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Keine Wiedervereinigung

Die Bewohner Helgolands stimmen gegen Landaufschüttung

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Am Sonntag stimmten die Helgoländer über eine künstlich geschaffene Landverbindung von Haupt- und Badeinsel ab – und entschieden sich dagegen.

Die Bevölkerung von Helgoland lehnt das gigantische Projekt einer künstlichen Landverbindung zwischen der Hauptinsel und der vorgelagerten Insel Düne ab. »Sollen die zwei Teile der Insel durch eine Landaufschüttung wieder verbunden werden?«, hieß es auf den Stimmzetteln für den Bürgerentscheid am Sonntag. Dabei sprachen sich nach Angaben des Wahlleiters 54,74 Prozent gegen das Megaprojekt und 45,26 Prozent dafür aus. Die Wahlbeteiligung war mit 81,4 Prozent sehr hoch.

Während einer wochenlangen Kampagne mit angespannter Atmosphäre hatten sich die rund 1300 Helgoländer den Kopf zerbrochen und heftig darüber debattiert, ob sie die von der Natur gewaltsam herbeigeführte Abtrennung der Düne von der Hauptinsel durch die künstliche Aufschüttung wieder rückgängig machen wollten. Im Jahr 1720 hatte eine Sturmflut die etwa einen Kilometer lange Landbrücke zerstört. Seither verkehren Boote von der Hauptinsel zur vorgelagerten, 0,7 Quadratkilometer großen »Badeinsel«, wo sich auch der kleine Flughafen befindet.

Eine Landverbindung steigere die Attraktivität der Insel und den Wert ihrer Immobilien und bringe nicht nur eine witterungsunabhängige Verbindung für die Fluggäste, sondern einen Aufschwung für die Inselwirtschaft durch Stützpunkte für die Offshore-Windindustrie sowie mehr Bettenkapazitäten, hatten die Befürworter des Projekts argumentiert. Für sie war die Entscheidung eine Schicksalsfrage, die letztlich über »Sein oder Nichtsein« der Insel entscheide, da die Bewohnerzahl seit 1980 von 2000 auf 1300 zurückgegangen ist.

Auf der Pro-Seite engagierten sich vor allem der im September mit der Unterstützung von CDU und SPD gewählte Bürgermeister Jörg Singer und die Untergliederungen der beiden großen Parteien. Gegen die Landverbindung sprachen sich vor allem die Helgoländer LINKE sowie zwei auf ihrer Liste gewählte Gemeindevertreter aus, die im Frühjahr überraschend zum Südschleswigschen Wählerverband (SSW) übergewechselt waren. Die Projektgegner registrierten dabei auch unter Mitgliedern und Anhängern von CDU und SPD Sympathie für ihren Standpunkt.

»Helgoländer lassen sich nicht kaufen«, erklärte die LINKE-Kreissprecherin Gerda Münch am Montag auf ND-Anfrage. Die Befürworter hätten in der Kampagne zwar mit Freibier um Stimmen geworben, jedoch nie konkrete Erweiterungspläne, Zahlen und Kostenschätzungen oder die Namen potenzieller privater Investoren genannt, kritisiert sie. Sie sei nun erleichtert darüber, dass die Insulaner ihre Zukunft nicht in die Hände unbekannter Geldgeber gelegt hätten. Bei einer Erweiterung wäre Helgoland über viele Jahre zur Großbaustelle geworden, meint auch Hans Stümer, ehemaliger Chef des örtlichen Wasser- und Schifffahrtsamtes. Dies hätte viele Touristen abgeschreckt.

Die siegreichen Projektgegner möchten mit einer Reihe von Einzelmaßnahmen die Attraktivität der Insel steigern. Dazu gehört vor allem der Einsatz moderner Schiffe für die Verbindung zum Festland statt der betagten Dampfer, die derzeit im Einsatz seien. »Jetzt ist der Weg frei für eine ökologisch und sozial verträgliche Weiterentwicklung der Gemeinde Helgoland«, freut sich Felicitas Weck, die als Kandidatin der LINKEN bei der Bürgermeisterwahl im September 2010 dem Einheitskandidaten aller anderen Parteien und heutigen Amtsinhaber Singer knapp unterlegen war. Somit hätten die Einwohner und nicht die Investoren und ihre Banken das Sagen.

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