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Vom Clown zum Gewinner

Novak Djokovic gelangt mit Wimbledonsieg endgültig an die Spitze

  • Von Cai-Simon Preuten, SID
  • Lesedauer: 3 Min.

»Husten, Vogelgrippe und Anthrax!« Klarer Fall: Novak Djokovic war ein Hypochonder – zumindest in den Augen des US-Amerikaners Andy Roddick, der dem Serben noch vor drei Jahren jeglichen Kampfgeist absprach. Und tatsächlich: Beim kleinsten Zipperlein eilte der Physiotherapeut auf den Tennisplatz, bepackt mit Eisbeuteln, kalten Wickeln und warmen Worten. Novak Djokovic war ein schlampiges Talent, manchmal weinerlich und weit davon entfernt, ein Champion zu sein. Heute ist der 24-Jährige Wimbledonsieger und die Nummer eins der Tenniswelt.

Die Bewunderung kennt seit dem Finaltriumph über Rafael Nadal keine Grenzen mehr. Die Wachablösung in der Weltrangliste stand bereits nach dem Halbfinale fest, doch was wäre der Tennisthron ohne den Titel auf dem »Heiligen Rasen« von Wimbledon? Nun darf die serbische Tageszeitung »Blic« auf dem Titelblatt »Königlich!« ausrufen. Die Zeitung »Sportski« adelt Djokovic als »Duke of Wimbledon«.

Dabei war er noch bis vor wenigen Monaten nur der »Djoker« gewesen – ein begabter junger Serbe, der das Pech hatte, in seiner Laufbahn auf die Ausnahmekönner Roger Federer und Nadal treffen zu müssen und damit als ewige Nummer drei in die Geschichte einzugehen. Als Tennisclown fand Djokovic eine Nische, in der er lange Zeit das Publikum auf seiner Seite wusste. Seine Parodien auf Nadal und Maria Scharapowa wirkten erfrischend, allerdings nicht bei den Kollegen. Die waren »not amused« und reagierten wie Roddick mit Spott auf die zahlreichen verletzungsbedingten Aufgaben von Djokovic.

Verstummt sind die kritischen Stimmen spätestens mit dem Sieg im Davis Cup im Dezember 2010. Vor 18 000 frenetisch jubelnden Fans in Belgrad führte Djokovic Serbien zum ersten Mal nach ganz oben. »Viele können sich gar nicht vorstellen, was dieser Sieg für unser Land bedeutet hat. Wir hatten einen schrecklichen Krieg, wir haben harte Zeiten hinter uns und haben sie noch immer nicht überwunden. Und wir haben ein schlechtes Image. Da kann der Sport vieles verändern«, sagte Djokovic. Es ist ihm anzumerken, dass der Triumph in dem Mannschaftswettbewerb auch seine persönliche Geburtsstunde als Champion war.

48 Siege bei nur einer Niederlage im Halbfinale der French Open gegen Federer stehen für ihn in diesem Jahr zu Buche. Es sei »alles zusammengekommen, der mentale, der körperliche und der spielerische Bereich«, erklärte Djokovic seine Leistungssteigerung.

Auf dem Center Court im All England Club war es besonders erstaunlich, dass Nadal nicht die Kraft besaß, seinen Titel zu verteidigen. Djokovic ist in die ureigensten Bastionen des Spaniers eingedrungen und läuft schneller, länger und dazu geschmeidiger als sein Gegenüber. Der entthronte Spanier konnte sich nur verneigen: »Gut gemacht!«

Ein Ende des Höhenflugs ist noch lange nicht in Sicht. Zwar erreichte Djokovic mit dem Sprung auf Platz eins sein »großes Ziel« und erfüllte sich mit dem Wimbledonsieg seinen »großen Traum«, doch ist der Rechtshänder noch lange nicht satt. Der Grand-Slam-Sieg in London ist erst sein dritter nach den Australian Open 2008 und 2011. Zum ersten Mal seit Februar 2004 steht ein anderer Spieler als Federer oder Nadal an der Spitze der Weltrangliste, und da will Djokovic auch bleiben. Bei den US Open in New York ist er zum ersten Mal in seiner Karriere der Gejagte. Man darf gespannt sein.

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