpark Wischlingen das UZ-Pressefest – Volksfest der DKP statt. Es ist das 17. Fest, mit dem die Deutsche Kommunistische Partei für ihre Politik und für ihre sozialistische Wochenzeitung UZ wirbt. Die Feste sind inzwischen zum größten und schönsten Fest der Linken in Deutschland geworden.
Aus der Einladung auf der DKP-Website

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