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Autokonzern PSA will zwei Werke schließen

Veröffentlichtes Geheimpapier sorgt in Frankreich für Unruhe und Besorgnis

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Gewerkschaftsverband CGT hat Pläne des Automobilkonzerns PSA enthüllt, zwei Produktionswerke in Frankreich zu schließen.

Aus einem internen Papier der Direktion, das auf eine vielen Mitarbeitern zugängliche Internetseite des Unternehmens gelangte, geht hervor, dass 2014 das Werk in Aulnay-sous-Bois aufgegeben werden soll, wo heute 3500 Arbeiter pro Jahr 195 000 Kleinwagen vom Typ Citroën C3 montieren. Bis dahin soll die Produktion Jahr für Jahr stufenweise »zurückgefahren« werden. Im Jahre 2115 soll das Werk Sevelnord im nordfranzösischen Hordain mit noch 2600 Beschäftigten folgen, wo durch die PSA-Filialen Peugeot und Citroën zusammen mit dem Fiat-Konzern gemeinsam entwickelte Kleinbusse und Lieferwagen gefertigt werden. Außerdem steht das PSA-Werk von Madrid auf der Liste der zu opfernden Standorte.

Gleichzeitig wird gegenwärtig in China ein drittes Montagewerk der PSA-Filiale Citroën gebaut und wie aus dem internen Papier hervorgeht, sucht die Geschäftsführung für ein weiteres Werk nach einem möglichen Standort »in der Türkei, in Marokko oder in Osteuropa«.

In dem Dokument heißt es weiter: »Der Beschluss über die Schließungen darf erst Ende 2012 bekannt gemacht werden.« Im Klartext bedeutet das: nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Frühjahr und Sommer 2012, um die Regierung nicht in Bedrängnis zu bringen.

Immerhin hat die Regierung dem weitgehend von der Familie Peugeot beherrschten PSA-Konzern während der jüngsten Krise einen zinsgünstigen Drei-Milliarden-Euro-Kredit gewährt und durch die staatliche »Abwrackprämie«, die den Steuerzahler eine Milliarde Euro gekostet hat, den Verkauf vor allem von Kleinwagen angekurbelt. Im Gegenzug hat die PSA-Direktion der Regierung versprochen, kein Werk in Frankreich zu schließen. Wohl nicht zuletzt, um sich nicht mehr an diese Abmachung halten zu müssen, hat PSA den Kredit inzwischen vorfristig zurückgezahlt.

Das war möglich, weil die Gewinne wieder reichlich sprudeln, vor allem aufgrund erheblicher Produktivitätssteigerungen und drastischer Kosteneinsparungen, während andererseits der Absatz zurückgeht und analog Produktionskapazitäten abgebaut werden. Haben 2005 in allen PSA-Werken zusammen 128 000 Beschäftigte 1,88 Millionen Autos gebaut, so waren es 2010 nur noch 98 800 Mitarbeiter und 1,27 Millionen Autos. Gleichzeitig ging der Anteil der in Frankreich gefertigten Fahrzeuge von 55,9 Prozent auf 35,3 Prozent zurück.

In Aulnay-sous-Bois haben die Beschäftigten schon seit einiger Zeit mit Sorge beobachtet, dass sich seit 2003 die Produktion von jährlich 418 000 auf 195 000 Fahrzeuge mehr als halbiert hat. In dieser Zeit wurden 2700 Arbeitsplätze gestrichen.

Auch für das Departement Seine -Saint-Denis dürften die Folgen beträchtlich sein, denn das PSA-Werk Aulnay ist der größte industrielle Arbeitgeber. Berücksichtigt man auch die Zulieferbetriebe, sind im gesamten Departement mehr als 10 000 Beschäftigte von der Schließung betroffen.

Nach Bekanntwerden des Dokuments sah sich die PSA-Direktion gezwungen, umgehend eine Pressekonferenz einzuberufen. Dort erklärte Produktionsdirektor Denis Martin, die Schließungen seien »kein aktuelles Thema«. Den Inhalt des Papiers konnte er jedoch nicht dementieren und räumte ein, dass sich die PSA-Führung nicht für die Beibehaltung der gegenwärtigen Produktionskapazitäten über 12 bis 18 Monate hinaus verbürgen könne.

Während Gewerkschaften und Beschäftigte darin ein Eingeständnis sehen, dass die Schießungspläne längst beschlossen sind, ließen sich Premierminister François Fillon und Industrieminister Eric Besson, die die PSA-Direktion zu einem »klärenden Gespräch« eingeladen hatten, beschwichtigen. Fillon äußerte anschließend, er sei »überzeugt und beruhigt« durch die Zusicherung, man werde das Werk in Hordain bis 2016 beibehalten und das Werk in Aulnay, »solange der C3 noch gefertigt wird«. Auch Industrieminister Besson zeigte sich »beruhigt«, musste allerdings einräumen, dass »die Regierung ein Privatunternehmen wie PSA letztlich zu nichts zwingen kann«.

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