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Schaubude

Fortuna lernt fliegen

Es ist doch unglaublich, was man alles kann, wenn man es nur will. Davon erzählt der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda in einem Kinderbuch von 1996, das bereits 1997 in deutscher Fassung erschien. Sogar natürliche Feinde können sich darin für eine gute Sache verbünden. Freunde geben einander von ihrem Wissen ab.

Im Ferienprogramm der Schaubude, dem Theater für Puppen, Figuren und Objekte, ist für Kinder ab 5 Jahren das nach Sepúlvedas Kinderbuch benannte Stück »Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte« zu sehen. Die 50-minütige Inszenierung vom Koboldtheater entstand unter der Regie von France Damian. Stefan Spitzer schuf die witzig gestalteten Puppen und spielt das Stück zusammen mit Inga Schmidt.

In der Geschichte gerät eine Möwe ins von Öl verseuchte Meer. Sie weiß um ihr unweigerliches Ende und nimmt dem Hafenkater Zorbas das Versprechen ab, ihr Ei auszubrüten, das Küken aufzuziehen und ihm das Fliegen beizubringen. Ein bisschen viel für einen Kater, der so ein Ei eigentlich lieber gefressen hätte. Für die Kinder ist von den Puppenspielkünstlern sehr gut dargestellt, wie der Kater sich dazu durchringt, am Ende doch alle drei Versprechen einzulösen. Und das gelingt, weil er sich Verbündete sucht.

Da überlegt sich sein Kumpel, der Restaurantkater, was die kleine Möwe fressen könnte. Eine Katzenfreundin hilft, auf den Vogel aufzupassen und den Namen Fortuna für das kleine Wesen zu finden. Alle möglichen Tricks bringen sie dem Pflegekind bei, während es unter ihrem Schutz aufwächst. Und der belesenste aller Kater schlägt zur Lösung von Problemen immer wieder neu in seinem Lexikon nach. Überdies weiß er schließlich, dass er bei einem Dichter Hilfe suchen kann, denn er ist ein Kater, der alle Sprachen spricht. Das beweist er in Russisch, Chinesisch und mehr – sogar in Sächsisch. Gewürzt wird die Handlung dann noch durch die Abkommen mit den respektlosen Ratten des Hafenviertels, die des Spottens darüber nicht müde werden, dass sich ein Kater von einer Möwe »Mama« nennen lässt.

So ist das rundum eine schöne wie lehrreiche Geschichte über Freundschaft, Versprechen und Verantwortung, die von Inga Schmidt und Stefan Spitzer so gut und zügig gespielt wird, dass die Kinder die Puppenspieler schnell vergessen, obwohl sie zumeist hinter den Puppen durchaus zu sehen sind. Nur die kurzen, den Schriftsteller exakt zitierenden Szenen am Anfang und Ende des Stücks können die Kinder noch nicht verstehen. Aber das vergessen sie dann eben auch schnell.

Es ist zu bewundern, mit welcher Kraft der Schriftsteller Luis Sepúlveda (Jahrgang 1949), diese Geschichte mit der Aussage versah: »Es fliegt nur der, der sich zu fliegen traut.«. Sepúlveda hat selbst viel gewagt und sich nicht des so genannten lieben Friedens willen angepasst. In der Pinochet-Diktatur wurde er verfolgt und eingesperrt. Nach weltweiten Protesten wurde die Haft in Hausarrest umgewandelt. Von dort floh er ins Exil nach Ecuador, kämpfte später in Nicaragua an der Seite der Sandinistas. Er arbeitete auch als Regisseur und Journalist – immer den unbequemen Weg wählend. In Deutschland erhielt er Asyl, lebte zehn Jahre in Hamburg, später in Frankreich. Heute ist er in der spanischen Stadt Gijón zu Hause. Am Meer, wo es Möwen und Hafenkater gibt.

21. und 26.-28.7., 10 Uhr, Schaubude, Tel.: (030) 423 43 14

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