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Über 50 Familien in bunter Mischung

GARTENTIERE: Unter Kleinschmetterlingen gibt es auch Riesen

  • Von Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
  • Lesedauer: 3 Min.

Tagfalter, Eulen und Spanner gehören zu über Tausend Falter, die man recht leicht diesen Gruppen zuordnen kann. Dazu kommen noch über hundert Nachtschwärmer, bei denen eine Einordnung schwieriger ist. Doch in Deutschland gibt es mit über zweitausend Arten auch eine Überzahl von Kleinschmetterlingen, von denen Dutzende Mitnutzer unserer Gärten sind.

An einem Frühlingstag hatte ich vergeblich nach einem Zitronenfalter Ausschau gehalten, aber abends zappelte plötzlich etwas auf dem Schreibtisch: Ein Kleinschmetterling, vielleicht vier Millimeter groß. Ich wollte ihn vermessen, aber da glückte der Start, und er flog ausdauernd große Runden durchs Zimmer.

In der Literatur finde ich für Kleinschmetterlinge als Minimalspannweite vier Millimeter, in einer anderen Quelle gar nur drei Millimeter. Welche Geduld und Geschicklichkeit erfordert es, solche Winzlinge für die Sammlung zu nadeln; großenteils ist für die Bestimmung auch noch die Anfertigung von Genitalpräparaten erforderlich.

Dass man die Artenfülle in mehr als fünfzig Familien ordnet, verdeutlicht, dass es sich um eine bunte Mischung handelt. Und nicht nur die Mischung ist bunt. Auch unter diesen überwiegend nächtlich lebenden Faltern gibt es bunte und wunderhübsch gezeichnete Vertreter. Zudem absonderliche Gestalten, wie die im Frühjahr bei ihrem Flug im Sonnenschein auffälligen Langhornmotten, deren Männchen Fühler von mehr als dreifacher Körperlänge haben können. Oder die in der Dämmerung und nachts fliegenden Federmotten, deren tief gespaltene Flügel an Federn erinnern. Abgebildet haben wir hier ein Geistchen (Foto: Ulrich Sedlag).

Die Wissenschaft akzeptiert den Begriff Kleinschmetterlinge übrigens nicht mehr, da es sich um keine den üblichen Kategorien entsprechende Verwandtschaftsgruppe handelt. Verbindend ist die geringe Größe. Aber das nicht ohne Ausnahme.

Weil wohl die Hinterleibsbeine ihrer Raupen Kranzfüße sind, das heißt in Kreisen von Haken enden, wie sie für Kleinschmetterlinge charakteristisch sind, rechnet man ihnen beispielsweise auch die Holzbohrer zu. Von diesen lebte der Weidenbohrer zeitweilig in meinem Garten, als seine Raupen dabei waren, das Schicksal einer Weide zu besiegeln. Seine Spannweite kann bis 80 Millimeter betragen, und die Raupen übertreffen mit zehn Zentimeter Länge die fast aller Großschmetterlinge. So wie sie es im Holz tun, minieren die Raupen vieler anderer Kleinschmetterlinge in Blättern und Stängeln. Oder auch in Früchten wie die als Maden bezeichneten von Apfel- und Pflaumenwickler.

Zu den in Gärten häufigen Schädlingen gehören auch die der oft als Kohlschaben bezeichneten Raupen der Kohlmotte, die nur anfangs minieren, später frei an Blattunterseiten fressen. Ferner Gespinstmotten, deren Gespinste nicht selten an Pfaffenhütchen oder Weißdorn meiner Hecke auffallen. Manchmal sah ich Kleinschmetterlinge um und dicht über den Gartenteich fliegen. Es könnte sich um Wasserzünsler gehandelt haben, von denen sich einer an Wasserlinsen entwickelt.

Die Raupen der Kleinschmetterlinge haben also eine sehr unterschiedliche Lebensweise, selbst wenn man sich auf den Garten beschränkt. Jenseits des Gartenzauns ist die Spanne der Möglichkeiten noch wesentlich weiter, wofür beispielhaft nur die Namen Kleidermotte, Wachsmotte und Korkmotte genannt seien. Die Falter selbst sind durchweg harmlos. Manche sind Blütenbesucher oder Nutzer irgendwelcher Säfte, andere haben nicht einmal einen Rüssel, sie leben also von den Reserven, die sie sich als Raupen angefressen haben.

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